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15.02.2010 | Automatisierung
EMS mit Fokus auf Medizintechnik, Luftfahrt oder Militär trotzen Krise

Elektronik in Deutschland zu fertigen ist ein schwieriges Geschäft. Mit innovativen Produkten und ausgeklügelter Traceability profilieren sich einige wenige Anbieter.
von Sabine Spinnarke
LANDSBERG. Während der Welt-Elektromarkt in 2008 um gerade einmal drei Prozent auf 2 600 Mrd Euro anwuchs, konnten die EMS-Anbieter ihre Umsätze um 12,5 % auf 294 Mrd Euro steigern. Allerdings hat die Krise 2009 der Branche einen herben Rückschlag verpasst. Das Marktforschungsinstitut New Venture Research hat sich auf EMS (Electronic Manufacturing Service) und OEMs der Elektronikindustrie spezialisiert; Geschäftsführer Randall Sherman sagt: „Die Wirtschaftskrise hat den EMS-Markt tief getroffen. Wenn in der Elektronikindustrie der Auftragseingang einbricht, wird als erstes dem EMS-Partner gekündigt oder sein Auftragsvolumen reduziert. Das hat sich letztes Jahr in den Geschäftszahlen fast aller EMS-Anbieter weltweit wiedergespiegelt. Umsatzrückgänge von 15 %-2 5% waren die Regel. Am stärksten betroffen waren die Segmente Industrie, Automotive, Computer und Consumer-Electronics. Kleinere 3rd- und 4th-Tier Zulieferer mit Fokus auf Medizintechnik, Luftfahrt oder Militär hingegen waren weniger stark betroffen.“ Den deutschen EMS-Anbietern Zollner Elektronik, BuS und Vierling beispielsweise konnte die Krise wenig anhaben.
Ousourcing in Krisenzeiten
Peter Wolfgang, Geschaeftsfuehrer VIERLING: "Das Wachstum innovativer Branchen zieht EMS-Partner mit“
BuS Geschäftführer Dr. Werner Witte: "Übrigens: BuS hat den von Deloitte Deutschland ausgelobten Axia-Award 2010 in der Kategorie „Kunden-beziehungs-management“ gewonnen."
„Krisenzeiten sind nicht unbedingt schlechte Zeiten für Outsourcing-Anbieter. Viele Unternehmen bauen gerade jetzt ineffiziente hausinterne Fertigungen ab und sind auf der Suche nach externen Dienstleistern. Große EMS-Dienstleister kaufen nach wie vor ganze Fertigungsstätten auf“, berichtet Wolfgang Peter, Geschäftsführer, Vierling Production. Auch EMS-Anbieter BuS hat auf diesem Gebiet langjährige Erfahrung und zahlreiche Outsourcingprojekte realisiert; Geschäftsführer Wolfgang Witte sagt: „Das Thema Outsourcing steht hoch oben auf unserer Tagesordnung, weil sich bei ganzheitlicher Betrachtung, d. h. Berücksichtigung aller Kosten für eine interne Produktion in den meisten Fällen herausstellt, dass ein ‚Elektronik-Zukauf‘ bei einem Dienstleister vorteilhafter ist als die eigene Produktion. Dieser hat in der Regel ein sehr viel moderateres Lohn- und Gehaltsniveau und ist von seiner Ausrichtung her ausschließlich auf Elektronik konzentriert.“ So konnte BuS Umsatzreduzierungen im Stammgeschäft durch zahlreiche Neukunden zu einem großen Teil kompensieren. Witte berichtet von „außergewöhnlich vielen Neuanfragen“, die bereits im Herbst 2009 zur Absetzung der Kurzarbeit führten. Dr. Christoph Weiß, Geschäftsführer des neu gegründeten Fachverbands PCB and Electronic Systems innerhalb des ZVEI erklärt dies folgendermaßen: „Wenn bei einen OEM im Bereich Baugruppenfertigung Investment getätigt werden muss oder Fertigungskompetenz bei der Herstellung von elektronischen Baugruppen gefordert wird, dann wird verstärkt Outsourcing betrieben.“
EMS: Dynamische Branche
Mittlerweile übertrifft die Wachstumsdynamik der EMS die der Elektronik-OEMs. Darauf reagierend gründete der ZVEI jüngst einen eigenen Fachverband PCB and Electronic Systems.
Johann Weber, Vorstandsvorsitzender der Zollner Elektronik, die laut New Venture Research zu den Top-10 der Branche gehört, ist da vorsichtiger: „Zur zukünftigen Entwicklung des Outsourcings eine verlässliche Aussage zu treffen ist uns aktuell nicht möglich.“ Allerdings verweist Weber auf die Zahlen zur bisherigen Marktentwicklung der weltweiten EMS-Industrie, demnach gehört die Branche zu den am schnellsten wachsenden Sektoren in der Elektronik; „Glaubt man den Aussagen einiger Analysten wird sich das Marktwachstum, wenn auch anfänglich verhalten aber dennoch positiv in den nächsten Jahren entwickeln. Andere Marktkenner gehen von einer stagnierenden Marktlage zukünftig aus“, setzt Weber fort.
Hohe Lösungskompetenz
Um auch weiterhin in einem von extremen Preisdruck gebeutelten Markt bestehen zu können, setzen deutsche EMS auf Produkte die eine hohe Lösungskompetenz und Flexibilität erfordern. Auch Peter sieht in hochwertigen Systemen die größten Chancen für deutsche Anbieter: „Neue Technologien und ihre Umsetzung in innovative Produkte sind der Wachstumsmotor der hochentwickelten europäischen Volkswirtschaften.“ Insbesondere innovative Medizin- und Gesundheitstechnik bieten deutschen EMS-Anbietern Chancen. Bei Vierling laufen aktuell eine Reihe Projekte, die teilweise vom Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) oder dem SimoBIT-Programm gefördert werden. Beides sind Programme des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). „Zum Beispiel im Rahmen des SimoBIT-Projekts OPAL entwickeln wir im Verbund mit Partnern ein intelligentes Funknetz-System für medizintechnische Anwendungen.“ (siehe Bild) Vierling ist in diesen Projekten für Hardware-Entwicklung und Fertigung zuständig.“
Optimieren des Fertigungsprozesses
Testbetrieb des Projekts OPAL-Health, u. a. entwickelt vom Fraunhofer IIS, startete in Erlangen am 26. Januar 2010. Smart Objects helfen Fehltransfusionen zu vermeiden.
Eine andere Möglichkeit auf den ständig wachsenden Preisdruck zu reagieren, sind Innovationen im Fertigungsprozess selbst: „Würth Elektronik bietet mit der Technology ‚Lasercavity‘ ein neuartiges Verfahren zur Integration aktiver Bauelemente in die Innenlagen von Leiterplatten. Dabei werden Laserbearbeitungsverfahren mit dem Thermokompressionsbonden kombiniert. Mit dem Laser werden Tiefenfräsungen (Cavities) erzeugt. Hierdurch entstehen Anschlussmöglichkeiten in einer bisher nicht erreichten Präzision auf tiefer liegenden Lagen eines Multilayers, auf denen Komponenten angeschlossen bzw. eingebettet werden.“ Mit diesem Verfahren reagiert Würth Elektronik auf die zunehmende Integrationsdichte auf Leiterplatten im Zuge der stetig ansteigenden Funktionalität. Dies erfordert die optimale Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Platzes auf allen Lagen. Umso mehr, als der Platz auf den Außenlagen bei immer kleiner werdenden Endgeräten schrumpft und so weniger Fläche für die konventionelle Bestückung übrig bleibt. „Das Ausweichen auf die innen liegenden Lagen eines Multilayers öffnet hier neue Horizonte.“
Taceability
Eine andere Art der Prozessoptimierung ist die Tracability, auch hier zeichnen sich deutsche Anbieter positiv aus. „Mit der Einführung einer gesamtheitlichen Traceability (Hersteller/Lieferant, Zollner als EMS und unser Kunde) nimmt Zollner als EMS-Dienstleister eine Vorreiterrolle ein. Mit Hilfe der Traceability sind wir erstmalig in der Lage auf einer einheitlichen Datenbasis sowohl Material-, Prüf-, Reparatur- und Prozessdaten zu erfassen, Prozesse zu verriegeln und diese Daten zur aktiven Prozessverbesserung zu verwenden. Mit dem Einsatz dieses Trace-System bieten wir unseren Kunden eine lückenlose Rückverfolgbarkeit an, die in Zeiten von Rückrufaktionen für Hersteller aller Branchen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Der Einsatz von Traceability schafft zusätzliche Transparenz in den Prozessen, minimiert das Risiko und trägt zur kontinuierlichen Prozessoptimierung bei“, berichtet Weber.
Links:
Marktforschung: New Venture Research, Electronic Trend Publications
EMS-Anbieter: BuS Elektronik GmbH & Co. KG, Vierling Production GmbH, Würth Elektronik GmbH & Co. KG, Zollner Elektronik AG
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