14.03.2012 |

Mitsubishi: “Offene Robotersteuerungen im Trend”

Dipl.-Ing. Reiner Hänel, Vertriebsleiter Roboter, Mitsubishi Electric Europe: “Es gibt die Tendenz Robotersteuerungen für Programme anderer Hersteller zu öffnen.” (Bild: Hänel).

Der wichtigste USP der Roboterhersteller, nämlich ihre proprietären Steuerungen, gerät ins Wanken.

von Sabine Spinnarke

NÜRNBERG (sp).  Dipl.-Ing. Reiner Hänel, Vertriebsleiter Roboter, Mitsubishi Electric Europe im Interview mit Produktion-Redakteurin Sabine Spinnarke. Hänel berichtet über die Risiken und Vorteile Steuerungen für Programme von Drittanbieter zu öffnen.

Werden Robotersteuerung ‘offen’?

Ja, es gibt die Tendenz, Robotersteuerungen für Programme anderer Hersteller zu öffnen.

Wie geht das vonstatten das und was sind die Folgen?

Der Anwender lädt dazu Software-Programme, die er für die Bahnsteuerung selber beispielsweise in C generiert hat, auf die Robotersteuerung. Das ist nicht ungefährlich, denn sobald der Roboter Bewegungen ausführt, die nicht programmiert wurden, kann er großen Schaden anrichten. Dieses Risiko wächst, wenn große und komplexe Softwarepaket, die extern geschrieben wurden, unzureichend getestet, plötzlich in der realen Produktion eingesetzt werden.

Wie stehen denn die Roboterhersteller dazu?

Ein Roboterhersteller weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, wie seine Software aussehen muss, er hat ganz andere Möglichkeiten seine Programme zu testen. Bei einer Freigabe muss man sich daher sorgfältig überlegen, inwieweit der Kunden damit umgehen kann. Sicherlich gibt es Hochschulen, die hervorragend in der Programmierung von Robotersteuerungen sind, trotzdem steckt der Roboterhersteller tiefer in der Materie und schätzt die Gefahren besser ein. In der Produktion sieht man als erstes den Roboter, nicht die Steuerung, wenn etwas schiefläuft fällt es immer auf den Roboterhersteller zurück.

Was sind das für Anbieter die derzeit in Erscheinung treten?

Es gibt eine Gruppe von Anwendern, die ihre Bahnberechnungen selber realisieren wollen, eine andere Gruppe nutzt Standard-Robotersteuerungen, die speziell auf ihre Anwendung hin zugeschnitten werden müssen; diese Programmänderungen vergeben sie gerne an externe Software-Entwickler.

Gibt es auch Vorteile für diesen Trend?

Ein Vorteil der Öffnung ist, dass beispielsweise vermehrt Sensorik eingebracht werden kann, die ein Standardcontroller so nicht beinhaltet. Mit einer offenen Steuerung können Näherungs- oder Abstandssensoren ins System eingebunden werden und die Performance des Roboters steigern.

…weitere Vorteile?

Der wichtigste Vorteil fällt unter das Stichwort Synchronisation: der Roboter ist erst einmal eine Insel, die Peripherie wird von einer SPS gesteuert, die Kommunikation läuft über Protokolle wie Ethernet oder Profibus, sobald die Robotersteuerung integriert ist, sinkt die Kommunikationszeit zwischen Robotersteuerung und Peripherie, gegen Null, d.h. er erhält die Signale, die der braucht um ohne Verzögerung synchron mitzuarbeiten.

Wie reagiert Mitsubishi auf diesen Bedarf?

Wir bieten für diesen Zweck eine Plattform, auf der SPS, Robotercontroller und Motioncontrol zusammengefasst wurden. So kann der Roboter mit allen anderen intelligenten Modulen nahezu in Echtzeit kommunizieren und Synchronisationsprobleme sind so gut wie ausgeschlossen.

Kann ein klassischer SPS-Hersteller auf seiner Plattform Ihre Roboter integrieren?

Nein, andere Plattform können unsere Robotersteuerungen nicht integrieren, weil sie dediziert für unsere Q-Serie entwickelt wurde.

Bieten klassische Steuerungshersteller SPSen für Roboter an?

Es gibt bereits viele klassische SPS-Hersteller die Steuerungen anbieten, die an nahezu beliebige Roboterhardware angebunden werden können.

Wohin tendieren denn die Roboterhersteller, zur Öffnung oder zur Abschottung?

Wenn man als Roboterhersteller keine offenen Systeme anbietet, riskiert man ins Abseits gedrängt zu werden. Auf der anderen Seite zerlegt man sich dadurch den eigenen Markt: man bietet Komponenten an, die den Kunden in die Lage versetzen, seinen Roboter bzw. sein Mehrachssystem selber zu generieren, das dann – im schlimmsten Fall – im Wettbewerb mit den eigenen Produkten stehen könnte.

Wie wichtig ist denn die Steuerung?

Wie gut der Roboter letztendlich ist, hängt entscheidend von der Steuerung ab: Die Steuerung gibt den Ausschlag, ob der Roboter seinen Endpunkt findet, ohne zu überschießen, ob er sich in hohem Tempo bewegt und regelt.

…also ein bedeutendes Qualitätskriterium?

Diese Details beherrschen Roboterhersteller in der Regel sehr gut, innerhalb von offenen Systemen müssen sich die Anwender dies in mühsamer Kleinarbeit erarbeiten. Der Endanwender entscheidet, welchen Weg er gehen will. Bestimmte Szenarien sprechen für die eigene Software, insbesondere wenn es ihm nicht auf eine besonders hohe Performance ankommt. Der Roboterhersteller verkauft natürlich am liebsten Roboterarm plus Steuerung.

Was plant Mitsubishi in Zukunft anzubieten?

Die Tendenz offene Robotersteuerungen auf den Markt zu bringen ist da, auch wir bieten die Möglichkeit Motion-Systeme in Kombination mit unserem C-Controller so offen zu gestalten, dass nahezu jede Kinematik damit gesteuert werden kann, wir bieten freie Schnittstellen, um selber einen Roboter zu definieren, davor geschaltet ist dabei immer eine sehr intelligente Software, die der Anwender selbst liefert. Wir sprechen dabei allerdings nicht von einer Robotersteuerung, sondern von einem System für Mehrachslösungen.


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