03.11.2010 |

Pfeiffer Vacuum nach Übernahme mehr als doppelt so groß

Die Pfeiffer Vacuum Technology AG wird nach ihrer geplanten Übernahme der Vakuumtechnologiesparte der französischen Alcatel-Lucent mehr als doppelt so groß sein wie bisher.

Von Nico Schmidt, Dow Jones

FRANKFURT (ks)–Auch operativ läuft es glänzend für den TecDAX-Konzern: Nach dem rekordverdächtigen dritten Quartal hob der Vakuumtechnikhersteller die Prognose für 2010 an und peilt neue Rekorde an. Die Börse feiert das Unternehmen für die Flut an guten Nachrichten: Die Aktie gewinnt am frühen Mittag 13,4% und notiert bei 78,26 Euro.

Am Morgen teilte Pfeiffer Vacuum mit, die Verhandlungen mit Alcatel-Lucent über den Kauf der Vakuumtechniksparte Adixen weitgehend abgeschlossen zu haben. Die 200 Mio Euro schwere Transaktion soll zum Jahresende wirksam werden. Bei Alcatel habe Adixen nicht mehr zum Kerngeschäft gehört, erklärte Pfeifer-Vacuum-Chef Manfred Bender in einem Interview mit Dow Jones Newswires.

Bereits im vergangenen Jahr war in den Medien spekuliert worden, Alcatel-Lucent wolle sich von Randbereichen trennen, um die finanzielle Situation zu verbessern. Bereits seinerzeit war Adixen als möglicher Verkaufskandidat gehandelt worden.

Adixen ist ein weltweit führenden Anbieter von Vakuumpumpen und Lecksuchgeräten. Die Alcatel-Lucent-Sparte erzielte 2009 einen Umsatz von 134 Mio Euro. Wegen der Wirtschaftskrise rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen und schrieb einen operativen Verlust (EBITDA) von 3 Mio Euro. Für dieses Jahr erwartet Adixen Einnahmen von etwa 270 Mio Euro und einen Gewinn von rund 40 Mio Euro.

Mit der Übernahme werde Pfeiffer Vacuum in eine “andere Größenordnung vorstoßen”, erklärte Bender. Die kombinierte Gesellschaft wird nach seiner Aussage schon 2011 einen Umsatz von mehr als 500 Mio Euro jährlich erwirtschaften und zu einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich Vakuumtechnik werden. Damit wird sich das Geschäftsvolumen von Pfeiffer Vacuum mehr als verdoppeln. Denn für dieses Jahr erwartet das im hessischen Aßlar ansässige Unternehmen Einnahmen von 210 Mio Euro nach 182 Mio Euro im Krisenjahr 2009.

Die operative Marge von Pfeiffer Vacuum soll in diesem Jahr auf mindestens 23% steigen. Sowohl das genannte Umsatz- als auch das Renditeziel für 2010 hob der TecDAX-Konzern am Morgen mit Bekanntgabe der Drittquartalszahlen auf entsprechende Werte an. Zuvor hatten die Hessen den Rekordumsatz aus dem Jahr 2008 von gut 198 Mio Euro und eine Marge von mehr als 22% angepeilt. Wegen der Wirtschaftskrise waren die Einnahmen 2009 um gut 8% auf 182 Mio Euro geschrumpft. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank um mehr als ein Viertel auf 37,8 Mio Euro, auch die Auftragseingänge waren in dieser Größenordnung zurückgegangen.

Das aktuelle Profitabilitätsniveau von Adixen liegt nach Aussage von Vorstandschef Bender unter dem von Pfeiffer Vacuum, sei aber trotzdem “sehr gut”. Nach der Übernahme dürfte es daher erst einmal zu einer Margenverwässerung kommen, wobei der Vorstandsvorsitzende damit rechnet, dass das kombinierte Unternehmen schnell deutlich profitabler werden wird. “Adixen ist ein Unternehmen, das in diesem Jahr fast noch dynamischer wächst als Pfeiffer Vacuum”, erklärte Bender. Ob die neue Gesellschaft allerdings irgendwann das sehr hohe Profitabilitätsniveau von Pfeiffer Vacuum erreichen werde, sei noch unklar.

Besonders gut passen die Unternehmen nach Aussage des Managers aufgrund ihrer jeweils mittelständischen Strukturen zusammen. Pfeiffer Vacuum und Adixen beschäftigten sich zudem mit dem selben Thema, wobei es andererseits kaum Überlappungen zwischen den Firmen gebe. Synergien stellte der Manager in Aussicht. Noch sei es aber zu früh, diese konkret zu beziffern.

Bender verspricht sich von dem Zukauf eine “erhebliche Verstärkung” des Geschäfts mit Vorpumpen und dadurch eine breitere Aufstellung. Das Geschäft mit Vorvakuumpumpen gilt bislang als (einzige) Schwäche des TecDAX-Konzerns, dessen Marktanteil hier unter 10% liegt. Vorstandschef Bender hatte erst unlängst erklärt, dass er in diesem Bereich deutlich zulegen wolle – jedoch nicht im jeden Preis. Der Markt für Vorpumpen ist von einem großen Wettbewerbsdruck geprägt, Pfeiffer Vacuum gilt eher als Premiumanbieter.

Zudem erhofft sich Bender von der Übernahme eine bessere Stellung auf wichtigen Zukunftsmärkten, vor allem in Asien. Im Gegensatz zu Pfeiffer Vacuum hat Adixen einen Produktionsstandort auf dem Kontinent. Früheren Angaben zufolge will Pfeiffer Vacuum künftig rund ein Viertel der Einnahmen dort generieren und hat zu diesen Zweck unlängst eine Asien-Offensive gestartet.

Ein Analyst sprach von einer wegweisenden Transaktion für Pfeiffer Vacuum und sieht kräftige Synergiepotenziale. Die Kursgewinne vom Mittwoch führt er aber auch zum großen Teil auf die nach seiner Einschätzung exzellenten Quartalszahlen zurück. Zwischen Juli und September legte der Umsatz von Pfeiffer Vacuum um mehr als die Hälfte auf 59,07 Mio Euro zu, obwohl ein Großauftrag aus der Solarindustrie aus dem Vorjahr fehlte. Das Betriebsergebnis stieg auf 14,44 (Vorjahr: 5,85) Mio Euro und unter dem Strich verdienten die Hessen 11,26 (4,19) Mio Euro. Damit wurden die Prognosen auf sämtlichen Ebenen deutlich übertroffen.

“Das dritte Quartal dürfte das stärkste in der Unternehmensgeschichte gewesen sein”, sagte Vorstandsvorsitzender Manfred Bender. Auch für die kommenden Monate deute sich ein sehr dynamisches Geschäft auf allen Märkten an. “Der sehr positive Trend scheint sich fortzusetzen”.


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