04.10.2010 | Automatisierung
Stuxnet trifft jetzt auch deutsche Industrie / Erste Festnahmen im Iran
Anders als bisher verlautbart, sind auch in Deutschland Industrie-Unternehmen vom Computer-Wurm Stuxnet betroffen.
MÜNCHEN (ilk). Der Siemens-Konzern gab jetzt auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung an, dass fünf von fünfzehn dem Konzern bekannten ‘Infektionen’ durch Stuxnet deutsche Anwender betreffen. Siemens bestätigte, dass unter den Fällen Kraftwerke, chemische Fabriken und industrielle Produktionsanlagen gewesen seien. In allen Fällen hätten die Betreiber das Virus entdeckt und mit Hilfe von Siemens entfernt. Keine der Anlagen habe sich selbständig gemacht oder sei zum Stillstand gekommen, erklärte Siemens.
Siemens hat erklärt, das Virus sei auf einer Testanlage isoliert worden, um es weiter untersuchen zu können. “Unsere Analysen lassen keine Rückschlüsse auf einen bestimmten Zweck oder Urheber des Virus zu”, erklärte der Konzern.
Der Stuxnet-Analyst Ralph Langner sagte zu sueddeutsche.de, Mittelstand und Industriekonzerne hätten Sicherheitslücken und die Gefahr durch Cyberangriffe in der Vergangenheit kaum ernstgenommen.
Die Unternehmen seien nicht bereit gewesen, trotz zunehmender Automatisierung und Vernetzung für einen angemessenen Schutz zu zahlen. Deutschland sei vergleichsweise schlecht auf Angriffe wie jenen mit Stuxnet vorbereitet. Die Vereinigten Staaten seien da deutlich weiter. Dabei sei immer klar gewesen, dass die “glückselige Zeit ohne nennenswerte Vorfälle mal zu Ende sein würde”.
Siemens stellt auf seiner Website Informationen zur Verfügung, wie der Virus zu bekämpfen ist.
Unterdessen gibt es erste Festnahmen in Sachen Stuxnet, der – wie Fachkreise vermuten – unter anderem programmiert wurde, um das iranische Atomkraftwerk in Buschehr anzugreifen. Tatsächlich wurde der Computer-Wurm dort auch diagnostiziert, wenn laut offizieller Verlautbarung nicht in den Rechnern des Kraftwerks selbst, sondern auf Rechnern von Mitarbeitern. Der Iran habe mehrere “Atom-Spione” verhaftet, die angeblich das Atomprogramm des Landes mit Cyber-Attacken sabotieren wollten. Der Chef des iranischen Geheimdienstes, Hejdar Moslehi, sagte der Nachrichtenagentur Mehr, dass der iranische Cyberspace derzeit unter Kontrolle sei, IT-Experten im Geheimdienst hätten eine “virtuelle Sabotage durch die Weltarroganz (Weltmächte)” erfolgreich verhindert. Der Geheimdienstchef sagte jedoch nicht, um wen es sich bei den Verhafteten handelt und in welcher Form sie in die Cyber-Attacken verwickelt waren.
Die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Buschehr wird sich in jedem Fall um Monate verzögern. Das Kraftwerk sollte im November ans Netz gehen, dies werde nun zwei bis drei Monate später als geplant erfolgen, so der Atomchef Ali-Akbar Salehi. Als Grund gab er die Hitze in Buschehr an.
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