07.03.2013 | Beruf & Karriere

Zusatzrente vom Chef

Der Automobilzulieferer Hartmann-Exact stockt die  betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter auf (Bild: Hartmann-Exact).
Der Automobilzulieferer Hartmann-Exact stockt die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter auf (Bild: Hartmann-Exact).

Im Kampf um Fachkräfte lassen sich Mittelständler einiges einfallen. Weil sie nicht mit dicken Gehaltsschecks locken können, bieten sie Zusatzleistungen an.

Michael Sudahl

Stuttgart (gk). Zwei Drittel der Angestellten schätzen gesundheitsfördernde Maßnahmen wie Fitnesskurse oder Massagestunden, wenn sie vom Chef bezahlt werden. Für mehr als 90 % ist eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit ein wichtiges Angebot für die Arbeitgeberwahl. Für die Menschen nehme die Bedeutung der Work-Life-Balance zu, denn sie wüssten, dass sie ein langes Arbeitsleben vor sich haben, heißt es im ‚HR-Report‘ des Mannheimer Personaldienstleisters Hays.

Für Jürgen Hofele ist das inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Der kaufmännische Geschäftsführer von Hartmann-Exact hat in Absprache mit den Beschäftigten die Kernarbeitszeit abgeschafft und für den Führungskreis ‚Vertrauensarbeitszeit‘ angeboten. „Für einen Mittelständler ist das eher ungewöhnlich“, sagt Hofele. Jeder Mitarbeiter könne nun „im Rahmen seiner zu erfüllenden Aufgaben“ die Arbeitszeit selbst festlegen. Maßstab für den Einzelnen seien Ergebnisse, nicht die Anwesenheitszeit, so der Geschäftsführer. Ergebnisorientiert ist auch das finanzielle Engagement des Automobilzulieferers in Sachen Rentenvorsorge. So stockt Hartmann-Exact alle Zahlungen in die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter um den Betrag auf, den das Unternehmen einspart, wenn eine Entgeltumwandlung stattfindet. Zahlt ein Mitarbeiter beispielsweise 150 Euro pro Monat in die betriebliche Altersvorsorge ein, hat er nur 75 Euro netto weniger auf dem Gehaltsstreifen, und Hartmann-Exact legt noch 30 Euro obendrauf. „Das ist ein Angebot, das die Hälfte unserer 200 Beschäftigten in Schorndorf schätzen und gerne annehmen“, wie Hofele sagt. Den Diplomkaufmann selbst kostet die Zuzahlung keinen Cent. „Denn die Einzahlungen auf einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge sind von Sozialabgaben befreit“, erklärt der Chef und ergänzt: „Und wir geben diese Einsparung unseren Leuten zurück.“

Zusatzversicherungen sind im Kommen wie Markus Sobau weiß. Der Chef von Confina Finanzplanung in Mannheim berät mittelständische Betriebe mit bis zu 500 Mitarbeitern. „Die Firmen müssen versuchen, eine emotionale Bindung zum Unternehmen zu erzeugen – und der Benzin-Gutschein reicht da nicht mehr“, sagt der Versicherungsmakler. Wem die Gesundheit seiner Leute am Herzen liegt, für den ist eine betriebliche Krankenversicherung ein guter Tipp. Sie spart dem Arbeitnehmer die Ausgaben etwa für Brille, Zahnersatz, Chefarzt- oder Heilpraktiker-Behandlung. Und er hat Anspruch auf ein Zweibett-Zimmer im Krankenhaus. Der Vorteil für die Chefs: „Sie können die Versicherungen erst Mal für ein Jahr abschließen, etwa als Bonus für erfolgreiche Mitarbeiter, und später bei Bedarf verlängern“, sagt Sobau. Die Arbeitnehmer kommen so möglicherweise an einen Vertrag, den sie sich selbst nicht leisten wollen. Eine private Zahnzusatzversicherung kostet bis zu 40 Euro im Monat. Ganz wichtig: Schließt ein Unternehmen mehr als fünf Verträge bei einem Versicherer ab, entfallen lästige Gesundheitsfragen. Das ist vor allem interessant für ältere Menschen. Oder Allergiker, Asthmatiker oder Mitarbeiter mit anderen chronischen Vorerkrankungen. Für Arbeitgeber hingegen ist die betriebliche Krankenversicherung mit wenig Aufwand zu haben: Pakete gibt es ab zehn Euro pro Monat und Beschäftigtem.

Dass es die Stimmung steigert, wenn Chefs sich um Bedürfnisse des Personals kümmern, weiß auch Roland Rüdinger. Der Logistikdienstleister hat einen ganzen Strauß an Ideen realisiert. „Jeder, der wegen erhöhter Arbeitsbelastung länger als bis 18 Uhr im Büro oder unterwegs sein muss, bekommt ein Belegtes“, sagt der Chef. Bis zu 70 Wurst- und Käsebrötchen werden täglich in Krautheim verspeist. Heißgetränke sind für den ganzen Tag über kostenfrei, ebenso betriebliche Weiterbildungen wie die Führerscheinverlängerung der Lkw-Fahrer. Oder wenn ein Mitarbeiter nebenberuflich die Schulbank drückt, um einen Abschluss zum Verkehrsfachwirt zu erzielen. Auch hier übernimmt Rüdinger die Kosten. Gut angenommen werden die Massagestunden. Monatlich bezahlt Rüdinger rund 100 Termine. Auch so sollen Krankmeldungen vermieden werden.

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