09.05.2011 |

E-Mobility: 4,8 Mrd Potenzial für Maschinenbau

Lithium-Ionen-Batterie aus dem Mercedes-Benz S400 Hybrid: Der Maschinenbau muss sich auf den Trend E-Mobilität einstellen (Bild: Daimler).

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sieht durch neue Produktionsanlagen für Elektrobatterien bis 2020 ein Geschäftspotenzial von 4,8 Mrd Euro. Andererseits steht die Branche vor der großen Herausforderung, ein neues Produkt- und Technologieportfolio entwickeln zu müssen, so eine aktuelle Studie.

WÜRZBURG (ks). Kooperationen und Allianzen unter Maschinenbauern werden notwendig sein, um Gesamtsysteme aus einer Hand zu bieten und sich wichtige Wettbewerbsvorteile zu sichern. Das geht aus der gemeinsamen Studie von VDMA und der Strategieberatung Roland Berger über “E-Mobility – Chancen und Risiken für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau” hervor.

„Mit einem Substitutionseffekt ist mittelfristig nicht zu rechnen“, unterstreicht VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner. „Die herkömmliche Produktionstechnik für Verbrennungsmotoren fällt nicht abrupt weg, da Hybridkonzepte lange dominieren werden.“ Aber die zunehmende Verbreitung der Elektromobilität werdd eben auch für zusätzliche Geschäftschancen im Maschinenbau sorgen: Neue Produktionsanlagen für Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs werden gefragt sein. Der Maschinenbau werde vor allem erheblich dazu beitragen, Qualitäts- und Kostenziele bei Batterien und Elektromotoren zu erreichen. So entstehen zum Beispiel rund 50% der Batteriekosten in der Fertigung. Durch den Einsatz von intelligenten Produktionssystemen könnten hier große Optimierungspotenziale erschlossen werden. „Das globale Rennen gewinnt, wer den größten Beitrag zur Kostenreduktion über intelligente, automotive-gerechte Fertigungstechnologien leisten kann. Das ist eine immense Chance für unsere Unternehmen“, erklärte Lindner.

Video-Interview mit Bernhard Hagemann vom VDMA-Forum Elektromobilität über die Perspektiven des deutschen Maschinenbaus bei der Einführung der Elektromobilität

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Elektrische Antriebe erfordern für ihre neuen Komponenten auch neue Produktionstechnologien, die in der Automobilindustrie bislang kaum eingesetzt wurden. “Bisher spielte die Metallverarbeitung im Automobilbereich eine sehr wichtige Rolle”, erläutert Kalmbach. “Nun werden für die Batterieproduktion ganz andere Technologien gefragt sein. Denken wir nur an die Beschichtung der Elektroden. In Folge werden auch die Maschinenbauer ihr Produktportfolio entsprechend anpassen müssen.”

“Komponenten für E-Motoren und vor allem Batterien werden demnächst in den jeweiligen Fahrzeugmärkten, d.h. auch in Europa und den USA, produziert werden“, erklärt Roland Berger Partner Kalmbach. “Durch den hohen Automatisierungsgrad spielen Lohnkosten bei der Produktion nur eine geringe Rolle und die Ansiedlung in Niedriglohnländern macht aus dieser Perspektive wenig Sinn.” Zusätzlich sind die Transportrisiken bei Batteriezellen ein wichtiger Faktor, da Umwelteinflüsse wie Temperaturschwankungen die Qualität der Zellen beeinträchtigen können. “Durch den Aufbau von Produktionskapazitäten nah an den jeweiligen Fahrzeugwerken können Automobilhersteller diese Hindernisse umgehen – die ersten Ansätze dazu sehen wir bereits”, so Kalmbach. „Für den Maschinenbau ist das eine gute Nachricht. Zum Beispiel bei den Anlagen zur Batteriezellenproduktion wird sich ein beträchtlicher Markt entwickeln, den sich deutsche Unternehmen erschließen können“, so Lindner.

Angesichts des großen Marktpotenzials und der Nähe zu bestehenden technologischen Kompetenzen – wie in der Photovoltaik- und Halbleiterfertigung – sieht sich der deutsche Maschinenbau gut aufgestellt, um sich das attraktive Geschäftsfeld der Elektromobilität zu erschließen. Vor allem für kleine und mittelständische Betriebe stellt das aber auch eine Herausforderung dar. Partnerschaften werden daher zwischen Maschinenbauherstellern entstehen, um die gemeinsame Entwicklung von schlüsselfertigen Gesamtsystemen voranzutreiben und innovative, kundenspezifische Lösungen auf den Markt zu bringen. „Hier wird die Bedeutung unserer VDMA-Plattform E-MOTIVE deutlich: Dieses weltweit führende Innovationsnetzwerk treibt die Elektromobilität voran – branchenübergreifend, vorwettbewerblich und mit bestem Nutzen für Industrie und Wissenschaft“, so der VDMA-Präsident.


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