28.06.2011 |

Elektromobilität: Produktion ist deutscher Trumpf

Mitarbeiter von SB LiMotive montieren ein Lithium-Ionen-Batteriesystem: Die für die Elektromobilität benötigten Kompetenzen für die einzelnen Prozessschritte sowohl für die Batterie- als auch Elektromotoren-Produktion sind in Deutschland bereits vorhanden (Bild: Bosch).

Bei Elektromobilität geht es weit mehr als nur ums E-Auto. Vielmehr muss sich der Maschinen- und Anlagenbau bei den Produktionstechnologien neu aufstellen. Dabei ist das Produktions-Know-how der deutsche E-Mobility-Trumpf.

von Dietmar Poll
LANDSBERG (ks). Der deutsche Maschinenbau besitzt mit intelligenten Produktionstechnologien eine wichtige Stellschraube zur dringend benötigten Kostenreduzierung bei der E-Mobility – so beispielsweise bei Batterien. Damit gilt er auch als Enabler der Elektromobilität – so lautet eine Erkenntnis der Studie ‚Zukunftsfeld Elektromobilität‘ von VDMA und Roland Berger Strategy Consultants.

Dazu gibt es bereits Beispiele, denn die erste Massenproduktion von Li-Ion-Batterien auf einer Fertigungslinie läuft erfolgreich seit Anfang dieses Jahres bei Manz Automation in Reutlingen. Dazu erklärt Firmengründer Dieter Manz: „Wir als Maschinenbauer bestimmen das Tempo hin zur wirtschaftlichen Großserienfertigung von Batterien im Wesentlichen mit. Das ist derzeit ein großes Thema – nicht nur für uns – denn davon hängt schließlich der Durchbruch der E-Mobilität ab.“

Ganz wichtig ist laut Studie auch der Aspekt, dass die benötigten Kompetenzen für die einzelnen Prozessschritte sowohl für die Batterie- als auch Elektromotoren-Produktion bereits vorhanden seien – so beispielsweise bei Photovoltaik und Halbleitern – und seit langem erfolgreich weltweit vermarktet würden. Zudem werde in Europa ein Markt für Batterieproduktionsanlagen entstehen, was dem Maschinen- und Anlagenbau über Entwicklungspartnerschaften helfen werde, in diesem Geschäftsfeld Fuß zu fassen.
„Wir sind überzeugt davon, dass es uns als Hightech-Maschinenbauer gelingen wird, die Kosten der Batterieherstellung signifikant zu reduzieren. Wir leisten somit einen wesentlichen Beitrag, diese Technologie einem breiten Massenmarkt zugänglich zu machen“, zeigt sich Dieter Manz optimistisch.

Entscheidend ist jedoch, dass bei der letztlichen Entwicklung eines Elektrofahrzeugs völlig andere Abläufe notwendig sind. Neu sind dabei die Produktionstechnologien und Produktionsprozesse, denn künftig dürfe nicht zuerst das Produkt fertiggestellt werden, um erst dann über die Produktion zu reden. „Der Sinn liegt darin, die Produktionstechnologien und die unterschiedlichen Produktionsprozesse, die es gibt – sei es Batterie, Motor oder Thermomanagement – im Vorfeld zu hinterfragen und Einfluss auf die Produktgestaltung zu nehmen“, veranschaulicht Professor Achim Kampker vom Lehrstuhl für Produktionsmanagement am WZL der RWTH Aachen die Strategie.

„Wenn ich nicht im Vorfeld die späteren Optionen der Fertigung in die Produktgestaltung einbeziehe“, sagt Kampker, „dann sind bereits viele Kosten und Verfahren im Prozess vorgegeben. Ich schränke also automatisch meine Spielräume unnötig ein.“ Nötig ist somit eine Optimierung des gesamten Prozesses, indem jeder Schritt in seinen Auswirkungen auf den folgenden Weg überprüft wird.“
Auch Manfred Wittenstein, Past-Präsident des VDMA, betont, dass die Exzellenz in der Produktion darüber entscheiden werde, ob elektromobile Wertschöpfung in Deutschland stattfinde. Dabei gibt er sich zuversichtlich: „Mit unseren Forschungsvereinigungen Antriebstechnik und Verbrennungskraftmaschinen haben wir weltweit führende Innovationsnetzwerke aus Industrie und Wissenschaft.“

aus Produktion Nr. 26, 2011


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