18.12.2010 | Energie-Infrastruktur

Siemens baut Strombrücke zwischen Spanien und Frankreich

Der Siemens-Konzern hat von einem spanisch-französischen Konsortium einen Großauftrag für Stromnetze erhalten.

FRANKFURT (Dow Jones/rm). Der Münchener Technologiekonzern soll zwischen Spanien und Frankreich ein Netz mit einer so genannten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) errichten und dafür rund 350 Mio EUR erhalten, wie das DAX-Unternehmen am Freitag mitteilte. Siemens bekomme etwa die Hälfte eines 700 Mio EUR schweren Auftrags.

Spanien gehört weltweit zu den Ländern, die am stärksten auf Windkraft setzen, allerdings mangelt es bislang an Übertragungsmöglichkeiten für den Export. Ende 2009 brachten es die Spanier auf mehr als 19.000 Megawatt (MW) installierte Leistung. Italien etwa kam auf knapp 5.000 MW, Frankreich auf rund 4.500 MW, wie aus einer Übersicht des Industrieverbands Global Wind Energy Council (GWEC) hervorgeht. Im vergangenen Jahr bezog Spanien 14% seiner Energie aus Windkraft, in der Europäischen Union waren es durchschnittlich nur 8%.

Spaniens Energiewirtschaft leidet an fehlenden Netzen, um die wachsende Windkraft auch verteilen und exportieren zu können. So musste der spanische Netzbetreiber Red Eléctrica bereits die Einspeisung von Windkraftanlagen ins Stromnetz beschränken, um Netzprobleme durch überschüssige Kapazitäten zu vermeiden. Am 30. Dezember 2009 beispielsweise nahm der Netzbetreiber 600 MW Windstrom vom Netz, um den Energiefluss zu regeln. Red Eléctrica geht davon aus, dass ab 2014 die Überlastung durch Windenergie zunehmen und schließlich der tägliche Verlust von Windstrom bei 7% liegen wird.

Red Eléctrica hat nun zusammen mit dem französischen Stromversorger Réseau de Trans-port d’Electricité (RTE) Siemens mit dem Bau des Stromnetzes beauftragt, das mit einer Leistung von 2.000 MW der Kapazität zweier Großkraftwerke entspreche. Da Spaniens Stromnetz über die Meerenge von Gibraltar bereits an Nordafrika angebunden ist, könnte über die neue, 60 km lange HGÜ-Trasse in Zukunft auch Wüstenstrom aus dem Desertec-Projekt nach Frankreich weitertransportiert werden. Ende 2013 soll das teils von der Europäischen Union finanzierte Netz in Betrieb gehen.

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