27.01.2011 | Energieerzeugung

Windenergiebranche verfehlt Ausbauziel 2010

Finanzkrise, schwierige Witterungsbedingungen und politische Unsicherheiten haben den Ausbau der Windenergie in Deutschland 2010 gebremst, die Branche bleibt aber zuversichtlich.
Finanzkrise, schwierige Witterungsbedingungen und politische Unsicherheiten haben den Ausbau der Windenergie in Deutschland 2010 gebremst, die Branche bleibt aber zuversichtlich.

Der Heimatmarkt der deutschen Windindustrie konnte 2010 den aus dem Vorjahr prognostizierten Wert von rund 1.900 Megawatt (MW) nicht erreichen, rechnet aber für das laufende Jahr mit einem stärkeren Kapazitätsaufbau als 2010 auf dem deutschen Markt.

BERLIN (Dow Jones). Für das Gesamtjahr 2011 rechnen der Bundesverband Windenergie (BWE) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA Power Systems) mit 1.800 Megawatt (MW) neu installierter Leistung, davon 1.500 MW an Land und 300 MW in Off-Shore-Anlagen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1.551 MW Windleistung in Deutschland neu installiert, davon 108 MW in Off-Shore-Anlagen, gaben der BWE und der VDMA Power Systems am Mittwoch in Berlin bekannt. Endlich sei damit die 100 MW-Schwelle bei Off-Shore-Anlagen durchbrochen worden”, sagte Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

In diesem Bereich sei die Branche auf einem guten Weg. “Hier muss man einfach sehen, dass Offshore eine neue Technologie ist, ihre Entwicklung auch Zeit kostet und das verfügbare Finanzvolumen begrenzt ist”, sagte Herdan. Der für 2010 prognostizierte Wert von rund 1.900 MW neu installierter Leistung sei nicht erreicht worden und habe deutlich hinter den Erwartungen und Prognosen der Branche gelegen, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. Insgesamt habe es 2010 einen Rückgang um 19% im Vergleich zum Vorjahr 2009 gegeben, in dem 1.917 MW aufgebaut wurden.

Gründe für den Einbruch des deutschen Onshore-Marktes 2010 sehen BWE und VDM Power Systems in den Spätfolgen der Finanzkrise für Großprojekte sowei in dem wegen der Witterungsbedingungen zu Beginn und auch zu Ende des Jahres vergleichsweise “kleinen Aufbaufenster” sowie in den Unsicherheiten bei Netzanforderungen an Windenergieanlagen. “Hinzu kommt, dass trotz neuer Flächenausweisungen in einigen Bundesländern die Räume für Neuanlagen weiter beschnitten werden”, sagte BWE-Präsident Albers.

Ermutigend habe sich 2010 jedoch das Repowering entwickelt, also der Austausch alter gegen neue und leistungsstärkere Anlagen. Nach Erhebungen des Deutschen Windenergie-Instituts (DEWI) konnten im vergangenen Jahr 116 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 56 MW durch 80 Windenergieanlagen von 183 MW ersetzt werden.

Im Repowering schlummere noch ein immenses Potenzial. Der Bereich biete eine wichtige Perspektive für die Branche, sagte Albers. Spätestens 2015 dürften über 9.500 Windenergieanlagen repoweringfähig sein. “Das entspricht einem potenziellen Investitionsvolumen von 40 Mrd Euro”, betonte der BWE-Präsident. Insgesamt gab es Ende 2010 in Deutschland 21.607 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 27.214 MW. Für 2011 gehen BWE und VDMA Power Systems davon aus, dass die insgesamt in Deutschland installierte Leistung auf 28.900 MW steigen wird.

Stetig wachsende Bedeutung für die deutsche Windindustrie komme den Exportmärkten zu. “Wir sind bestens gerüstet und dabei, den deutschen Anteil weiter auszubauen”, sagte Herdan. Es werde erwartet, dass die 2011 weltweit installierte Leistung bei 40.000 MW liegen dürfte. Damit steige die weltweite Gesamtleistung 2011 auf 235.000 MW.

Um europaweit beim Ausbau der Windenergie erfolgreich weiter zu kommen, müssten die europäische Netzinfrastruktur und die energiepolitischen Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden. “Die Diskussion über eine Harmonisierung der Fördersysteme für erneuerbare Energien läuft einem erfolgreichen Ausbau von Wind, Sonne und Co. innerhalb der EU zuwider”, betonte Albers. Die erst in 2009 in Kraft getretene EU-Richtlinie müsse zunächst vollständig und ambitioniert umgesetzt werden. “Eine vorschnelle Harmonisierung kann zu Verunsicherungen in wichtigen Absatzmärkten führen”, warnte Herdan.

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