Weitere interessante Beiträge
- Photovoltaik-Produktionsmittel: Auftragseingang auf Rekordniveau
- VDMA: Photovoltaik entschärft globale Energie-Probleme
- Photovoltaik-Maschinenbau verdoppelt Umsatzprognose
- Asien heizt deutschem Photovoltaik-Geschäft ein
- VDMA: Photovoltaik-Produktionsmittel erreichen 60% Umsatzwachstum
19.02.2010 | CleanTech
Photovoltaik-Markt droht schmerzliche Bereinigung

Deutschland ist im Zwist: Reduktion der Solarförderung ja oder nein? Dr. Rainer Gegenwart, CEO des Herstellers von Dünnschicht-Solarmodulen Masdar PV, erklärt, wie sich das Thema aus Herstellersicht darstellt.
ICHTERSHAUSEN (fr). Herr Dr. Gegenwart, insbesondere die Hersteller wehren sich derzeit gegen die Umsetzung der von Umweltminister Norbert Röttgen geplanten Reduktion der Einspeisevergütung um bis zu 16 %. Warum sperren Sie sich gegen die Entlastung der Verbraucher?
Die Verbraucher werden durch den Vorschlag objektiv nicht entlastet. Zudem geht die Reduktion weit über die genannten 16 Prozent hinaus. Zum 1. Januar 2010 erfolgte eine Degression zwischen 9 und 11 Prozent, wir liegen also Mitte 2010 kumuliert bei zirka 25 Prozent. Vorstellbar ist, dass sich Umweltminister Röttgen auf den Preisrückgang der Photovoltaikanlagen (bis 100 kWp) von 25 Prozent zwischen Ende 2008 bis Ende 2009 bezieht. Jedoch macht die isolierte und kurzfristige Betrachtung dieser Zeitspanne keinen Sinn. Denn den starken Preissenkungen im Jahr 2009 stehen stabile bzw. sogar ansteigende Preise in den Jahren 2005 bis 2007 gegenüber. Insgesamt sind die Systempreise von 2006 bis 2009 um 37 Prozent gefallen, also knapp 10 Prozent pro Jahr. Hiermit kommen wir in eine realistische Region unterhalb von 10 Prozent bei der Kostenreduzierung, die im Übrigen auch in etwa der jährlichen EEG-Reduktion entspricht.
Sollte es bei der geplanten Reduzierung von rund 25% bleiben, und im Januar 2011 nochmals 10 Prozent hinzukommen, so lägen wir bei 35 Prozent – Kostensenkungen in dieser Höhe können die Hersteller in einem Zeitraum von 12 Monaten nicht umsetzen. Welche Industrie kennen Sie, die dies zu leisten vermag? Von der Photovoltaik Industrie scheinen es einige Politiker zu erwarten.
Das heißt, Unternehmen sind in Ihrer Existenz bedroht?
Unter diesen Voraussetzungen wäre mit einer schmerzlichen Konsolidierung des Marktes zu rechnen, ja.
Warum?
In vielen Industrien gibt es den so genannten Lernfaktor. Dieser besagt, dass sich Preise/Kosten um diesen Faktor verringern, wenn sich die Produktionsmenge verdoppelt. Bei der Photovoltaik Industrie liegt er je nach Quelle zwischen 15 Prozent (SEMI) und 20 Prozent. Aus der prognostizierten Marktentwicklung kann man bei diesem Faktor ein Kostensenkungspotenzial von jährlich 6 bis 10 Prozent ableiten. Eine zu hohe Absenkung der Einspeisevergütung wird starken Preisdruck ausüben. Es besteht die Gefahr, dass Anlagenpreise so weit fallen, dass die Erlöse die Produktionskosten der Komponenten nicht mehr decken. Wir geraten dann in eine Dumpingpreisspirale, in der Marktanteile gegenüber positiven Betriebsergebnissen Priorität haben. Der Markt würde zum Beispiel stark geförderten asiatischen Herstellern überlassen werden.
Die Nutzung der Photovoltaiktechnologie zur Stromerzeugung wird oft als Erfolgsgeschichte bezeichnet. Zudem erhöht sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch stetig. Wie beurteilen Sie diese Aussagen?
Das Bundesumweltministerium stellt auf seiner Internetseite verschiedene Analysen zur Verfügung, die den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung aufzeigen. Darin kann man sehen, dass Wasserkraft, Windenergie, Biogas, Photovoltaik, Klärgas und Geothermie zusammen in 2008 insgesamt einen 15 Prozent Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland hatten. Davon stammten 0,7 Prozent aus dem Bereich Photovoltaik. Das bedeutet, wir stehen noch ganz am Anfang und können es uns nicht leisten, dieser jungen Industrie in Deutschland das Wasser abzugraben. Andere Erneuerbare Energiequellen, wie etwa Wasser- und Windkraft, sind hier in ihrer Entwicklung wesentlich weiter.
Meinen Sie, dass die Bundesregierung die Solar-Diskussion eventuell anheizt, um von den derzeitigen Schwierigkeiten abzulenken?
Darüber will ich nicht spekulieren. Klar ist aber: Sofern die geplante Regelung in Kraft tritt und die Freiflächenregelungen so erhalten bleiben wie derzeit formuliert, dann ist das der Todesstoß für die Solarbranche in Deutschland. Unternehmen werden schließen oder abwandern. Das wird nicht thematisiert.
Weitere Aktuelle News
Photovoltaik: Fatale Sonnenfinsternis
Im Jahr 2011 konnte man noch sagen, dass Deutschland Weltmarktführer im Bereich der erneuerbaren Energien sei. Heute sind das Konzerne wie Suntech oder Yingli. Sie und weitere chinesische Unternehmen vereinen fast die Hälfte des globalen Umsatzes mit Solarzellen auf sich und erzielen annähernd 60 % der Gewinne. von Robert mehr
Weidmüller liefert Komponenten für die Energiewende
Kompakte, dezentrale Anlagen liegen im urbanen Umfeld im Trend. Weidmüller offeriert ein umfangreiches Programm an elektrischen und elektronischen Komponenten für die regenerative Stromerzeugung. DETMOLD (sp). Um die Energiewende zu vollziehen, müssen Solarstrom, Windenergie, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft ausgebaut werden. Die Folge: mehr
Chinesen greifen nach Conergy
Der angeschlagene Solarkonzern Conergy, der sich in den vergangenen Monaten selbst zum Verkauf gestellt hat, steht einem Zeitungsbericht zufolge kurz vor einem Teilverkauf nach China. HAMBURG (Dow Jones/ks)--Ein chinesischer Solarhersteller wolle knapp 30% der Aktien übernehmen, berichtet die Financial Times Deutschland. Abgeschlossen mehr
SMA Solar profitiert von vorgezogener Nachfrage
Das Solarunternehmen SMA Solar Technology legt in der Krise der Solarbranche eine Atempause ein. Dank vorgezogener Nachfrage wegen der Diskussion um weitere Förderkürzungen verdreifachte sich der Nettogewinn im ersten Quartal auf 29,5 Mio Euro. NIESTETAL (Dow Jones/ks). Auch beim Umsatz ging es kräftig nach oben, er stieg um 149 Mio Euro mehr
Anzeige






