13.12.2011 | CleanTech

Werkzeugmaschinen: Stand-by-Betrieb spart oft nicht viel

Politik und Medien ‚pushen‘ das Thema Nachhaltigkeit und Energie-Effizienz. Die Hersteller haben teilweise überreagiert (Bild: DMG).
Politik und Medien ‚pushen‘ das Thema Nachhaltigkeit und Energie-Effizienz. Die Hersteller haben teilweise überreagiert (Bild: DMG).

Wie lässt sich der effiziente Umgang mit Ressourcen wirtschaftlich darstellen? Darüber diskutierten Experten auf dem Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloqium und kamen zu überraschenden Einsichten.

von Herbert J. Joka

AACHEN (sm). „Ressourceneffizienz im Werkzeugmaschinenbau“ lautete ein Vortrag beim diesjährigen Aachener Werkzeugmaschinen Kolloquium. Dabei ging es weniger um CO2-Emissionen oder die drohende Klimakatastrophe. Vielmehr machten sich die Experten rund um Prof. Christian Brecher handfeste Gedanken über die Konstruktion und den Betrieb von vorhandenen Maschinen und Anlagen. Der vernehmbare Aha-Effekt ließ nicht lange auf sich warten, als zur Sprache kam, dass man in Sachen Stand-by-Betrieb durchaus noch reichlich Aufklärungsbedarf auch bei den Fachleuten lokalisiert habe.
Die landläufige Meinung scheint auch heute noch zu sein, dass der Standby-Betrieb den Leistungsbedarf einer Maschine oder Anlage im Betrieb deutlich reduziert. Vermutlich auf Grund der logischen Schlussfolgerung, wenn der Hauptmaschinenprozess nicht läuft, dann ziehen die Verbraucher auch weniger Strom. Dies scheint allerdings in nicht wenigen Fällen eine fehlerhafte Schlussfolgerung zu sein. Selbst im AWK-Tagungsband (Seite 159) findet sich ein Indiz: „Hierfür muss zunächst eine Bilanzierbarkeit des Energieverbrauchs im Bearbeitungsprozess erreicht werden, damit die Verbraucher mit ihren jeweiligen Anteilen identifiziert werden und Verschwendung transparent wird.“ Derartige Vorträge und Postulate sind wesentlich dafür da, Steine ins Rollen zu bringen, zu grübeln und zu diskutieren, wo im eigenen Betrieb hebbare Potenziale stecken könnten. Der Blick in die Dokumente oder die Nachfrage bei den Herstellern sollte hier die Grundlage für belastbare Fakten hervorbringen, um energetisch-materiell grob bilanzieren und dann auch handeln zu können. Vergleichbar wie es das betriebliche Rechnungswesen tut, wenn es Kostenstellen und Kostenarten verwaltet und regelmäßig nach Zahlen ruft. Hier sind zunächst Energie, Wasser, Material und Betriebsmittel en détail aufzulisten und zu erfassen. Inklusive der Kosten, die so auch durch Lüftung oder Klimatisierung entstehen. Nicht uninteressant ist zudem der Umstand, dass bisweilen Maschinen in Pausen nicht ausgeschaltet werden, um sie auf Temperatur zu halten und jederzeit in den vorgesehen Toleranzen produzieren zu können.

Rechnet man die Pausen über die Lebensdauer einer Maschine, so addiert sich die kumulierte, nicht produktive Pausenleistung zu einem beachtlichen Geldbetrag. Klar ist, dass im Sinne der Qualität produktionstechnisch kein Kompromiss eingegangen werden kann.

Genau derartige Aspekte, dass Maschinen nicht produktiv zu viel Leistung ziehen, könnten in Bezug auf die Konstruktion zu Innovationen führen, die zum massiven Wettbewerbsvorteil des Herstellers werden. Da beispielsweise das Halten einer Temperatur oft wesentlich ist: Warum sollte man sich nicht die Freiheit nehmen, Konstruktionen zu diskutieren,
die deutlich weniger Masse vorweisen, dennoch hinreichend steif sind?

bei denen möglicherweise über sektionale Heizungen an den wichtigen Stellen die Temperaturführung gesichert ist?
die als Folge eine energieeffiziente Steuerungs- und Regelungstechnik vorweisen und vielleicht gar kleiner ausgelegt werden können? Das Ishikawa-Diagramm ist hier ein sehr guter didaktischer Wegweiser für die Diskussion der Ressourcenanalyse. Denn entlang der einzelnen „Gräten“ können sämtliche Wege und Zusammenhänge einer Produktion lückenlos festgestellt werden, die mit validen Daten ausgestattet, eine systematische Verbesserung zu Tage fördern helfen.
Und dazu passt eine aufschlussreiche Anmerkung bei einem Gespräch in Aachen mit Dr. Daniel T. Jones, der es pointiert auf den Punkt brachte: im Deutschen sei „Verbesserung“ der zutreffende Begriff, denn ein Optimum per definitionem sei nun einmal nicht zu verbessern. Womit man wieder beim bewährten Prinzip des „KVP“ landet…

www.wzl.rwth-aachen.de

aus Produktion Nr. 50, 2011

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