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05.07.2010 |

Windenergie: So kann Jung von Alt lernen

Der Transport großer Teile stellt die Windkraftbranche vor große Herausforderungen - eine verbesserte Supply-Chain hilft.
Der Transport großer Teile stellt die Windkraftbranche vor große Herausforderungen - eine verbesserte Supply-Chain hilft.

Die jungen Industrien haben selbst einen großen Nachholbedarf in Sachen Energie-Effizienz.

von Verena Fahrion

ULM. Gerade die Windenergiebranche kämpft mit hohen Transportkosten und -zeiten sowie einer hohen Transportschadensquote. Zudem gehören auffallend geringe Liefer- und Termintreue zu den Herausforderungen der Branche. Diese Herausforderungen könnten Zulieferer und Windkraftanlagen-Hersteller meistern, indem sie ihr Lieferkettenmanagement (Supply-Chain-Management) verbessern. So lautet das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Ingenics.

Bei den Umfragen zu dieser Studie kristallisierten sich laut Ingenics einige Wind-branchentypische Besonderheiten heraus. Dazu zählt ein hoher Internationalisierungsgrad, hohe Investitionskosten, ein hoher Materialeinsatz und ein niedrieger Outsourcing-Grad. Was den Transport der Windkraft-Lieferungen angeht, so übernehmen rund 75 % der Unternehmen diesen selbst, heißt es in der Studie: „Supply Chain Excellence – Strategies und Solutions for the Wind Market“. Zum Thema Material ergab sie, dass Unternehmen Rohmaterialreichweiten von teilweise mehr als 50 Tagen haben. „Große beziehungsweise teure Bestände, die im Lager Kapital binden, führen dadurch zu unnötig hohen Kosten“, sagt Andreas Hoberg, Ingenics-Niederlassungsleiter Hamburg und Branchenmanager Wind. Für die empfohlene Verbesserung des Lieferketten-Managements bedeutet das, einen effizienteren Materialeinsatz, die Verschwendung minimieren und Materialkosten senken. Bei der Umsetzung dieser Ziele kann eine Wertstoffanalyse helfen, empfehlen die Ingenics-Berater.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: „60 % der Unternehmen gaben an, dass weniger als 10 % der Zulieferteile just in time angeliefert werden. Auch hier können die Wind-Unternehmen ihr Effizienz steigern“, betont Hoberg. Die Frage, welche Zulieferteile just in time zum Hersteller kommen können, lasse sich mit einer ABC/XYZ-Analyse beantworten. „Schaut man sich die rund 8 000 Teile an, aus denen eine typische Windenergieanlage besteht, verursachen acht Komponenten rund 80 % der Kosten (A-Teile). Sie haben den größten Kosteneinfluss und stellen somit den größten Stellhebel für mögliche Kostensenkungen dar“, ergänzt Matthias Frahm, Logistikexperte der Ingenics AG. Für weniger teure Hilfsmaterialien und Kleinteile empfiehlt er eine verbrauchsgesteuerte Nachschubregelung per Kanban-System.

Auch beim Thema Outsourcing kann die junge Windkraft-Branche von der alten Industrie lernen und sich durch Fremdvergabe noch intensiver um ihre Kernaufgaben kümmern, weiß Logistikexperte Frahm. Hinzu komme die Herausforderung, ein systematisches Lieferantenmanagement zu etablieren. Dazu müssten auch konkrete Logistik- und Qualitätsvereinbarungen mit den Supply-Chain-Beteiligten getroffen werden, sagt Frahm. Die bereits angesprochene Termintreue kann laut Ingenics durch eine erhöhte Prozesstransparaenz und -zuverlässigkeit verbessert werden. „In der Regel sind mehrere IT-Systeme zu verknüpfen und alle Prozesse in einen planbaren Zustand zu überführen, um ein hohes Maß an Transparenz zu schaffen“.

Verbesserungen auf einen Blick:

  • Logistik-Aufgaben komplett an spezialisierte Unternehmen abgeben
  • verstärkter Einsatz von Just-in-time-Anlieferungverbrauchsgesteuerte
  • Nachschubregelung per Kanban-System
  • Produktions- und administrative Abläufe optimieren
  • Prozesstransparenz
  • Prozesse durch sinnvolle Standards steuern
  • Logistik- und Qualitätsvereinbarungen treffen

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