08.06.2011 | Fertigung

Interview Messtechnik: “Simpel wie das Knipsen von Fotos”

"Zuverlässigkeit und Genauigkeit unserer optischen Messsysteme sind bei unseren  Kunden voll akzeptiert", sagt Hans Weigert,  Leiter Vertrieb und Marketing bei der Steinbichler Optotechnik GmbH in  Neubeuern.
"Zuverlässigkeit und Genauigkeit unserer optischen Messsysteme sind bei unseren Kunden voll akzeptiert", sagt Hans Weigert, Leiter Vertrieb und Marketing bei der Steinbichler Optotechnik GmbH in Neubeuern.

Berührungslose optische Messsysteme ermöglichen mittlerweile die sekundenschnelle und hochgenaue Kontrolle der Bauteilgeometrie. Wir sprachen exklusiv mit Hans Weigert, Director Sales&Marketing bei der Steinbichler Optotechnik GmbH, über die Potenziale dieser Systeme.

von Sebastian Moser

Herr Weigert, in welchen Branchen und für welche Anwendungen sehen Sie die größten Potenziale für Ihr System?

Die optische Messtechnik hat ein sehr breites Anwendungsgebiet und kann in fast allen Bereichen eingesetzt werden, in denen heute noch konventionelle Systeme vorherrschen. Besonders Hightech-Anwender investieren schon seit langer Zeit in optische Messtechnik, um komplexe Oberflächen hochgenau einzuscannen. Die Ergebnisse können wegen der hohen Genauigkeit sowohl für die Flächenrückführung wie auch für die Qualitätskontrolle verwendet werden. Derzeit finden sich die meisten Kunden im Bereich Automotive, Aerospace und Maschinenbau, aber auch viele Hersteller von Konsumerprodukten investieren in optische Messtechnik.

Stehen Sie mit der Vermarktung noch am Anfang?

Gute Frage – ja und nein. Nein, weil es optische Messsysteme der Firma Steinbichler schon seit 1993 (Comet) auf dem Markt gibt. Ja, weil wir uns durchaus vorstellen können, dass die optische Messtechnik wegen ihrer vielen Vorteile die konventionelle Messtechnik in den nächsten Jahren massiv ablösen wird. Allerdings sind einige Umstellungen in den Prozessen bei Kunden nötig, die nicht ganz ohne Aufwand zu erschlagen sind. Man kann das durchaus mit der Umstellung von 2D-CAD-Systemen auf 3D-Systeme in der Konstruktion vergleichen. Heute würde keiner die Vorteile der 3D-CAD-Systeme missen wollen, vor 20 Jahren war das noch ganz anders.

Mit welchen Messmitteln erledigen Anwender derzeit Messaufgaben, für die eigentlich Ihr System besser geeignet wäre?

Anwender benutzen derzeit die gesamte Palette von Messmitteln, um ihre Messaufgaben zu erledigen. Optische Messsysteme haben sich aber schon in vielen Bereichen etabliert. Immer dann, wenn die Bauteiloberflächen berührungslos, schnell, hochgenau und mit sehr vielen Messpunkten auf der Oberfläche gemessen werden sollen, sind optische Messsysteme stark im Vorteil. Berührungslos eignet sich besonders für fragile, dünnwandige Teile oder Teile aus Schäumen. Schnell – ein bis zwei Sekunden Aufnahmezeit – ist besonders positiv, wenn viele Merkmale „mit einem Schuss“ gemessen werden können. Hochgenau – ab 5 – spielt natürlich in der Qualitätssicherung eine wichtige Rolle – und gerade hier sind auch deutliche Vorteile gegenüber Arm/Scanner-Systemen zu sehen. Und die vielen Messpunkte erlauben eine lückenlose Analyse des Bauteils, während man bei konventionellen, besonders taktilen, Koordinatenmessgeräten nie so genau weiß, was zwischen den einzelnen Messpunkten so genau passiert.

Ist Ihr System hinsichtlich Zuverlässigkeit und Genauigkeit voll ausgereift?

Wie gesagt, das erste Comet-System wurde 1993 vorgestellt, da blieb einiges an Zeit bis heute, um die Systeme zuverlässig und sicher zu machen. Die heutigen Steinbichler-Systeme sind ex-trem stabil und können sogar im Einsatz auf Robotern mit mehreren G beschleunigt sowie abgebremst werden. Die Grundgenauigkeit ist sehr hoch und wird auch wegen des stabilen Aufbaus und der hochwertigen Komponenten über Jahre beibehalten. Einzig die verwendeten Lampen für die Streifenlichtproduktion halten nicht ewig, daher haben wir auch jetzt in unserem neuen L3D-Comet-System langlebige LED-Technik eingeführt.

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