Weitere interessante Beiträge
- Weg für elektronische Schaltungen aus Graphen frei
- Produktionsreife Formen mit Tuschierpressen
- Entwicklung von “Drei-Formen-Kunststoffen” gelungen
- Volkswagen will 2010 um mehr als 5% wachsen
- Conti will trotz stagnierender Märkte wachsen
09.09.2011 | Forschung & Entwicklung
Graphen-Nanostreifen wachsen in definierten Formen

Kohlenstoffmaterialien nach Maß verheißen Fachbeiträge in den renommierten Zeitschriften „Nature Materials“ und „Nature Chemistry“. An beiden Publikationen sind mit Prof. Ute Kaiser und Dr. Johannes Biskupek Wissenschaftler der Ulmer Zentralen Einrichtung Elektronenmikroskopie beteiligt.
ULM (ba). Die neuen Erkenntnisse sind äußerst relevant für die Nanotechnologie: Schließlich zählt die Kontrolle der Größe, Form und chemischen Funktionalität von Graphen und Kohlenstoffnanoröhrchen auf atomarem Niveau zu den aktuellen Herausforderungen in diesem Bereich. In der Praxis könnten maßgeschneiderte Kohlenstoffmaterialien die Anwendungsmöglichkeiten von Graphen in superschnellen Computerchips oder etwa Touchscreens erweitern.
Der Nobelpreis 2010 für die Entdeckung der Kohlenstoff-Variante Graphen – dabei handelt es sich um das dünnste Material der Welt – unterstreicht weiterhin die Bedeutung von Kohlenstoffnanostrukturen für die Wissenschaft.
In der Publikation „Nature Materials“ beschreiben die Wissenschaftler die Bildung von Graphen-Nanostreifen in exakt definierten Formen und Größen. Dabei dienen winzige, aus Kohlenstoff gebildete Röhrchen als Matrize und „Reagenzglas“. Bei ihren Versuchen mit Elektronenstrahlen haben die Forscher zwei Schlüsselprinzipien entdeckt: Wachsen die Graphen-Streifen im Inneren der Kohlenstoffnanoröhrchen heran, geben die Röhren Größe und Dicke der winzigen Streifen vor und schützen sie vor Schädigungen durch den Elektronenstrahl. Indem sich zusätzlich Schwefel an die Graphen-Kanten bindet, wird die Bildung eines zweiten Kohlenstoffnanoröhrchens verhindert, der Graphen-Streifen kann in gewünschter Form wachsen.
„Mit den Ergebnissen unserer Arbeit beschreiten wir neue Wege in der Herstellung von Nanostrukturen. Schließlich werden für nanotechnologische Anwendungen Graphen-Streifen mit genau definierten Eigenschaften benötigt“, sagt Ute Kaiser. Neben den Ulmer Forschern haben Chemiker der University of Nottingham und Dr. Andrey Chuvilin von der spanischen Forschungseinrichtung CIC nanoGUNE Consolider (zuvor Uni Ulm) zu der Veröffentlichung beigetragen.
Die zweite Publikation ist in „Nature Chemistry“ erschienen. Im Fokus dieser Veröffentlichung stehen Prozesse innerhalb der beschriebenen Kohlenstoffnanoröhrchen. Bisher war man davon ausgegangen, dass im Inneren der Nanoröhrchen keine chemischen Reaktionen ablaufen. Dank hochauflösender Niederspannungs-Transmissionselektronenmikroskopie konnten die Ulmer Forscher nun das Gegenteil beobachten: Wird ein katalytisches Element, beispielsweise Rhenium, in die Röhrchen gegeben, bilden sich Ausstülpungen, die aus dem Röhren-Inneren herauswachsen. Die Zentrale Einrichtung Elektronenmikroskopie der Uni Ulm zählt mit ihren hochtechnologisierten Transmissionselektronen- sowie Focus-Ion-Beam-Mikroskopen (FIB) zu den angesehensten Zentren dieser Art.
Die Forschungsarbeiten der beiden Ulmer Wissenschaftler sind in das Ulmer Großprojekt SALVE (Sub-Angström Low-Voltage Electron Micorscopy) eingebettet. Im Rahmen dieses Projektes werden neue Methoden und Gerätetechniken für atomare Abbildungen bei niedrigen Spannungen entwickelt. Weiterhin untersuchen die beteiligten Forscher Wechselwirkungen zwischen Elektronenstrahlen und diversen Materialien.
Das Forschungsprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Baden-Württemberg gefördert. Partner im SALVE-Projekt sind die baden-württembergischen Firmen Carl Zeiss AG und die Corrected Electron Optical Systems GmbH (CEOS)
Weitere Aktuelle News
DIW: FuE wandert nicht aus Deutschland ab
Deutschland ist ein attraktiver Forschungsstandort: Deutsche und ausländische Unternehmen haben hierzulande ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) seit 2001 um ein Drittel erhöht auf rund 45 Mrd Euro. Seit 2007 investieren ausländische Unternehmen in Deutschland rund vier Mrd Euro mehr in FuE als deutsche Firmen im Ausland. mehr
Interview zur Digitalen Fabrik: „Wir brauchen virtuelle Erlebniswelten“
Was ist aus der Vision von der Digitalen Fabrik geworden? Darüber sprachen wir mit Prof. Dr.-Ing. Michael Schenk, dem Leiter des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg. von Sebastian Moser Herr Prof. Schenk, in den 1990er Jahren verknüpften Visionäre große Hoffnungen mit der Digitalen Fabrik. Was mehr
Völlig neuartiger Elektroantrieb in Entwicklung
Unter dem Motto LEANTEC-Antrieb engagieren sich Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Sachsen und Thüringen mit dem Ziel, einen völlig neuartigen Elektroantrieb auf den Markt zu bringen. SAALFELD (sm). Die neue elektrische Antriebseinheit soll die technologische Lücke zwischen Direktantrieben und klassischen mehr
Technologiepark Augsburg: Mehr Ressourceneffizienz in der Produktion
Im Technologiepark Augsburg werden Faserverbundtechnologie, Luft- und Raumfahrt, Mechatronik und Automation und Umwelt- sowie Informations-und Kommunikationstechnologie zusammengeführt. Unternehmen, Investoren und Fachkräfte sollen von den Synergien profitieren. von Dietmar Poll AUGSBURG. „Der Standort dient dem Technologietransfer mehr
Anzeige







