27.02.2012 |

Voith verwebt sich mit chinesischer Wirtschaft

„Wir wollen als einheimisches Unternehmen in deutschem Besitz wahrgenommen werden", sagte Voith-Chef Dr. Hubert Lienhard.

Der Voith-Konzern baut enge Beziehungen in die chinesische Wirtschaft auf. Ein Konsortialkredit von mehreren chinesischen Banken soll die Expansion in dem Land vereinfachen.

Gunnar Knüpffer
Heidenheim/Shanghai. Voith möchte mittel- bis langfristig in China genauso stark verwurzelt sein, wie das heute in Deutschland der Fall ist. „Wir wollen als einheimisches Unternehmen in deutschem Besitz wahrgenommen und akzeptiert werden“, sagt Voith-Chef Dr. Hubert Lienhard. Voith plant, einen immer größeren Teil dessen, was am Markt benötigt wird, vor Ort zu produzieren. „Maßgeschneidert für den lokalen Bedarf, entwickelt von lokalen Ingenieuren und Fachkräften“, erläutert Dr. Lienhard.
Damit Voith künftig noch stärker mit der chinesischen Wirtschaft verwoben ist, unternimmt das Unternehmen vielfältige Anstrengungen. So vereinbarte das weltweit tätige Familienunternehmen jetzt erstmals einen Konsortialkredit mit chinesischen Banken in Höhe von 270 Mio Euro, der die Investitionen in dem Land unterstützen soll. Zudem stellt sich Voith kommunikativ auf seine chinesischen Kunden, Partner und Mitarbeiter ein. Zum chinesischen Neujahrsfest schaltete Voith eine Animation auf seiner Homepage frei, die mit traditioneller chinesischer Musik grüßt und ein erfolgreiches neues Jahr wünscht, das im Jahr des Drachen steht. Konzipiert wurde der Gruß von der chinesischen Kommunikationsabteilung des Konzerns in Shanghai.
Mit Hilfe des Konsortialkredits, der von der Citibank, China, und  Voith Finance koordiniert wurde, plant Voith für die nächsten Jahre Investitionen in Höhe von rund 400 Mio Euro in China. Unter anderem soll die Voith Paper City in Kunshan nahe Shanghai ausgebaut werden. Zudem erhofft sich der Konzern große Geschäftschancen durch den Fünf-Jahres-Plan der chinesischen Regierung. In diesem spielen erneuerbare Energien, Ressourcenschonung und Mobilität eine wichtige Rolle. Von diesen Bereichen will das Unternehmen profitieren, das in den Kernmärkten Energie, Rohstoffe sowie Transport & Automotive und Papier engagiert ist. Bei der geplanten Expansion soll die Zahl der Beschäftigten von Voith in China bis zum Jahr 2016 von 3 000 auf rund 5 000 steigen.
Bei dem Konsortialkredit wurden die chinesischen Tochtergesellschaften der neuseeländischen Bank ANZ und der englischen Standard Chartered Bank sowie die  Industrial and Commercial Bank of China, Commerzbank und HSBC einbezogen. Die syndizierte Kreditfazilität hat dabei eine Laufzeit von fünf Jahren. „Wir konnten uns in einem schwierigen Umfeld frühzeitig zu attraktiven Konditionen eine flexible, langfristige Liquiditätsvorsorge sichern und dabei den Kreis der Banken, mit denen wir zusammenarbeiten, gezielt erweitern“, sagt der Voith-Chef.
Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Voith mit einer Investitionsquote von 3,8 % die Internationalisierung der Produktion, etwa durch die Eröffnung neuer Werke in China, Brasilien und Österreich, sowie die Förderung von Zukunftstechnologien vorangetrieben. So eröffnete Voith Composites in Garching bei München ein neues Entwicklungs- und Produktionszentrum, in dem Karbonteile für den Eigenbedarf und für Partnerunternehmen produziert und die Entwicklung industrieller Fertigungsprozesse für CFK-Bauteile forciert wurde.
Voith konnte aufgrund eines Rekordumsetzes  von 5,6 Mrd Euro und eines Gewinnes von 200 Mio Euro im vergangenen Geschäftsjahr konzernweit 937 neue Stellen schaffen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 39754 auf 40 691 zum Ende des Geschäftsjahres 2011. In Deutschland erhöhte sich die  Zahl der Beschäftigten um 653 auf 17 429. In den Wachstumsmärkten Asiens wurden 656 neue Mitarbeiter eingestellt: Die Zahl der Beschäftigten in dieser Region erhöhte sich damit auf 4 557.
Fazit:  Mit geschickter Einbindung chinesischer Banken, kommunikativer Anstrengungen und lokaler Produktion verbessert Voith seine Position in China. So sichert sich der Technologiekonzern einen Wettbewerbsvorsprung vor Firmen, die nur auf Joint-Ventures setzen.


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