21.02.2012 |

Frost & Sullivan: “Energiemarkt verändert sich dramatisch”

Ein gewaltiger Umbau bestehender Netzinfrastrukturen steht bevor. Bild: ABB, Deutsche Telekom

Politisch in die Wege geleiteten Maßnahmen wie das Energieeffizienzgesetz oder der Atomausstieg setzen laut Frost & Sullivan substantielle Investitionen in den Ausbau der bestehenden Strom-Infrastruktur voraus.

FRANKFURT (sp). Im deutschen Energiemarkt wird es in den nächsten Jahren dramatische Veränderungen geben. Die Kapazitäten der Nuklearenergie halbieren sich, während das Land einen Anstieg der erneuerbaren Energien auf 36 Prozent der generierten Energie bis 2020 erleben wird. Laut aktuellen Ergebnissen der Unternehmensberatung Frost & Sullivan  wird sich die gesamt generierte Energie von 625 TWh in 2010 auf 590 TWh in 2020 verringern, und das aufgrund von Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und erhöhten Importen, die notwendig sein werden, um einen Teil der Lücken zu überbrücken, die sich durch die Abschaltung der Atomkraftwerke ergeben. Jedoch wird die installierte Kapazität im Jahr 2020 von 153 GW auf 179 GW ansteigen. Dies ist dem Wachstum im Wind- und Solarsektor zu verdanken, zwei Energiesektoren, welche unregelmässige Verfügbarkeit aufweisen und die Unterstützung durch alternative Stromerzeuger benötigen, wie beispielsweise Gasturbinen.

“Deutschland ist bereits heute einer der führenden Märkte Europas, was erneuerbare Energie angeht, und es wird mit beträchtlichen Investitionen in den nächsten acht Jahren noch weit über seine EU-Verpflichtungen hinausgehen,” erklärt Frost & Sullivan Energy Consultant Jonathan Robinson. “Jedoch wird das Wachstum der erneuerbaren Energien auch mit ernsthaften Herausforderungen verknüpft sein, und es bedarf substantiellen Investitionen in den Ausbau der bestehenden Stromübertragungsinfrastruktur.”

Was die erneuerbaren Energien angeht, so werden Solar- und Windenergie zukünftig eine große Rolle spielen. Die Kapazität der Photovoltaik wird sich verdreifachen, während Windenergie um durchschnittlich zwei GW pro Jahr anwachsen wird. Die Solarenergie im Besonderen wird massive Veränderungen durchlaufen – die erneuerbaren Energie werden im Jahr 2020 36 Prozent der generierten Energie ausmachen (Ziel des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes ist ein Mindestanteil von 35 Prozent des Bruttostromverbrauchs in 2020).

In Bezug auf die Verringerung des Energieverbrauchs wird Energieeffizienz eine wichtige Rolle spielen; das Energieeffizienzgesetz sieht vor, den Energieverbrauch bis 2020 im Vergleich zum Verbrauch in der Zeit von 2001-2005 um neun Prozent zu reduzieren.

“Energieeffizienz wird in 2012 ein großes Thema sein, da die EU dazu übergeht, Mitgliedsstaaten zum Agieren zu zwingen. Der in 2007 angenommene freiwillige Ansatz ist weitestgehend fehlgeschlagen, was sich durch die minimale Steigerung der Energieeffizienz in den meisten Mitgliedsstaaten belegen läßt. Wie in den meisten solcher Fälle, nimmt Deutschland eine Vorreiterrolle ein, doch es ist wahrscheinlich, daß noch mehr getan werden muss,” so Robinson weiter.

Laut Frost & Sullivan bleibt Kohle mit 37 Prozent der generierten Energie daher von heute bis 2020 der führende Brennstoff. Allerdings wird es in Deutschland einen Rückgang der braunkohlegefeuerten Leistung geben, denn alte Kraftwerke werden stillgelegt. Daneben wird es aufgrund eines beschleunigten Konjunkturprogramms einen Anstieg des Gasanteils als energieerzeugenden Rohstoff geben; der wachsende Anteil wird jedoch erst nach 2020 bemerkbar werden.

“Deutschland war schon immer einer der Schlüsselmärkte für Energieerzeugungsanlagen, allerdings besteht nunmehr die Notwendigkeit einer breiten Investition, sowohl in die Generierung, die Übertragung als auch die Verteilung der Energie. Hierdurch ergeben sich interessante Möglichkeiten für Hersteller der Branche als auch Projektentwickler,” so Robinson abschliessend.


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