29.11.2011 | IT & Software
“SAP kann noch einiges verbessern”

Wie zufrieden sind Fertigungsunternehmen mit SAP? Wer könnte diese Frage besser beantworten als Otto Schell, Mitglied des Vorstands der Deutschen SAP-Anwender-Gruppe e.V.. Hauptberuflich ist Schell als Business Program Manager bei Opel in Rüsselsheim tätig.
von Tino Böhler
Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen SAP-Produktpolitik?
Eine schöne Frage. Erstmal bin ich zufrieden aus der Sicht der Produktion, weil wir jetzt Planungssicherheit haben und uns vorerst keine Gedanken machen müssen, was in den nächsten Jahren kommt. Aufwendige Vorbereitungen zu Release-Wechsel und deren Auswirkung auf wartungsbedingten Produktionsstillstand scheinen damit auch erstmal entzerrt. Was die SAP- Produktpolitik insgesamt betrifft, wären wir zufriedener, wenn hinter einer internen Ankündigung auch direkt ein Szenario stehen würde, wie man ein neues Produkt sinnvoll und gewinnbringend einsetzen kann. Das wäre das Optimum, daran arbeiten wir. Beispiel In-Memory-Technologie: Hier stellt keiner die Technologie in Frage, sondern die Fragen lauten: ‚Wie führt man so etwas sinnvoll ein, was ist der Mehrwert für das Unternehmen?’ An dieser Stelle kann SAP bestimmt noch einiges verbessern, um für die Anwender transparenter zu werden.
Wo liegen die größten Herausforderungen eines Fertigungsunternehmens im IT-Bereich, wo die größten Herausforderungen dabei für SAP als strategischer IT-Partner?
Bei der Einführung von SAP kommt es immer zu einer Evolution. Das Problem bei diesen Evolutionen ist immer, dass man sich an die nicht wenigen Legacy-Systeme gewöhnt, die man mit Schnittstellen zu SAP verbunden hat. Hier kann es dann richtig heftig werden, wenn man beispielsweise in die Produktionsprozesse einsteigt. Die Challenge ist also, zu entscheiden, behalte ich die Altsystemlandschaft, kann ich das ein oder andere mittlerweile auch mit SAP abbilden oder gibt es dafür vielleicht jemanden, der ein adäquates Produkt anbietet, das ich an SAP anbinden kann. Denn die Umsetzung der Idee, mit einer Standardsoftware-Einführung löst man seine ganze – wir nennen das Spagetti-Charts – Lösungsvielfalt ab, steht bei vielen Unternehmen erst am Anfang. SAP spielt hier eine große Rolle, aber dieser Umbau wird dauern. Die zweite große Herausforderung betrifft die Optimierungspotenziale, die die Unternehmen mit ihrer SAP-Lösung noch lange nicht ausgereizt haben. Die dritte Challenge ist ganz klar, wie nutze ich neue Technologien wie In-Memory, Mobility oder Cloud Computing. Wir hatten früher 5-Jahres-Zyklen, mittlerweile reden wir von 12 oder 18 Monaten, in denen neue Technologien kommen.
Wie spannend ist denn das Thema ‚Cloud Computing’ für die fertigende Industrie?
Ich habe da ein ganz einfaches Bild dafür: Die meisten Unternehmen haben heute Teile ihrer IT outgesourced. Ist es das jetzt Cloud Computing oder Outsourcing? Ich denke, die heiklen Geschäfts- und Produktionsprozesse werden weder ausgelagert noch finden sie in einer Cloud statt. Es ist und bleibt die gleiche Frage – unabhängig von der Technologie: ‚Welche Prozesse, welche Daten kann ich rausgeben und welche nicht?’ Diese Frage muss jedes Unternehmen für sich beantworten.
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