22.08.2011 | Konjunktur

BMF: Im Jahresverlauf dürfte Wachstumsdynamik weiter abnehmen

Die Exporte flachten im zweiten Quartal wegen des geringeren weltwirtschaftlichen Expansionstempos ab (Bild: Fotolia).
Die Exporte flachten im zweiten Quartal wegen des geringeren weltwirtschaftlichen Expansionstempos ab (Bild: Fotolia).

In der Industrie dürfte sich der Aufschwung fortsetzen, das Tempo allerdings dürfte sich deutlich verringern. Besonders wegen eines überdurchschnittlichen Volumens an Großaufträgen seien die Aussichten für die Industrieproduktion weiter günstig.

BERLIN (DJ/gk). Die konjunkturelle Dynamik hat sich in Deutschland aus Sicht des Bundesfinanzministeriums (BMF) “unerwartet deutlich verringert” und dürfte auch im Jahresverlauf weiter nachlassen. “Der Fortgang des Aufschwungs blieb im Frühsommer 2011 hinter den Erwartungen”, heißt es aktuellen, am Montag in Berlin veröffentlichten BMF-Monatsbericht. “Die vorlaufenden Indikatoren deuten an, dass auch im weiteren Verlauf mit einer Verringerung der Wachstumsdynamik im Vergleich zum Jahresbeginn zu rechnen ist”, schreiben die BMF-Konjunkturexperten weiter.

Überraschend sei im zweiten Quartal vor allem die Schwäche der Inlandsnachfrage gewesen. Dies könnte “insbesondere auf Verunsicherungen im Zusammenhang mit den Schuldenkrisen im Euroraum und in den USA zurückzuführen sein”, heißt es im BMF-Monatsbericht.

Die Exporte flachten im zweiten Quartal wegen des geringeren weltwirtschaftlichen Expansionstempos ebenfalls ab. Auch wenn die Ausfuhren insgesamt weiter aufwärtsgerichtet seien, so deuteten mehrere Indikatoren auf “eine Abschwächung der deutschen Exportdynamik” im Jahresverlauf. Hierfür dürfte nach BMF-Auffassung eine wesentliche Rolle spielen, dass sich die US-Wirtschaft weniger positiv als erwartet entwickelt habe, und sich zudem innerhalb der Europäischen Union eine Wachstumsverlangsamung abzeichne.

Auch in der Industrie dürfte sich der Aufschwung zwar fortsetzen, das Tempo allerdings dürfte sich deutlich verringern. Besonders wegen eines überdurchschnittlichen Volumens an Großaufträgen seien die Aussichten für die Industrieproduktion dennoch weiter günstig.

Der private Konsum hat laut BMF im zweiten Quartal die Wirtschaftsentwicklung gebremst. Dabei dürfte die Schuldenkrise in einigen europäischen Ländern erheblich zu der Verunsicherung der Konsumenten beigetragen haben. “Im laufenden (dritten) Quartal könnten die derzeitigen Turbulenzen an den Finanzmärkten die Konsumnachfrage weiter dämpfen”, befürchten die BMF-Konjunkturexperten.

Dennoch erwartet das BMF insgesamt “eine positive Konsumkonjunktur”, da der Beschäftigungsaufbau anhalte und steigende Löhne die Einkommensentwicklung begünstigten. Zusätzlich stabilisierten sich in Deutschland die Preiserwartungen. Für den Arbeitsmarkt signalisierten die Stimmungsindikatoren eine weitere Verbesserung. Allerdings dürfte die Arbeitslosigkeit weniger stark abnehmen als noch zu Beginn des Jahres.

Günstig stellen sich aus Sicht von Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen die mittelfristigen Perspektiven für die öffentlichen Haushalte in Deutschland dar. “Nach der neuesten Schätzung des Bundesfinanzministeriums wird das Maastricht-Defizit in diesem Jahr mit 1,5% des BIP niedriger ausfallen als im Vorjahr und auch deutlich niedriger als noch im Frühjahr bei Vorlage des Stabilitätsprogramms erwartet”, schreibt Asmussen im Editorial zum Monatsbericht. Schon ab dem Jahr 2014 sei gesamtstaatlich ein ausgeglichener Haushalt erreichbar.

Bereits im laufenden Jahr dürfte die Neuverschuldung deutlich geringer als zunächst angenommen ausfallen. “Gegenüber den Annahmen bei der Aufstellung des Bundeshaushalts führen jedoch neben Steuermehreinnahem auch Minderausgaben insbesondere im Bereich des Arbeitsmarktes zu Verbesserungen, die eine Rückführung gegenüber der im Haushalt 2011 geplanten Neuverschuldung in Höhe von 48,4 Mrd Euro auf eine Größenordnung von rund 30 Mrd Euro erwarten lassen”, heißt es im BMF-Monatsbericht.

Anzeige

Weitere Aktuelle News

Hoffnungsschimmer für Spaniens Industrie

Die Industriedaten könnten für Spanien ein ermutigendes Signal sein. Besonders die Produktion von Investitionsgütern hat mit einem Plus von 3,3% kräftig angezogen. (Bild: Imago).

Für die von einer schweren Rezession geplagte spanische Wirtschaft zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer ab. Im März schrumpfte die Industrieproduktion wesentlich weniger als von den meisten Ökonomen befürchtet. Frankfurt (DJ/ilk). Wie die nationale Statistikbehörde berichtete, sank die industrielle Fertigung um lediglich 0,6% gegenüber dem mehr

Deutscher Industrieumsatz steigt im März

Insbesondere der Export trieb den deutschen Industrieumsatz voran. Allerdings hinken die Ausfuhren nach Südeuropa krisenbedingt hinterher. (Bild: Fotolia).

Die Geschäfte der deutschen Industrieunternehmen sind im März wieder etwas besser gelaufen, nachdem es im Februar nur ein kleines Plus gegeben hatte. Der saison- und preisbereinigte Umsatz im verarbeitenden Gewerbe stieg um 1,7% gegenüber dem Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Frankfurt (DJ/ilk) Im Februar hatte er sich ledi mehr

Deutsche Industrie erhält im März überraschend viele Aufträge

Die deutsche Industrie hat im März wider Erwarten ein kräftiges Auftragsplus eingefahren. Sowohl aus dem Inland wie auch aus dem Ausland gingen deutlich mehr Bestellungen ein, wobei die Nachfrage aus der Eurozone besonders stark war. von Andreas Plecko, Dow Jones (sun). Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) mitteilte, stiegen die ge mehr

Frankreichs Industrie erleidet im März herben Rückschlag

Nach Analyse vieler Experten ist die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Industrie im vergangenen Jahrzehnt erodiert (Bild: pico - Fotolia.com).

Die französische Industrie hat im März einen unerwartet starken Rückschlag erlitten. Die industrielle Produktion der zweitgrößten Volkswirtschaft im Euroraum fiel nach den Daten der Statistikbehörde des Landes gegenüber dem Vormonat um 0,9%. von Gabriele Parussini, Dow Jones PARIS (ks). Volkswirte hatten im Mittel ein Minus von led mehr



Anzeige

Suchen