szmtag

08.02.2011 |

Deutscher Auftragseingang geht stärker als erwartet zurück

Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist im Dezember 2010 gegenüber dem Vormonat stärker als erwartet gesunken, was hauptsächlich an rückläufigen Auslandsaufträgen für Investitionsgüter lag.

Von Andreas Kißler und Hans Bentzien 
BERLIN (DJ/gk). Wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am Montag in Berlin auf Basis vorläufiger Daten mitteilte, verringerten sich die Bestellungen gegenüber dem Vormonat preis- und saisonbereinigt um 3,4%. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten lediglich ein Minus von 1,5% erwartet. Im Monat zuvor waren die Aufträge um 5,2% gestiegen, womit der vorläufige Datenausweis bestätigt wurde. Gegenüber dem Vorjahr nahmen die Auftragseingänge kalenderbereinigt um 22,3% zu. Für November wies das Ministerium im Vorjahresvergleich ein revidiertes Plus von 21,6% nach zunächst gemeldeten 21,7% aus.

Der Umfang der Großaufträge im Dezember war nach BMWi-Angaben “im Gegensatz zum Vormonat unterdurchschnittlich und stärker auf Vorleistungsgüter ausgerichtet”. Daraus ergaben sich den Angaben zufolge dämpfende Effekte im Investitionsgüterbereich. Die Bestellungen aus dem Ausland verringerten sich um 4,2%, und die Inlandsnachfrage nahm um 2,4% ab. Während die Hersteller von Vorleistungsgütern 0,6% mehr Aufträge verbuchten, meldeten die Produzenten von Investitionsgütern einen Bestellrückgang um 6,6%. Der Auftragseingang für Konsumgüter sank nur um 0,1%.

Allerdings verzeichnete die Industrie im aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich November/Dezember gegenüber September/Oktober ein Auftragsplus von saisonbereinigt 4,4%. Die Bestellungen aus dem Inland nahmen um 1,7% und die aus dem Ausland um 6,4% zu. In den industriellen Hauptgruppen registrierten die Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern Auftragszuwächse von 2,7% und 6,1%. Die Aufträge für Konsumgüter gingen dagegen um 0,4% zurück. Im vierten Quartal insgesamt lagen die Auftragseingänge um 2,7% über dem Ergebnis des Vorquartals.

Das Wirtschaftsministerium sah eine insgesamt weiterhin intakte Aufwärtsbewegung bei den Aufträgen. Diese seien “zuletzt von einer abnehmenden Investitionsgüternachfrage, bedingt durch unterdurchschnittliche Großaufträge und einen Bestellrückgang im Fahrzeugbau”, beeinflusst worden. “Die Auftragsentwicklung bleibt aber klar aufwärts gerichtet und fällt im Schlussquartal dynamischer aus als noch im dritten Jahresviertel”, hob das BMWi hervor.

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe wollte das unerwartet kräftige Auftragsminus nicht überbewertet wissen. “Wenn man sich die Zweimonatsdurchschnitt anguckt, dann sieht man, dass der Aufwärtstrend weiter intakt ist”, sagte er. Seine Prognose für die am Dienstag anstehenden Produktionsdaten bedarf keiner Änderung, Krüger erwartet ohnehin einen Rückgang um 2% (Konsens: minus 0,3%).

ING-Volkswirt Carsten Brzeski sah in der Veröffentlichung auch positive Aspekte: “Die Auftragseingänge aus der Eurozone haben um nahezu 4% angezogen, was darauf hindeutet, dass die Nachfrage nach deutschen Produkten trotz der staatlichen Sparmaßnahmen anhält”, sagte er. Zudem seien die Dezember-Zahlen eine Reaktion auf Einmaleffekte im November gewesen, etwa Großbestellungen aus dem Ausland und vorgezogene Investitionen wegen der zum Jahreswechsel geänderten Abschreibungsregeln. Brzeski rechnet für die kommenden Monate mit einer Normalisierung der Orderzuwächse.

Anzeige

Weitere Aktuelle News

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zeichnete ein positives Bild der Basisdaten für die deutsche Wirtschaft. Ein weiterhin robuster Arbeitsmarkt bildet nach seiner Überzeugung die Grundlage für den weiter erwarteten binnenwirtschaftlichen Auftrieb. - Bild: Wikipedia/Arne Müseler/www.arne-mueseler.de

Regierung senkt ihre Wachstumsprognosen deutlich

Die Bundesregierung erwartet in diesem und im nächsten Jahr deutlich weniger Wachstum als bisher angenommen. mehr

Wolfgang Schäuble:

Schäuble: Wirtschaft läuft besser als ihr Ruf

So schlecht, wie derzeit vielfach berichtet wird, steht es um die Weltwirtschaft gar nicht. So sieht das zumindest Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. mehr

Anzeige

Exporte sind eine wichtige Stütze für die chinesische Konjunktur, denn andere Bereiche wie Immobilien und Industrieproduktion hatten zuletzt geschwächelt. - Bild: kru

Chinas Handelsbilanz wächst überraschend stark

Die Ein- und Ausfuhren von und nach China haben im September stärker zugelegt als von Beobachtern erwartet. Das nährt Hoffnungen, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt doch noch ihr ausgegebenes Ziel erreichen kann, im Jahr um 7,5 Prozent zu wachsen. mehr

62 Prozent der deutschen Wirtschaftsvertreter fehlt es noch an Vertrauen, um künftig mit einem chinesischen Partner Entwicklungsarbeit zu leisten. Zum Vergleich: Gegenüber Partnern aus der Europäischen Union bemängelt nicht einmal jeder Zehnte eine solche Vertrauenslücke. - Bild: kru

Deutscher Wirtschaft fehlt Vertrauen in China

Das von Deutschland und China verkündete "Innovationsjahr 2015" droht zu scheitern. 62 Prozent der deutschen Wirtschaftsvertreter fehlt es noch an Vertrauen, um künftig mit einem chinesischen Partner Entwicklungsarbeit zu leisten. mehr



Anzeige

Suchen