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04.01.2012 |

DIW rechnet mit kräftigem Wachstum ab Mitte 2012

Nach Ansicht des DIW hängt alles an der Lösung der Eurokrise: Dauert diese länger an, dann droht eine Negativ-Spirale aus steigender Arbeitslosigkeit und fallender Nachfrage (Bild: Thomas Reimer - Fotolia).
Nach Ansicht des DIW hängt alles an der Lösung der Eurokrise: Dauert diese länger an, dann droht eine Negativ-Spirale aus steigender Arbeitslosigkeit und fallender Nachfrage (Bild: Thomas Reimer - Fotolia).

Der Aufschwung in Deutschland wird 2012 nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) “kurzzeitig unterbrochen”, bereits ab Mitte 2012 soll die Wirtschaft aber wieder kräftig wachsen.

BERLIN (Dow Jones/ks)–Vor allem zum Jahresbeginn 2012 dürfte die deutsche Wirtschaft sogar leicht schrumpfen, und für das Gesamtjahr 2012 sei nur mit einem Wachstum von 0,6% zu rechnen, erklärte das Institut am Mittwoch in Berlin. “Dank des ab dem Sommer diesen Jahres einsetzenden Aufholwachstums rechnen wir für 2013 aber wieder mit einem Wachstum von 2,2%”, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. “Das klappt aber nur, wenn die Politik die Krise im Euroraum in den nächsten Monaten überzeugend in den Griff bekommt”, betonte er.

Unter der Krise würden vor allem die deutschen Exporte zu leiden haben, erklärte DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. Aber auch die Inlandsnachfrage werde beeinträchtigt. “Die Menschen sind durch die Krise im Euroraum verunsichert und werden sich beim Konsum zurückhalten”, sagte Junker. Auch die Unternehmen würden ihre Investitionen in dem unsicheren Umfeld und angesichts ungünstigerer Absatzperspektiven zurückfahren. “Deshalb spricht vieles dafür, dass Deutschland für kurze Zeit in eine Rezession rutscht”, betonte der Konjunkturforscher. Ab der Jahresmitte 2012 würden sich Exporte und Inlandsnachfrage aber wieder kräftiger entwickeln.

Dauert die Krise im Euroraum hingegen länger an, wird nach Einschätzung des DIW der Arbeitsmarkt deutlich stärker von der Konjunkturdelle betroffen werden. “Dann droht wirklich eine Negativ-Spirale aus steigender Arbeitslosigkeit und fallender Nachfrage”, warnte Fichtner. Nach Einschätzung des Instituts könnte es in einem solchen Fall zu einer spürbaren Rezession in Deutschland kommen.

Nach der Prognose des DIW bleiben allerdings auch die Auswirkungen der Konjunkturdelle auf den Arbeitsmarkt begrenzt. Zwar ist demnach in der ersten Hälfte 2012 zunächst mit einem leichten Rückgang der Beschäftigung zu rechnen. Mit vermehrter Kurzarbeit und dem Abbau der inzwischen wieder gut gefüllten Arbeitszeitkonten würden die Unternehmen den Rückgang bei der Zahl der Beschäftigten aber abfedern können. Die auflebende Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte dürfte auch der Beschäftigung helfen, sodass im Jahresdurchschnitt ein kleines Plus bei der Zahl der Erwerbstätigen zu verzeichnen sei. Die Arbeitslosenquote verharre leicht über der 7%-Marke.

Der Euroraum muss sich nach Einschätzung der Forscher “auf eine Nachfrageschwäche auf breiter Front einstellen”. Für dieses Jahr prognostiziert das DIW daher einen leichten Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts des Euroraums. 2013 sollte die Wirtschaftsleistung dann mit gut 1% Wachstum wieder etwas anziehen. Fichtner betonte, Voraussetzung für eine Erholung der Konjunktur im Euroraum im nächsten Jahr sei aber, “dass die Politik die Krise in den Griff bekommt”.

Die Beschlüsse, die die EU-Staats- und Regierungschefs Mitte Dezember in Brüssel getroffen haben, leisten nach Einschätzung des DIW Berlin keinen entscheidenden Beitrag zur unmittelbaren Lösung der Schuldenkrise, könnten aber in Zukunft zu einer höheren Stabilität der Währungsunion beitragen. Die Politik dürfe sich nun aber nicht zu viel Zeit mit der Reform der europäischen Institutionen lassen. “Sonst sind wir plötzlich wieder in einer Situation wie nach dem Lehman-Kollaps”, warnte Fichtner.

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