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26.01.2010 | Konjunktur
ifo-Index: Aufschwung noch nicht selbsttragend
Die erneute kräftige Aufhellung des ifo-Geschäftsklimaindex im Januar ist nach Einschätzung von Gernot Nerb, Konjunkturexperte des ifo Instituts, ein Indiz für die weitere Fortsetzung der wirtschaftlichen Besserung in Deutschland. Der Aufschwung sei aber keineswegs selbsttragend.
MÜNCHEN (DJ/ilk) “Auf jeden Fall setzt sich die Erholung fort, allerdings haben wir noch keinen selbsttragenden Aufschwung”, sagte Nerb. Insofern sei auch noch nicht zu sagen, ob die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2010 besser als bislang erwartet ausfallen werde.
Die Indexwerte sprächen dafür, dass die von Politik und Geldpolitik ergriffenen Maßnahmen tatsächlich “gefruchtet” hätten. “Es läuft jetzt einigermaßen”, sagte Nerb. Der Erholungsprozess müsse aber noch weitergehen, damit die deutsche Wirtschaft wieder in normales Fahrwasser komme. Bei der Kapazitätsauslastung etwa sei man jetzt “vielleicht auf halbem Wege”. Es fehle aber noch ein ganzes Stück, ehe wieder von Normalität gesprochen werden könne.
Um den momentanen Erholungsprozess nicht zu gefährden, müssten die monetären Weichen immer noch so gestellt bleiben, wie es bislang der Fall sei. “Wir wollen nicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zu früh die Exit-Strategie fährt”, sagte Nerb. Auch bei der Fiskalpolitik müsse sehr vorsichtig vorgegangen werden. “Auf keinen Fall sollte in dem jetzigen Stadium schon versucht werden, die Gelder wieder einzusammeln”, sagte der ifo-Experte.
Mit einem Kurswechsel der EZB rechnet Nerb nicht. “Die EZB wird bei ihrer jetzigen Strategie erst einmal bleiben”, sagte der ifo-Experte. Das sei aus den Ankündigungen der EZB zu schließen. Die EZB werde “nur ganz vorsichtig das Terrain ausloten und nichts überstürzt tun, um den Geldmantel enger zu schneidern”, sagte Nerb. Das sei auch in keinem Fall angeraten. “Wir sehen aber auch nicht, dass so etwas passiert”, so Nerb.
Auch in der Industrie sei sowohl bei der Lage wie den Erwartungen die Besserungstendenz klar erkennbar gewesen. Die Kapazitätsauslastung sei gestiegen und liege nun bei rund 75%. Die Exporterwartungen hätten sich im Januar ebenfalls verbessert und das über alle Exportbereiche hinweg. “Der Export scheint also wieder langsam anzuspringen”, sagte Nerb. Für die deutschen Exporteure wirke sich ein schwächerer Euro eher positiv aus, da sich die Firmen außerhalb des Euroraumes “etwas leichter tun”. “Zumindest scheint es ein Kurs zu sein, mit dem die deutschen Exporteure leben können”, sagte Nerb.
Die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei auch in diesem Zusammenhang die “spannende Frage”. Bei den Beschäftigungserwartungen der Unternehmen habe sich aber noch nicht viel geändert. “Es spricht demnach nichts dafür, dass eine große Entlassungswelle auf uns zurollt”, sagte der ifo-Experte. Dennoch bleibe die Ungewissheit darüber, wie “der Exit” aus der Kurzarbeit in die normale Arbeitszeit gelingen werde. Durch die Verlängerung der Kurzarbeiterregelung gebe es noch etwas Zeit. “Es spricht Einiges dafür, dass diese Brückenthese nicht so falsch war, dass wir das rettende Ufer erreichen, ohne dass all zu viel passiert”, sagte der ifo-Experte.
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