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14.12.2011 |

Ifo: Schuldenkrise bremst deutsche Konjunktur aus

In Deutschland dürfte sich der Aufschwung nicht weiter fortsetzen, eventuell 2012 sogar in einen Abschwung münden, so das Ifo (Bild: Thomas Reimer - Fotolia).
In Deutschland dürfte sich der Aufschwung nicht weiter fortsetzen, eventuell 2012 sogar in einen Abschwung münden, so das Ifo (Bild: Thomas Reimer - Fotolia).

Die europäische Schuldenkrise wird das deutsche Wachstum im kommenden Jahr nach Einschätzung der Experten des Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung im kommenden Jahr drastisch dämpfen. “Die Schuldenkrise bremst die deutsche Wirtschaft aus”, schreiben die Ifo-Experten in ihrer am Mittwoch veröffentlichten aktuellen Konjunkturprognose.

BERLIN/MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2012 voraussichtlich nur noch um 0,4% zunehmen, prognostizieren die Ifo-Forscher. In ihrer Sommerprognose vom Juni hatten sie noch ein Wachstum von 2,3% im kommenden Jahr erwartet. Für das laufende Jahr rechnet das Ifo-Institut mit einem BIP-Anstieg um 3,0% nach bislang prognostizierten 3,3%.

Die Prognose ist laut Ifo von hoher Unsicherheit geprägt und hängt im Prognosezeitraum entscheidend von der Beherrschbarkeit der europäischen Schuldenkrise ab. Sie beruhe auf der Annahme, “dass es gelingt, die Finanzmärkte nachhaltig zu beruhigen und somit eine weitere Eskalation der Krise zu verhindern”.

Die Experten messen aber auch dem Risikoszenario “eine nicht unerhebliche Eintrittswahrscheinlichkeit” zu, wonach der politische Wille zur Durchführung weitreichender Reformen in großen Ländern wie Italien und Spanien erlahmt oder die Reformen von den Investoren als nicht glaubwürdig und effektiv bewertet werden.

Gemäß dem Basisszenario wird sich die Expansion der Weltwirtschaft im Prognosezeitraum spürbar verlangsamen. Die Verunsicherung dürfte die Finanzierungsbedingungen für Banken und Unternehmen weltweit verschlechtern und zum Aufschub vieler Konsum- und Investitionsausgaben führen. In Deutschland dürfte sich der Aufschwung nicht weiter fortsetzen. “Die Konjunktur wird im Winter vermutlich sogar in einen Abschwung geraten”, schreiben die Ifo-Konjunkturexperten.

Die Exporte werden laut Ifo erheblich “vom weltwirtschaftlichen Tempoverlust und besonders den vielfältigen Konsolidierungs- und Sparanstrengungen im Euroraum belastet”. 2012 dürften die deutschen Ausfuhren nur noch um 2,8% zulegen nach voraussichtlich plus 8,4% im laufenden Jahr. Die Importe steigen laut Ifo 2012 um 4,6% nach 7,6% in 2011.

Vor diesem Hintergrund dürfte sich der Beschäftigungsaufbau verlangsamen. Die Erwerbstätigkeit wird im kommenden Jahr um 210.000 Personen auf im Jahresdurchschnitt 41,270 Millionen Personen steigen. Im laufenden Jahr dürfte die Erwerbstätigenzahl im Schnitt bei 41,06 Millionen Personen liegen. Aufgrund von demografischen Faktoren wird die Zahl der Arbeitslosen 2012 um 140.000 auf im Schnitt 2,835 Millionen Personen sinken. Im laufenden Jahr dürfte die Arbeitslosenzahl im Durchschnitt 2,975 Millionen Personen betragen.

Im Gefolge der schwächeren Konjunktur wird der Preisanstieg schwächer. Im Jahresdurchschnitt 2012 ist laut Ifo mit einer Inflationsrate von 1,8% zu rechnen nach einem Preisanstieg um 2,3% im laufenden Jahr. Bei den privaten Konsumausgaben erwarten die Ifo-Forscher im kommenden Jahr ein Plus von 1,2% nach einem Anstieg um 1,4% im laufenden Jahr.

Das staatliche Budgetdefizit in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt wird 2012 bei voraussichtlich 0,9% liegen. Im laufenden Jahr wird sich das Defizit auf 1,1% belaufen.

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