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16.03.2012 |

Industrie bremst Auslandsinvestitionen

Trotz der teilweise spektakulären Unternehmenskäufe der Chinesen ist der von Deutschen in China investierte Kapitalstock noch um ein Vielfaches höher als der der Chinesen in Deutschland (im Bild Maschinen des kürzlich übernommenen Betonpumpenherstellers Putzmeister).
Trotz der teilweise spektakulären Unternehmenskäufe der Chinesen ist der von Deutschen in China investierte Kapitalstock noch um ein Vielfaches höher als der der Chinesen in Deutschland (im Bild Maschinen des kürzlich übernommenen Betonpumpenherstellers Putzmeister).

Deutsche Unternehmen expandierten auch 2011 kräftig im Ausland, wenn auch das Tempo deutlich nachgelassen hat. China ist das wichtigste Zielland für Auslandsinvestionen deutscher Unternehmen, gleichzeitig ist China in Deutschland der wichtigste Investor.

BERLIN (ks). Die deutsche Wirtschaft hat im vergangenen Jahr ihr Produktionskapital im Ausland um 70 Mrd Euro erhöht. Das berichtete der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) Volker Treier bei der Vorstellung einer aktuellen DIHK-Umfrage unter 7000 Industrieunternehmen. Nach einem Plus von 100 Mrd Euro im Vorjahr lasse das Wachstum der Investitionen damit aber etwas nach – dies sei “eine Reaktion auf die langsamere Gangart der Weltwirtschaft, die EU-Schuldenkrise, risikosensiblere Kreditinstitute sowie den noch immer nur mittelmäßig hohen Euro-Außenwert”, sagte Treier.

Die meisten Unternehmen zieht es nach China: 43% der auslandsaktiven Firmen wollen dort laut der Umfrage investieren. Doch auch die Staaten der EU-15 bleiben trotz der teilweise schwierigen wirtschaftlichen Situation eine wichtige Zielregion für Aulandsinvestitionen. Knapp 41 % der Betriebe – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr – planen laut der DIHK-Erhebung, in der Region Investitionen zu tätigen.

“Die deutschen Industriebetriebe haben 2012 mit ihren Auslandsinvestitionen so viele Regionen im Visier wie noch nie”, sagte Treier. “Beim Neugeschäft geraten immer mehr Kunden ins Blickfeld der Unternehmen, ohne dass die Betriebe sich aus etablierten Regionen zurückziehen.”

44% der Industrieunternehmen beabsichtigen der Erhebung zufolge für 2012 ein Auslandsengagement (2011: 43%). Jeder dritte dieser Betriebe plant mehr Investitionen im Ausland; 53% wollen ihr Engagement im gleichen Ausmaß wie im Vorjahr fortführen, 13% wollen es verringern.

Kosten spielen bei der Auslandsexpansion immer weniger eine Rolle. Nur noch 21% der Befragten nannten Kosten als Grund für eine Verlagerung. „Das ist der niedrigste Wert, den wir je hatten“, sagte Treier. Ausgehend vom Höchstwert 2003 (42%) ist dieses Investitionsmotiv kontinuierlich unwichtiger geworden, so der DIHK. Die Unternehmen wollen vielmehr Märkte erschließen, Vertrieb und Kundendienst aufbauen, so die Umfrageergebnisse.

Die Unternehmen schufen durch ihre weltweiten Auslandsinvestitionen 300.000 Arbeitsplätze im Ausland. Gleichzeitig aber bauten die auslandsaktiven Unternehmen laut DIHK auch in Deutschland 50.000 zusätzlichen Jobs auf. “Investitionen im Ausland gehen mithin nicht zu Lasten des heimischen Standorts”, betonte Treier.

Die Direktinvestitionen der Industrie im Ausland sind aber mittlerweile keine Einbahnstraße mehr. Insgesamt registrierten die Bundesländer 827 Ansiedlungsprojekte aus dem Ausland und damit ein Plus von 13% verglichen mit 2010. Das berichtete Michael Pfeiffer, Geschäftsführer der deutschen Außenwirtschaftsfördergesellschaft Germany Trade & Invest (gtai).

China hat dabei mit 158 seine Position als wichtigster Investor in Deutschland ausbebaut. Aus den USA kommen 110 Projekte, aus der Schweiz 91 und aus Frankreich 53. Zielbranche Nummer 1, wenn es um Direktinvestitionen geht, ist die Kfz-Branche (auch Zulieferer und Kfz-Teile) und der Maschinenbau mit 21% aller Projekte.

Dennoch investiert Deutschland nach wie vor ein Vielfaches im Ausland, verglichen mit den Investitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland. Der Kapitalstock deutscher Firmen in China beträgt mittlerweile 22 Mrd Euro und 900 Mrd weltweit. Der chinesische Kapitalstock in Deutschland liegt dagegen immer noch unter 1 Mrd Euro, so Treier.

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