szmtag

13.09.2010 |

Maschinenbau zweifelt am Atomkonsens

Der Schlingerkurs in der Atompolitik bringt den Maschinenbau in die Bredouille. Investitionsverunsicherung und schlechte Aussichten für Kohlekraftwerke bereiten Sorgen (Bild: Imago).
Der Schlingerkurs in der Atompolitik bringt den Maschinenbau in die Bredouille. Investitionsverunsicherung und schlechte Aussichten für Kohlekraftwerke bereiten Sorgen (Bild: Imago).

Der VDMA bemängelt fehlenden politischen Konsens, Planungsunsicherheit und mangelnden Wettbewerb.

von Andreas Karius

FRANKFURT. „Grundsätzlich positiv sehen wir, dass es nicht nur ein Laufzeitverlängerungs-Konzept ist, sondern viele andere Elemente enthält bis hin zur Energie-Effizienz, wo wir als Maschinenbauer ein sehr großes Potenzial an hochintelligenten Produkten anzubieten haben“, sagte Thorsten Herdan, energiepolitischer Sprecher des VDMA im Gespräch mit Produktion. Zunächst gelte es, das Programm insgesamt genau zu analysieren und sich nicht nur auf einen Detailaspekt zu stürzen, sei es die Atomenergie oder andere Energieformen. Dann beginnt für den Verband aber auch schon eine längere Liste von Kritikpunkten an dem schwarz-gelben Atomkompromiss. Auch wenn der Regierung mit der vorgestellten Energiestrategie ein Gesamtkonzept geglückt sei, stehe dieses insgesamt noch auf zu wackeligen Füßen, erklärte Herdan. „Der Kompromiss zur Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke bietet keine stabilen Rahmenbedingungen für die Industrie. Der bereits jetzt von der Opposition angekündigte Ausstieg aus dem Wiedereinstieg zeigt den fehlenden politischen Konsens, der für den Maschinenbau jedoch von zentraler Bedeutung ist“, betonte Herdan. Dies schaffe höchste Investitionsverunsicherung.

„Wenig hilfreich ist es, dass die Oligopolstruktur der großen Energiekon-zerne eher noch verstärkt wird. Eine Verringerung des Wettbewerbs sorgt sicher nicht für niedrigere Preise. Deshalb können wir das Argument niedrigerer Strompreise durch die Laufzeitverlängerung nur sehr bedingt nachvollziehen“, so Herdan weiter. „Wir hätten gern in einen verstärkten Wettbewerb unsere intelligenten Produkte geliefert.“

Ähnlich äußert sich der VIK, die Interessenvertretung der industriellen Energiekunden: „Die industrielle Basis Deutschlands – die energieintensiven Grundstoffindustrien – können noch nicht aufatmen. Als Gewinner der Überlegungen gelten die Stromkonzerne.“

Besonders gebeutelt von den Plänen der schwarz-gelben Regierungskoalition sehen sich die Hersteller und Zulieferer von Technik für moderne Kohlekraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. „Wer die abgeschriebenen Atomkraftwerke besitzt, investiert jetzt sicher nicht mehr in Kohlekraftwerke, das kann sich nicht rechnen. Deshalb stehen wir momentan bei unserer hocheffizienten Technik für Kohlekraftwerke vor einem gewissen Scherbenhaufen“, sagte Herdan. Zur Zeit befinden sich kommunale Kraftwerksinvestitionen in der Größenordnung von 6,5 Mrd Euro im Bau oder im Genehmigungsverfahren, so der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Ferner haben die Stadtwerke mittelfristige Investitionen mit einem Volumen von weiteren 6 Mrd Euro geplant. „Diese müssen nun überprüft werden, und selbst bereits realisierte Projekte und Bestandsanlagen sind in ihrer Wirtschaftlichkeit gefährdet“, so der VKU weiter. „Wir können in die Klagen der Stadtwerke mit einstimmen, da uns nun Aufträge für diese dezentralen Anlagen fehlen werden – in dieser Hinsicht ist das Energiekonzept schlecht“, bestätigt Herdan. Gaskraftwerke seien hingegen noch verhältnismäßig glimpflich davongekommen, weil als Ausgleich zwischen den Atom-Grundlastkraftwerken und den stark schwankenden erneuerbaren Energien sicher noch flexible Gaskraftwerke benötigt würden.

Anzeige

Weitere Aktuelle News

Deutschland habe derzeit kein fundamentales Problem. Das Problem ist die Eurozone, wir sehen dass die großen Volkswirtschaften da vor sich hin dümpeln. - Bild: Dreaming Andy/Fotolia

Volkswirte sehen deutschen Wachstumskurs nur unterbrochen

Der vom Statistischen Bundesamt vermeldete Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) hat Befürchtungen genährt, Deutschland könnte seine Funktion als europäische Wachstumslokomotive verlieren. mehr

Eric Schweitzer:

Deutschland fehlen Millionen Technikfacharbeiter bis 2020

Bis 2020 werden in Deutschland rund 1,4 Millionen Facharbeiter in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen fehlen. Zu diesem Ergebnis komm ein Positionspapier des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). mehr

Anzeige

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn:

Weltwirtschaftsklima zeigt sich trotz Krisen aufgehellt

Das Weltwirtschaftsklima hat sich im dritten Quartal nach einer Erhebung des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung aufgehellt gezeigt. Der Ifo-Index für die Weltwirtschaft stieg auf 105,0 von 102,3 Punkten im Vorquartal. mehr

Der Ifo-Index für die Wirtschaft im Euroraum sank im dritten Quartal um 4,1 Punkte auf 118,9, nachdem er zuvor mit 123,0 Zählern den höchsten Stand seit Ende 2007 erreicht hatte. - Bild: Fotolia/Kleemann

Wirtschaftsklima in der Eurozone verdunkelt sich

Das Wirtschaftsklima in der Eurozone hat sich laut einer Ifo-Umfrage deutlich eingetrübt, ausgelöst durch die Sorge um steigende Energiepreise und Einschränkungen beim Export durch den Ukraine-Konflikt. mehr



Suchen