10.02.2010 | Konjunktur

VDMA rechnet für 2010 mit Konsolidierung

Impulse für den deutschen Maschinenbau sieht der VDMA derzeit lediglich im Ausland. Im Bild der Präsident des VDMA, Manfred Wittenstein.
Impulse für den deutschen Maschinenbau sieht der VDMA derzeit lediglich im Ausland. Im Bild der Präsident des VDMA, Manfred Wittenstein.

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau schöpft für 2010 langsam Hoffnung, nachdem 2009 das schlechteste Jahr seit Jahrzehnten für die Branche war.

von Gisela Simon und Hans Bentzien, Dow Jones

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Im laufenden Jahr sei eine Konsolidierung auf niedrigem Niveau zu erwarten, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Manfred Wittenstein, am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz.

“Die deutsche Maschinenproduktion wird nach unserer Einschätzung in den ersten Monaten des Jahres 2010 ihr Vorjahresniveau teils noch deutlich verfehlen. Später im Jahr kann es unserer Branche jedoch gelingen, wieder Plusraten zu schreiben”, erklärte Wittenstein.

Der VDMA geht davon aus, dass der Maschinenbau im Jahresmittel 2010 das Produktionsvolumen von 2009 in etwa halten kann, mit einer leicht positiven Tendenz im Jahresverlauf. Die Branche rechnet damit, dass im laufenden Jahr zahlreiche Unternehmen ihre personellen Kapazitäten noch anpassen müssen. Da sich das Ausmaß aber noch nicht abschätzen lasse, könne noch keine Beschäftigungsprognose für 2010 abgegeben werden.

VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers sagte, im September 2009 habe sich die Kurzarbeit in der Branche auf 70.000 Vollzeitäquivalente belaufen. Für die kommenden Monate sei ein Rückgang der Kurzarbeit zu erwarten. Allerdings rechnet Wiechers nicht damit, dass diese Stellen völlig verloren gehen. Zum einen seien die Auftragseingänge zuletzt leicht gestiegen, zum anderen seien Übergänge in betriebsinterne Lösungen möglich.

2009 sank die Beschäftigung um rund 34.000 Personen. “Gemessen am Produktionsrückgang ist der Rückgang der Stammbelegschaft dank Reduktion von Zeitarbeit, Kurzarbeit und betriebsindividueller Maßnahmen bisher noch vergleichsweise moderat ausgefallen”, betonte Wittenstein. Nach Aussage des VDMA-Präsidenten hielten die Unternehmen “dieses Mal auf Biegen und Brechen ihre Mitarbeiter länger als in früheren Abschwüngen”.

Im vergangen Jahr sank die Produktion der Branche real um knapp 25% auf 151 Mrd Euro. Der Branchenumsatz fiel um nominal 23,1% auf 160 (Vorjahr: 208) Mrd Euro. Die Kapazitätsauslastung lag im Durchschnitt bei 70,7% (88,9%). Die Maschinenbestellungen fielen den Verbandsangaben zufolge so drastisch wie noch nie seit Beginn der VDMA-Auftragseingangsstatistik 1958. Im Gesamtjahr lagen die Bestellungen um 38% unter dem Vorjahresniveau.

Wittenstein zufolge darf das Orderplus im Dezember nicht davon ablenken, dass sich die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau bewege. “Das nun erreichte Bestellniveau liegt um nicht weniger als 20% unter dem Durchschnitt des Fünfjahreszeitraums 2004 bis 2008″, sagte Wittenstein. Im Dezember lag der Auftragseingang real um 8% über dem Vorjahresniveau und verzeichnete damit erstmals seit 15 Monaten wieder einen Zuwachs. Der VDMA weist allerdings daraufhin, dass der Dezember 2008 mit Abstand der schwächste Monat des Vorjahres war.

Das Inlandsgeschäft sank im Dezember 2009 um 4%, während die Auslandsnachfrage um 15% stieg. Im Dreimonatsvergleich Oktober bis Ende Dezember ergab sich ein Minus von 13% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wobei die Inlandsaufträge um 16% und die Auslandsorders um 11% sanken.

China verzeichnete demnach als einziges der 20 wichtigsten Zielländer deutscher Maschinenbauprodukte einen Zuwachs und schob sich damit früher als vom VDMA erwartet auf Platz Eins. Besonders stark (minus 43%) gingen dagegen die Ausfuhren nach Russland zurück.

Der VDMA geht davon aus, dass der Maschinenumsatz 2009 weltweit um real 19% zurückgegangen ist. In Europa dürfte das Minus demnach um rund ein Viertel gesunken sein, in den USA um rund ein Fünftel. In Japan sank der Maschinenumsatz um 40%, während der Umsatz in China vor allem dank staatlich administrierter Investitionsprojekte einen Zuwachs von 10% verbuchte.

Nach Angaben des VDMA-Präsidenten sagt inzwischen ein Drittel der Mitgliedsunternehmen, das Kredite schwierig zu bekommen bzw. zu behalten seien. Dabei sei allerdings kein System erkennbar. Gefährlich wäre Wittenstein zufolge ein schnelles Wiederanziehen der Aufträge, denn dann entstünden erst die Hauptprobleme bei der Auftragsvorfinanzierung. “Da könnten die Insolvenzen steigen, das kennen wir von früheren Zyklen”, sagte Wittenstein. Die Nachfrage nach Betriebsmittelkrediten steige, die Banken seien ängstlich und blickten eher zurück und stünden auf der Kreditbremse.

Allerdings könne von einer generellen Kreditklemme im Maschinenbau keine Rede sein. Wittenstein verwies aber auf entsprechende Probleme bei den Kunden der Maschinen- und Anlagenbauer.

Als weiteres Risiko betrachtet der VDMA den erhöhten Mittelbedarf, der aus dem Halten der Stammbelegschaften sowie aus dem sich ergebenden Restrukturierungsbedarf resultiere. Die Gewinnsituation hat sich laut VDMA im vergangenen Jahr deutlich eingetrübt. Wittenstein sagte, die Nettoumsatzrendite dürfte schätzungsweise auf 1,5% von 5,8% im Jahr 2008 gesunken sein. Dahinter verberge sich allerdings der Fakt, dass rund ein Drittel der Unternehmen rote Zahlen geschrieben haben dürfte.

Der Verbandspräsident forderte von der Politik Maßnahmen zur Stärkung des Standorts Deutschland. Bisher sei es der schwarz-gelben Koalition nicht gelungen, die für eine Wachstumsbeschleunigung dringend notwendige Aufbruchstimmung beim Bürger und in der Wirtschaft zu erzeugen. “Wir erwarten von Frau Merkel nichts weniger als politische Führung.

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