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05.03.2012 |

Chinesische Jade Werke investieren 50 Mio Euro in Wilhelmshaven

Derzeit im Bau: der Tiefwasser-Containerhafen in Wilhelmshaven. Foto: JadeWeserPort
Derzeit im Bau: der Tiefwasser-Containerhafen in Wilhelmshaven. Foto: JadeWeserPort

Mit chinesischem Kapital der Hantong Group soll Wilhelmshaven zu einer Basis für Offshore-Windkraftanlagen entwickelt werden. Die neu gegründete Jade Werke GmbH beabsichtigt dort mindestens 50 Mio Euro zu investieren.

von Dr. Thomas Kiefer

Wilhelmshaven (kk). Die Jade Werke beabsichtigen, in dem neuen Werk Gründungsstrukturen für Windkraftanlagen, sogenannte Jackets und DeltaHybride, zu fertigen. Das DeltaHybrid-Fundament ist eine gemeinsame Neuentwicklung mit dem Kooperationspartner Hilgefort GmbH. Insbesondere beim Materialeinsatz und dem industrialisierten Fertigungsablauf, als auch beim Lärmschutz beim Rammen der Piles sowie der veranschlagten Installationsdauer werden neue Verfahren genutzt. In der deutschen Nord- und Ostsee sowie vor der britischen Küste sei der Bau von 15 000 Windkraftanlagen geplant, sagte der Hantong-Vorstandsvorsitzende Chenjun Meng. Pro Jahr will Jade Werke hiervon mindestens 80 Fundamente mit 50000 bis 100000 Tonnen Stahl bauen.

Der Baubeginn für die 260 Meter lange und 45 Meter hohe Halle soll bereits im August sein. Der Produktionsbeginn für die bis zu 80 Meter hohen Fundamente ist für Oktober 2013 geplant, erklärte Chenjun Meng. Er rechnet damit, dass in der Produktion rund 200 Arbeitsplätze entstehen. Hinzu kämen etwa 30 Mitarbeiter in Management und Vertrieb. „Das Unternehmen plant, 2014 erste Teile auf See zu bringen“, sagte Jens-Albert Oppel, Geschäftsführer von Niedersachsen Ports (NPorts). Die Flächen am Nordhafen für die Produktioshalle und die Lagerung werden von der niedersächsischen Hafengesellschaft NPorts als Grundeigentümerin gepachtet. Das Logistikunternehmen Rhenus Midgard ist der Partner für die landseitige Logistik der Fundamente zwischen der Halle und der Kaje.

Das Areal in Wilhelmshaven habe wegen der Tidefreiheit einen großen geografischen Vorteil, erklärte Meng. Er kündigte zudem an, die Jade Werke zu einer der bedeutendsten europäischen Fertigungsstätten von Stahlfundamenten für Offshore-Windparks aufzubauen. Die Jade Werke GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der chinesischen Schiffbau- und Investmentgruppe Jiangsu Hantong Heavy Industry Group. Hantong beschäftigt etwa 4 200 eigene Mitarbeiter und erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von umgerechnet 850 Mio Euro.

Wilhelmshaven als Standort für die einzige Niederlassung der Hantong-Gruppe in Europa habe man sorgfältig ausgewählt, sagte Meng. „Wir wollen chinesisches Kapital, europäische Technologie und internationales Management sowie die gute geografische Lage Wilhelmshavens nutzen.“

Von Asien aus betrachtet liegen Rotterdam und Hamburg auf der Europakarte sehr dicht nebeneinander. Zwischen diesen beiden europäischen Metropolen möchte sich jetzt Wilhelmshaven als maritimes Zentrum etablieren. „In Wilhelmshaven geht im August der einzige deutsche Tiefwasser-Hafen in Betrieb, in der auch die neuen Containerriesen und zukünftig noch größere Schiffe abgefertigt werden können. Auch für den Transfer der Container von den Ozeanriesen auf kleinere Schiffe, welche Skandinavien und Osteuropa bedienen, ist Wilhelmshaven der beste Standort. Wilhelmshaven ist unser wichtigstes Investitionsprojekt in Niedersachsen, erklärte Oliver Liersch, Niedersächsischer Staatssekretär für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Wilhelmshaven unterhält bereits seit 1992 eine Hafenpartnerschaft mit der chinesischen Hafenstadt Qingdao. Beide Seiten möchten in allen Bereichen der maritimen Wirtschaft zusammenarbeiten.

Das Wilhelmshavener Investitionsprojekt für die Offshore-Windkraft-Industrie trifft in Bremerhaven und Cuxhaven auf Kritik. Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz  sieht die Gefahr, dass Wilhelmshaven den Standorten Bremerhaven und Cuxhaven Aufträge abziehen könnte. Die Pläne sind angeblich gerade mit Blick auf die regionale Kooperation nicht abgesprochen. Granz erklärte, dass die niedersächsische Landesregierung glaubhaft versichert habe, dass es sich in Wilhelmshaven um eine rein private Investition handele. “Bremerhaven, Cuxhaven und Emden bleiben die Schwerpunkthäfen für die Offshore-Industrie”, so Grantz. Der Cuxhavener Landrat Kai-Uwe Bielefeld zeigte sich irritiert über die Wilhelmshavener Pläne. Das Land Niedersachsen habe zuvor deutlich gemacht, man werde Wilhelmshaven nicht davon abhalten, das Projekt umzusetzen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode betonte, dass das Land grundsätzlich an seiner Vereinbarung festhalte, ausschließlich in Emden und Cuxhaven als Offshore-Basishäfen zu investieren.

Doch die Investoren locken weniger die Subventionen, sondern mehr die langfristigen Geschäftsmöglichkeiten, das Investitionsumfeld und praktische Hilfen bei der Unternehmensansiedlung. Das Projekt wurde erst im Januar im Wilhelmshaven Stadtrat beraten und einstimmig genehmigt. Wilhelmshaven ändert für das Projekt Bebauungspläne und sorgt für Infrastruktur. Zusätzlich zu dem jetzt vereinbarten Projekt werde es Anstoßeffekte für den Wilhelmshavener Mittelstand geben, hofft Wilhelmshavens Oberbürgermeister Andreas Wagner. Er bekräftigte, dass die Stadt alle Hebel in Bewegung setzen werde, um das Vorhaben zu forcieren und die Baugenehmigungen zu unterstützen.

Jens-Albert Oppel, Geschäftsführer der NiedersachsenPorts GmbH + Co. KG erklärte, dass in Wilhelmshaven nicht, wie zuvor bereits in Cuxhaven und Emden, größere Summen öffentlicher Mittel geflossen seien. Folgende Gründe seien für die Standortentscheidung ausschlaggebend: die zentrale Lage zu den Windparks in der Nordsee; die Garantie eines tidefreien Umschlags im Nordhafen hinter einer großen Doppelschleuse, die mit einer Länge von 360 und einer Breite von 60 Meter auch die größten Jack-up-Schiffe samt Landung aufnehmen kann. Zudem existierten genügend Flächen für Produktion und Montage von großen Stahlteilen mit Kaianbindung. Vorgefertigte Teile sollen aus China mit dem Schiff kommen. Wichtig sei zudem die kurzfristige Verfügbarkeit der Flächen, die sich in Landesbesitz befänden.

Investitionskapital und neue Unternehmen ziehen nicht unbedingt dahin, wohin es Wirtschaftsförderer, Politiker und Behörden hinplanen möchten. Besonders bei der Ansiedlung chinesischer Unternehmen besteht die Gefahr, das Projekte zu Tode geredet werden und damit Investoren abgeschreckt werden. Hinzu kommen lange, zermürbende Abstimmungsprozesse und wenig Hilfen bei der praktischen Umsetzung von geplanten Investitionen. Dies ist aus China betrachtet wenig verständlich, klagen chinesische Investoren.

Abstimmungsprobleme zeigen sich auch bei den Kooperationen der Hafenpolitik. Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner fordert eine gemeinsame Hafenpolitik in Deutschland. Die Konkurrenz für Hamburg oder Bremen sei nicht der neue JadeWeserPort, sondern Rotterdam.

Ursprünglich sollte Hamburg am neuen Wilhelmshavener Tiefwasser-Hafen beteiligt werden. Hamburg sah darin jedoch nur eine Konkurrenz und setzte auf die Modernisierung seiner Hafenanlagen und die Elbvertiefung. Bei der Elbvertiefung steigen jedoch die Kosten rasant. Die Hamburg Port Authority (HPA) rechnet jetzt mit mindestens 500 Mio Euro, die dafür erforderlich sind. Bislang wurden diese auf 385 Mio geschätzt. Hamburg trägt ein Drittel der Kosten, der Bund zwei Drittel. Doch selbst nach einer erneuten Elbvertiefung käme man hier nur auf 13,50 Meter. Bereits heute haben die größten Containerschiffe einen Tiefgang von 16 Metern. Hinzu kommt, dass die 400 Meter langen Schiffsriesen in Hamburg kaum wenden können. Hamburgs Partnerstadt Shanghai, in dem der Hafen ebenfalls flussaufwärts im Stadtkern lag, zeigte, wie eine Nachhaltige Modernisierung verlaufen kann. Die Anlagen sind weitgehend geschlossen, und der neue Shanghaier Tiefsee-Containerhafen liegt in der Nachbarprovinz Zhenjiang.

Hamburg rühmte sich lange Zeit, die meisten chinesischen Unternehmensansiedlungen in Europa zu haben. Doch jetzt geht deren Zahl dort eher zurück, und die großen Investitionen fließen jetzt in kleinere Städte. Dabei werden die chinesischen Investoren jetzt erst besonders interessant. Früher waren dies hauptsächlich kleine Vertretungsbüros mit zwei, drei chinesischen Angestellten. Jetzt kommen aus China zunehmend Millioneninvestitionen, die Hunderte Arbeitsplätze schaffen können. Diese lassen sich nicht in erster Linie mit bunten Broschüren und Millionensubventionen locken, sondern die Investitionen fliesen dorthin, wo das beste Geschäftsumfeld herrscht und vor Ort bei praktischen Problemen schnell und freundlich geholfen wird.

Fazit: “Der neue Tiefwasser-Containerhafen in Wilhelmshaven nimmt erst in einigen Monaten seinen Betrieb auf. Doch bereits jetzt kommt die erste Millioneninvestition aus China. Die neue Infrastruktur lockt Unternehmen der Offshore-Windkraftbranche. Die Ansiedlungen gehen nicht dorthin, wo die höchsten Subventionen winken, sondern wo die Investoren die besten Geschäftsmöglichkeiten sehen.”

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