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08.02.2012 | Asien
Ist Sany gut für Putzmeister?

Mit Putzmeister hat sich der chinesische Baumaschinenhersteller Sany Heavy Industries einen deutschen Technologieführer und damit den Zugang zum europäischen und amerikanischen Markt gekauft. Doch welche Strategie verfolgt Sany genau und was bedeutet der Kauf für die deutsche Investitionsgüterindustrie?
von Dr. Thomas Kiefer
AICHTAL (kk). Die riesigen Betonpumpen von Putzmeister waren unter anderem am Katastrophenkraftwerk von Fukushima im Einsatz. Daneben waren auch die gewaltigen Betonpumpen von Sany zu sehen. Der technologische Rückstand von Sany, des nach eigenen Angaben weltweit größten Unternehmens im Bereich von Betonmaschinen, ist nicht mehr sehr groß. Doch neben einem verbesserten Marktzugang dürfte sich der chinesische Konzern weiteren Zugang zu Hochtechnologie versprechen. Sany ist bislang fast ausschließlich auf den boomenden chinesischen Markt aktiv, Exporte machen weniger als 5% des Gesamtumsatzes aus. Putzmeister erzielt etwa die Hälfte seines Umsatzes in Europa und 20% in den USA. Zudem ist das Unternehmen der führende Betonpumpenhersteller in Indien. “Sany hat mit Putzmeister den goldenen Schlüssel für den europäischen, amerikanischen und indischen Markt gefunden”, erklärt der Analyst Liu Rong gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Der Anteil chinesischer Maschinenverkäufe sei Liu zufolge in diesen Märkten sehr gering.
Der Kauf birgt aber auch Risiken, warnt Liu. “Die wirtschaftliche Erholung in Europa und den USA ist langsam und die Gewinne in diesen Märkten werden insgesamt nur wenig zum Gesamtergebnis beisteuern”, so Liu. Zudem könnte es durch den Kauf durch die sehr unterschiedlichen Unternehmenskulturen Konflikte geben.
Schon vor der Übernahme versuchte Sany in Europa Fuß zu fassen. Anfang 2008 eröffnete Sany in Köln seine Europazentrale und gab bekannt, dass es auch einen Produktionsstandort in Bedburg baut. Über 100 Mio Euro sind dort bereits in ein Zentrum für Forschung und Entwicklung und ein Verwaltungsgebäude geflossen. Geplant ist auch eine Produktionsstätte mit ca. 600 Mitarbeitern bis 2015. Zurzeit arbeiten in Bedburg bereits 200 Menschen für Sany. In der Entwicklungsabteilung werden auch Mobilkräne, Windkraftanlagen und Tunnelbohrmaschinen konstruiert.
Mit der Übernahme von Putzmeister mit Stammsitz in Aichtal bei Stuttgart führt Sany seine Expansionsstrategie weiter. Sany wird 324 Mio Euro für den Kauf der Putzmeister Holding GmbH aufwenden, melden chinesische Nachrichtenagenturen. Der Kauf soll gemeinsam mit Citic PE Advisors, einem Private Equity Fonds, getätigt werden, welcher danach 10 % der deutschen Firma kontrollieren wird. Putzmeister soll als unabhängige Marke bestehen bleiben und könnte über Sany als Premiummarke einen noch besseren Zugang zum weltgrößten Baumarkt China bekommen.
Putzmeisters Stammhaus in Aichtal soll Hauptsitz für Betonausrüstungen außerhalb Chinas werden. Der Co-Chef von Putzmeister Norbert Scheuch soll in den Sany-Vorstand einziehen. Auf einer Pressekonferenz in der südchinesischen Stadt Changsha erklärte der Sany-Vorstandsvorsitzende Liang Wengen, das nach der Übernahme die Geschäfte von Putzmeister weiterentwickelt werden sollen und das Unternehmen weitgehend eigenständig weiterarbeiten könne. “Beide Unternehmen ergänzen sich geographisch in ihren Geschäftsaktivitäten. Aus dem Zusammenschluss soll ein neuer globaler Marktführer für Betonpumpen entstehen.”Aichtal, die Hauptzentrale von Putzmeister im Kreis Esslingen, soll in der Zukunft das neue ausländische Hauptquartier von Sany sein. Die Selbständigkeit von Putzmeister in Management und Verwaltung soll bestehen bleiben, so Liang.
“Wir werden keine deutschen Mitarbeiter entlassen”, betonte Xiang Wenbo, der Geschäftsführer von Sany, auf der Pressekonferenz. Sany möchte zukünftig sogar noch mehr ausländische Mitarbeiter beschäftigen, fügte Xiang hinzu.
Weiter zu Seite 2: “Reiner Technologie-Ausverkauf wäre für Sany nicht nachhaltig”
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