Montage im Werk Wiesloch bei Heidelberger Druckmaschinen: Der Branchenprimus musste gestern seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr zurückschrauben (Bild: Heidelberger).

Montage im Werk Wiesloch bei Heidelberger Druckmaschinen: Der Branchenprimus musste gestern seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr zurückschrauben (Bild: Heidelberger).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Da die Kunden sich aufgrund der unsicheren Lage mit neuen Bestellungen zurückhalten, erklärte auch Branchenprimus Heideldruck seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr am Montagabend für wohl unerreichbar.

Mit Mühe und Not hatten sich die Druckmaschinenhersteller in den vergangenen Monaten zurück in die Gewinnzone oder zumindest in Richtung der schwarzen Zahlen gespart, nachdem sie in der schweren Wirtschaftskrise 2008/09 in schwere See geraten waren. Heideldruck hatte damals sogar nur dank Staatshilfen die drohende Zahlungsunfähigkeit abwenden können. Durch die Schuldenkrise könnte die sowieso nur auf tönernen Füßen stehende Erholung allerdings schon wieder im Keim erstickt werden.

“Aufgrund der konjunkturellen Aussichten ist davon auszugehen, dass sich die Nachfrage in der zweiten Geschäftsjahreshälfte schwächer entwickelt als erwartet”, erklärte die Heidelberger Druckmaschinen AG am Vorabend. Bei den Kunden wachse angesichts der Verwerfungen an den Kapitalmärkten und der Sorge vor einer schwächeren wirtschaftlichen Dynamik die Unsicherheit.

Und genau das ist Gift für die konjunktursensible Branche. Denn in unsicheren Zeiten stellen Kunden große Investitionen – wie eben für teure Druckmaschinen – auf den Prüfstand. Die Laufzeiten für Druckmaschinen werden dann über den eigentlichen Ersatzzeitpunkt hinaus ausgeweitet, Neubestellungen werden nicht selten erst einmal auf die lange Bank geschoben. Dass diese einfache Mechanik greift, zeigt ein Blick auf jüngste Daten des deutschen Maschinenbau-Verbandes VDMA: In den Monaten Juni bis August schrumpften die Auftragseingänge im Bereich Druck- und Papiertechnik um ein Zehntel.

Im August habe es allerdings sogar Zuwächse gegeben, sagte Markus Heering, der den Fachverband Druck- und Papiertechnik im VDMA leitet, am Dienstag im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Dies zeige, wie schwierig die Situation aktuell einzuschätzen sei. “Wie sich die Bestellungen im vierten Quartal entwickeln werden, ist sehr schwer zu sagen. Die Erwartungen sind allerdings nur sehr moderat wegen der Unsicherheiten, die wir im Euro-Raum haben”, gestand er ein.

Strukturwandel: Teile des Geschäfts wandern ins Internet ab

Neben den aktuellen Marktturbulenzen macht auch ein seit Jahren anhaltender Strukturwandel der einstigen deutschen Vorzeige-Branche zu schaffen: Die zunehmende Bedeutung des Internets sowohl in der Werbung als auch in der Medienwelt kostet die Hersteller von klassischen Bogen- und Rollendruckmaschinen seit geraumer Zeit Geschäft.

Nach Angaben von Heidelberger Druck und VDMA ist das aktuelle Bestellverhalten regional weiter sehr uneinheitlich: Während sich die Nachfrage in China und Südamerika weiter positiv entwickelt, bereiten dem MDAX-Konzern die Märkte in den USA, Japan und den Mittelmeeranrainerstaaten weiter große Sorgen. Die Zuwächse in Schwellenländern können die Verluste in etablierten Märkten allerdings nicht wettmachen, sagte VDMA-Vertreter Heering. Dies gilt vor allem auch, da gerade in China die lokale Konkurrenz zumindest Schritt für Schritt aufholt.

Ursprünglich hatte Heideldruck in dem bis März laufenden Geschäftsjahr schwarze Zahlen beim Ergebnis vor Steuern erreichen wollen. Wegen der schwachen Entwicklung auf einigen Märkten liegt dieses Ziel nach eigenen Angaben nun aber wohl außer Reichweite. Trotz des eingetrübten Umfeldes gehe man allerdings von einem spürbar verbesserten operativen Gewinn aus, hieß es vom Unternehmen. Helfen sollen dabei bereits eingeleitete “kurzfristig umsetzbare Maßnahmen im Sachkosten- und Personalbereich”. Ein Sprecher erläuterte am Dienstag, dass unter anderem das Instrument der Kurzarbeit weiter genutzt werde.

Erneute herbe Einschnitte haben die Heideldruck-Beschäftigten aber zumindest vorerst wohl nicht zu befürchten. Bereits in der tiefen Krise der vergangenen Jahre drehte Heideldruck gleich mehrmals an der Kostenschraube und baute tausende Stellen ab. Per Ende des vergangenen Geschäftsjahres beschäftigte das Unternehmen noch gut 15.800 Menschen – um die Jahrtausendwende waren es noch mehr als 26.000 gewesen. Auch die Konkurrenten manroland und Koenig und Bauer, von denen am Dienstag keine Indikation zum aktuellen Geschäftsverlauf zu erhalten war, entließen zahlreiche Arbeiter.

Ihre Hoffnungen setzt die Branche auf den Frühling nächsten Jahres. Denn im Mai steigt in Düsseldorf die “drupa”, die weltweit wichtigste Messe für die Druckindustrie. Das Branchentreffen findet nur alle vier Jahre statt. 2008 wurden rund 2.000 Aussteller und fast 400.000 Besucher gezählt. Die drupa gilt als Impulsgeber für die Branche, die deutschen Hersteller verbuchen dort stets viele große Aufträge. “Auf der drupa wird sich einiges entscheiden – nicht nur für Heideldruck, sondern auch für die ganze Branche”, bringt es ein Industriekenner auf den Punkt.

Die Hoffnung auf eine Belebung durch die Messe hegt nicht jeder Experte: Er glaube nicht, dass die drupa große zusätzliche Dynamik bringen werde, sagte WestLB-Analyst Achim Henke. Denn die gesamte Druckindustrie befinde sich immer noch in einer tiefen strukturellen Krise, die von großen Überkapazitäten gekennzeichnet sei. Die Entwarnung für die HeidelDruck-Arbeitnehmerschaft könnte also nur vorläufig sein: “Das nächste Restrukturierungsprogramm wird aus unserer Sicht bald kommen”, schätzt Henke. Auch das gestrige Statement von HeidelDruck-Chef Bernhard Schreier lässt in dieser Hinsicht zumindest Raum für Spekulationen: Um die Mittelfristziele zu erreichen, “werden wir alle dazu notwendigen Maßnahmen einleiten”, sagte der Manager am Vorabend.