Die Macher des neu geschaffenen Instituts an der Uni Stuttgart v.l.n.r.: Heinz Dürr, Prof. Wolfram

Die Macher des neu geschaffenen Instituts an der Uni Stuttgart v.l.n.r.: Heinz Dürr, Prof. Wolfram Ressel, Karl Schlecht, Prof. Thomas Bauernhansl (Bild: Felger).

von Dr. Ulrike Felger

Stuttgart (pd). „Energie-Effizienz ist cool“, begrüßte Heinz Dürr, Aufsichtsratsvorsitzender der Dürr AG, seine Zuhörer anlässlich der Gründung des neuen Instituts für Energie-Effizienz in der Produktion (EEP) zum 1. Oktober 2012 an der Universität Stuttgart. Obwohl die produzierende Industrie in Deutschland ein Drittel der Gesamtenergie verbraucht, würde das Thema stiefmütterlich behandelt, reklamiert der Unternehmer: „In der Energiepolitik wird die Angebotsseite weit mehr diskutiert und gefördert, als die Nachfrageseite“.

Mit der Institutsgründung in Rekordzeit will die Fakultät für Energie-, Verfahrens- und Biotechnik der Universität Stuttgart gemeinsam mit ihren Alumni Heinz Dürr und Karl Schlecht einen Gegenpol setzen. Die Stiftungen ‚Heinz und Heide Dürr Stiftung‘ und ‚Karl Schlecht Stiftung‘ stellen eine Grundfinanzierung für fünf Jahre bereit. In diesem Zeitraum werden 2,5 Mio Euro Stiftungsgelder fließen.
Gründungsdirektor Prof. Thomas Bauernhansl, Leiter des Instituts für industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) der Universität Stuttgart, sowie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), wird die Geschäfte im nächsten Jahr an einen zu berufenden Institutsleiter übergeben. Dieser wird auch Leiter einer Gruppe am Fraunhofer-IPA zum Thema.
„Technologie statt Verzicht“, lautet für Bauernhansl das Leitmotiv des neuen Instituts. Wirkungsgrad- und verfahrensbedingte Verluste lägen heute bei bis zu 95 %. Potenziale lägen in systematischem Energie- und Lastenmanagement, der Optimierung von Technologien und Anlagen sowie neuen, energieeffizienten Verfahren, beispielsweise zur Einsparung von Material. Bis zu einem Drittel an Energie könne eingespart werden. Die Verantwortung ist groß: „Die Welt schaut bei der Energiewende auf Deutschland – wenn wir es nicht schaffen, zweifeln die anderen an der Machbarkeit“.

Eine erste Projektgruppe hat die Arbeit aufgenommen. Auf der Agenda stehen neben der Entwicklung und Förderung effektiver Technologien die Aufklärung von Gesellschaft und Politik sowie die Integration des Themas in die universitäre Lehre. Die Vorhaben reichen von Studien und Veranstaltungen über Industrieprojekte und Forschungskooperationen bis zu Technologie-Roadmaps für verschiedene Industrie-Sektoren oder den Aufbau eines Energie-Effizienz-Index. Ein Beirat aus Meinungsbildern aus Politik, Gesellschaft und Industrie unterstützt das Institut bei strategischen Fragestellungen und in der Kommunikation. Darunter Persönlichkeiten wie Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Umweltminister, UNO-Beauftragter für Umweltschutz und Leiter des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit (IASS) in Potsdam, Stephan Kohler, Leiter der Deutschen Energie-Agentur DENA, Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, sowie Dr. Carsten Rolle, Abteilungsleiter Energiepolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI).

„Das EEP hat Vorbildcharakter“, betont Bauernhansl: „Wir müssen in Forschung und Lehre künftig noch enger mit der Industrie zusammenarbeiten, um den Wirtschaftsstandort Deutschland mit unserer wissenschaftlichen Expertise effektiv zu stärken“.
Die Resonanz der Wirtschaft auf die Initiative sei erfreulich: Über zehn Unternehmen, darunter die HP Labs von Hewlett Packard, hätten ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Ein Industrieanteil von drei bis vier Mio Euro – rund 40 % des Gesamtvolumens – hält Bauernhansl für durchaus machbar.

aus Produktion Nr. 46, 2012