GM macht mit der Restrukturierung seiner angeschlagenen europäischen Tochter Opel offenbar ernst (Bild: Opel).

GM macht mit der Restrukturierung seiner angeschlagenen europäischen Tochter Opel offenbar ernst (Bild: Opel).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Die Entscheidung über eine eventuelle Werksschließung könne in den nächsten Wochen fallen. Das berichtet das “Wall Street Journal” und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen. Der Aufsichtsrat von Opel dürfte bei seiner Sitzung in der kommenden Woche über die Werksschließungen beraten, hieß es.

Ein Opel-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren: “Wir gehen davon aus, dass die von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gemeinsam getragene Einschätzung, Opel müsse auch in Zeiten schlechter werdender Rahmenbedingungen profitabel arbeiten, weiterhin Gültigkeit hat”, sagte er nur. “Wir arbeiten an den notwendigen Strategien und werden informieren, sobald es etwas mitzuteilen gibt. An Spekulationen werden wir uns nicht beteiligen.” Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug wollte keinen Kommentar abgeben.

Die Verluste von Opel haben sich in den letzten zehn Jahren auf mehrere Milliarden Euro aufgetürmt, weshalb GM entschlossen ist, den Autobauer zu sanieren. Arbeitnehmervertreter sehen eine Restrukturierung durch den Abbau von Kapazitäten aber skeptisch. “Gesundschrumpfen” könne man Opel nicht, das habe die Vergangenheit gezeigt, hatte Schäfer-Klug jüngst im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland gesagt. “Opel ist zu Wachstum verdammt.”

Nahezu alle europäischen Autohersteller leiden unter den chronischen Überkapazitäten und rückläufigen Absätzen. Seit 2007 sind die Verkäufe auf dem Kontinent um 14% gesunken. GM hatte in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Anläufe unternommen, Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall auf gesunde Füße zu stellen. Tausende Jobs wurden gestrichen, mehrere Werke dichtgemacht. Zuletzt musste im Jahr 2010 das Werk im belgischen Antwerpen seine Pforten schließen.

Im Opel-Werk in Bochum bauen rund 5000 Mitarbeiter die Modelle Astra und Zafira sowie Achsen und Getriebe. Insgesamt hat Opel in Deutschland noch etwa 40.000 Mitarbeiter. 2007 wurden dort 240.000 Autos gebaut. In Ellesmere Port arbeiten etwa 2100 Menschen, das Werk hat eine Produktionskapazität von 187.000 Autos.

GM Chart habe nach Informationen von Spiegel Online wiederholt erklärt, dass es angesichts von Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen pro Jahr zwei Werke zu viel gebe, hieß es. Die Produktionskapazitäten sollen demnach um 30% gesenkt werden.

Dass sich das Marktumfeld auf dem für die Rüsselsheimer enorm wichtigen europäischen Markt wegen der Schuldenkrise in den vergangenen Monaten spürbar eingetrübt hat, macht die Situation nicht einfacher. In den ersten beiden Monaten des Jahres brachen die Neuzulassungen von Opel und Vauxhall in Westeuropa um rund ein Fünftel ein, der Markt schrumpfte nicht einmal halb so stark.

Die Führungsriege in Detroit hat angesichts der hohen Verluste und der schwachen Absätze bereits angekündigt, “Gewinnschwelle und Kapazitäten an die gesunkene Nachfrage anpassen” zu wollen. Laut Medienberichten könnten Werke in Bochum und im britischen Ellesmere Port in ihrer Existenz bedroht sein.

Die britische Gewerkschaft Unite hat aber Widerstand gegen jegliche Versuche einer Schließung angekündigt. “Ellesmere Port ist das effizienteste Werk der europäischen GM-Familie und Großbritannien ist ihr größter Markt” sagte ein Unite-Sprecher. Es sei nicht logisch, das Werk zuzumachen.

Ohnehin sind Werksschließungen angesichts der starken Opposition von Gewerkschaften und Regierungen schwer durchzusetzen. Im Fall von Opel verbietet eine bis 2014 geltende Betriebsvereinbarung weitere Entlassungen und Schließungen. Allerdings beinhalte sie eine Klausel, die eine Änderung der Vereinbarung bei extremen Marktentwicklungen ermögliche, sagten informierte Personen.

Dass GM sich zuletzt wieder stärker auf Opel konzentriert, zeigen Personalien der vergangenen Monate. Mehrere GM-Topmanager wurden in den Opel-Aufsichtsrat berufen, Konzern-Vizechef Stephen Girsky übernahm den Vorsitz des Gremiums höchstselbst.

Auch schauen sich die Amerikaner nach anderen Möglichkeiten um, Kosten zu sparen und wettbewerbsfähige Autos zu entwickeln. So wurde jüngst eine Allianz mit dem französischen Hersteller PSA Peugeot Citroen geschlossen. Die beiden Autokonzerne wollen im Herbst mit einem ersten gemeinsamen Entwicklungsprojekt beginnen.