Mit Antennen und Transpondern will Rohde & Schwarz im RFID-Gate Produktdaten direkt in SAP übertragen. - Bild: Rohde & Schwarz

Mit Antennen und Transpondern will Rohde & Schwarz im RFID-Gate Produktdaten direkt in SAP übertragen. - Bild: Rohde & Schwarz

Vor zwei Jahren kam ein Lean-Trainer des Teisnacher Werks des Senderherstellers Rohde & Schwarz auf den Projektleiter für Logistik, Michael Winkler, zu. “Ich habe einen Prozess gefunden, der Verbesserungsmöglichkeiten bietet: In einem Sender werden 100 bis 150 Teile verbaut, die mit Barcodes versehen sind”, sagte Martin Schmid. Das manuelle Einscannen dieser Barcodes nehme viel Zeit in Anspruch und sei fehlerbehaftet. Auch die Übertragung der Daten in SAP sei aufwendig.Schmid schlug Radio Frequency Identification (RFID) vor. Durch die Übermittlung der Daten über Funkwellen im Radiofrequenzbereich lassen sich gekennzeichnete Objekte über größere Distanzen und ohne Sichtverbindung identifizieren.

Der Lean-Trainer wollte die Zeit von einer Stunde, die man für das manuelle Scannen von 100 bis 150 Teilen benötigt, reduzieren. Zudem sollte die Qualität des Leseprozesses erhöht werden. So mussten zum Beispiel Teile nach der Endprüfung wieder ausgebaut werden, um sie zu scannen.

Bereits vor zehn Jahren begann man, sich bei Rohde & Schwarz in Teisnach mit dem Thema RFID zu beschäftigen. In den vergangenen Jahren gab es dann Durchbrüche bei RFID-Anwendungen im metallischen Umfeld.

Michael Winkler brachte das Projekt von Schmid ein und wurde zum Leiter des Projekts gemacht. Er stellte Kontakte zu Herstellern wie Siemens und Schreiner her, meldete sich beim RFID-Anwenderforum der TU München in Garching an, infomierte sich dort beim wissenschaftlichen Mitarbeiter Frank Hohenstein, fuhr zu Euro ID in Frankfurt und ließ sich ein RFID-Testpaket von Siemens schicken. Anschließend besorgte sich der Projektleiter leihweise Hardware von “namhaften” Herstellern: Kathrein, Sick und Motorola. Winkler beaufragte den Bachelorand An-dreas Maier an der TH Deggendorf, Testreihen mit den Systemen durchzuführen und nach geeigneten Transpondern in metallischen Umgebungen zu suchen. Er entschied sich schließlich für die Labels von Schreiner Logi Data, von inotec Barcode Security und von der tagltron GmbH, die in einem Pilotprojekt getestet werden.

Winkler will nun für den Piloten ein Gate einrichten, Labels besorgen und diese an den Linien platzieren. Jeder Mitarbeiter, der eine Komponente zusammenschraubt, klebt dann ein RFID-Label darauf. Dieser Pilot soll zeigen, ob die Informationen in der Senderfertigung wirklich gelesen werden.

Technische Probleme gebe es, aber die ließen sich auf Grund eindeutiger Regeln der Physik lösen, meint Winkler. “Ich glaube, die bekommen wir in den Griff. Wir müssen dann nur noch dafür sorgen – wenn der technische Test funktioniert hat –, dass wir die SAP-Anbindung realisieren”, sagt Winker. Für diese Arbeit ist im Team Thomas Ernst zuständig. Angeleitet werden die Mitarbeiter bei dem Piloten durch den Lean-Trainer und den Kostenstellenleiter. Sie nehmen die Transponder mit und zeigen ihren Mitarbeitern, wo sie diese aufkleben sollen. Anschließend werden die Komponenten verbaut. Sobald Winkler aus München das Okay hat, dass er die Transponder, die er dorthin geschickt hat, verwenden darf, will er die Transponder kaufen und aufkleben.

Ende April bis Mai will er mit der Pilotphase durch sein. Eingeführt werden soll die neue RFID-Technologie dann im zweiten Halbjahr. Bis Ende des Geschäftsjahres soll das Konzept für die SAP-Anbindung vorliegen. Nach dem technischen Test würde die Umsetzung in SAP beginnen. Wie lange das noch dauere, sei fraglich, sagt Winkler. Er rechnet mit zwei bis drei Monaten.

Gunnar Knüpffer