Wiechers Dr vdma

"Die Deutschen stehen in einem weniger starken preislichen Wettbewerb mit den Chinesen", sagte VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau reagiert gelassen auf die mehrfache Abwertung der chinesischen Währung Renmimbi. „Das schwächere Wirtschaftswachstum Chinas können wir schon geraume Zeit an unseren Maschinenexporten nach China sehen“, sagte der Chefvolkswirt des VDMA, Dr. Ralph Wiechers, gegenüber Produktion. Diese Maschinenexporte hätten in den ersten fünf Monaten des Jahres ihr Vorjahresniveau um knapp drei Prozent verfehlt.

„Die Abwertung des Renmimbi führt nun dazu, dass chinesische Maschinen auf den Weltmärkten tendenziell preiswerter werden“, erläuterte Dr. Wiechers. Allerdings stünden die deutschen Maschinenbauer mit den meisten ihrer Produkte in einem weniger starken preislichen Wettbewerb mit den Chinesen als andere Anbieter. „Wir bieten hauptsächlich Maschinen im High-Tech-Segment und im mittleren Segment an“, konkretisierte der VDMA-Chefvolkswirt.

Dr. Wiechers: "Deutsche Anbieter sollten auf den Feldern Automatisierung, Energieeffizienz oder Umweltschutz partizipieren können"

Wiechers macht sich sogar Hoffnungen, dass die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer von der Renmimbi-Abwertung profitieren könnten. „Wenn es China durch die Abwertung gelingt, seine Wirtschaft anzukurbeln, sollten die deutschen Anbieter daran insbesondere auf den Feldern Automatisierung, Energieeffizienz oder Umweltschutz partizipieren können“, meinte der Volkswirt.

China war im Jahr 2014 mit einem Anteil von 11,2 % der größte Auslandsmarkt des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus. Die Ausfuhren in das Land wuchsen um 3,8 %.

Umgekehrt hat sich China 2014 mit einer Steigerung um 14,1 % zum drittstärksten Lieferanten von Maschinenbau-Produkten auf dem deutschen Markt gemausert und damit Frankreich und die USA hinter sich gelassen. Frankreich (plus 1,1 %), die USA (plus 2,9 %) und Japan (plus 2,3 %) konnten nur sehr unterdurchschnittlich am deutschen Marktwachstum partizipieren.

Im Ranking der wichtigsten Absatzländer der deutschen Werkzeugmaschinenhersteller behauptet China sogar einen einsamen Spitzenplatz. Nach kräftigen Rückgängen 2013 stabilisierte sich der Absatz 2014 mit 1 % Plus. Ein Viertel der deutschen Werkzeugmaschinen-Exporte und somit ein Volumen von 2,3 Mrd Euro geht in das Reich der Mitte. Dieses Volumen ist zweieinhalb Mal größer als das des zweitgrößten Marktes USA (0,9 Mrd Euro).

Laut dem VDW-Marktbericht 2014 liegen die Prognosen für das Wirtschaftswachstum unter 7 % und auch die Investitionen wachsen nicht mehr zweistellig, sondern nur noch in mittlerer einstelliger Größenordnung. Im Boom aufgebaute Überkapazitäten begrenzen die Investitionsentwicklung. Das Land befindet sich im Übergang von einer quantitativen Wachstumsorientierung hin zu einer Stärkung des Konsums und zu höherer Qualität im wirtschaftlichen Wachstum. Die anhaltende Fortentwicklung der eigenen industriellen Basis ist erklärtes Ziel und es wird zunehmend höherwertige Fertigungstechnologie benötigt.

Gunnar Knüpffer