szmtag

20.12.2011 |

Günter-Spur-Preis: “Hier bin ich ja sowas von richtig!”

Katrin Schilling und die Betreuer ihrer Diplomarbeit, Prof. Dr. Hopfenmüller, Hochschule Regensburg (li) und Dr. Martin Winkler, Infineon. Bild: Hilde Wagner
Katrin Schilling und die Betreuer ihrer Diplomarbeit, Prof. Dr. Hopfenmüller, Hochschule Regensburg (li) und Dr. Martin Winkler, Infineon. Bild: Hilde Wagner

Die erste Preisträgerin des Günter-Spur-Preises kommt aus Regensburg. Dipl.-Ing. Katrin Schilling hat sich in ihrer Abschlussarbeit der Frage gewidmet, wie ein idealer Prozessablauf für die Materialbeschaffung bei der Infineon Technologies AG neu gestaltet werden kann.

von Susanne Bader

REGENSBURG. Eher aus Zufall, so Katrin Schilling, ist sie nach der Schule bei ihrer Suche nach einem geeigneten Studiengang auf die Mikrosystemtechnik an der Hochschule Regensburg gestoßen. „Der ist ein bisschen ein Geheimtipp für Frauen“, sagt die braunhaarige Ingenieurin. „Ich habe die Beschreibung gelesen und festgestellt, dass das Thema sehr abwechslungsreich ist. Es umfasst Chemie, Physik, Mathematik und breitgefächerte Themen. Diese Kombination habe ich bei keinem anderen Studiengang gesehen.“

Während des Studiums kam sie anlässlich einer Vorlesung mit Dr. Martin Winkler in Kontakt, der bei der Infineon Technologies AG, Regensburg, für das Qualitätsmanagement in einem Bereich der Gehäuseentwicklung und Gehäusefertigung zuständig ist, und zwar im so genannten Backend. In seiner Abteilung werden unter anderem Beschwerde-, Audit- und Lieferantenmanagement für mehrere Infineon-Standorte im In- und Ausland geregelt. Der Regensburger Standort spielt eine entscheidende Rolle bei Innovation und Entwicklung im Konzern. Ein wesentlicher Teil der Unternehmenspolitik ist die Null-Fehler-Strategie, das heißt nur wirklich fehlerfreie Produkte an den Kunden zu liefern.

Die Herausforderung, die der Diplomarbeit zugrunde lag, war klar: Ein einheitlicher, klar beschriebener Materialprozess für weltweit alle Backend-Fertigungen von Infineon sollte entstehen und die Fülle an Beschreibungen, wie mit Materiallieferanten vom Erstkontakt bis zur Serienproduktion umgegangen werden soll, zusammenfassen.

„Es ging uns um eine Vereinheitlichung. Vorher hat man sich den Materialprozess aus einzelnen Dokumenten zusammensuchen müssen“, so Dr. Winkler. Im Tagesgeschäft ist es oft schwierig, neue Prozesse einzuführen, da dies viel Zeit erfordert wie etwa für das Bilden von Projektteams, die Moderation und Protokollierung der Treffen und vor allem das Vorantreiben des Themas. Da kam die Diplomarbeit gerade recht.

Dr. Winkler schilderte Katrin Schilling die Aufgabe und anders als die meisten Ingenieursstudenten, die vom Qualitätsmanagement eher Abstand nehmen, war sie sofort Feuer und Flamme. Winkler: „Sie rief aus: ‚hier bin ich ja so was von richtig‘ – das hat mich sehr gefreut.“ Für ihre Diplomarbeit musste Schilling als Externe ganz von vorne anfangen und zunächst einen Überblick gewinnen, wer was macht, welche Vorgehensweisen es gibt und wo diese festgehalten sind.

Weil auch die anderen Standorte von Infineon von ihren Ergebnissen profitieren sollten, war es nötig, eine gemeinsame Grundlage zu schaffen. Diese fand Schilling im für alle Standorte gültigen Entwicklungshandbuch, das vor allem auf der ISO 9001 und der ISO TS 16949, Kapitel 7, basiert. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase übernahm die Diplomandin sehr schnell die Treiberrolle und organisierte die Teammeetings und Zwischenabstimmungen weitgehend selbständig.

Am Ende entstand ein Geschäftsprozess, der im Prinzip überall bei Infineon angewendet werden kann. Winkler nennt ein Beispiel: „Wir haben dual sourcing, also zwei Lieferanten für ein Material, als Standardprozess definiert. Single source, also nur ein Lieferant, muss nun vom Management freigegeben werden. Eine weitere Neuerung ist, Lieferanten so stark in die Pflicht zu nehmen und zu „coachen“, dass sie sich selbst nach einer abgesicherten Startphase perfekt prüfen können und wir als Kunde nicht einen Teil der Prüfarbeit bei einer Eingangsprüfung durchführen müssen.“ Inzwischen ist der Prozess definiert und in Regensburg eingeführt. Die globale Einführung und Vernetzung mit dem Entwicklungshandbuch laufen gerade an.

Schilling selber hat aus ihrer Diplomarbeit genau den Nutzen gezogen, den eine solche Arbeit bieten sollte: sie hat „von vornherein gemerkt, dass Qualitätsmanagement genau das ist, was ich weitermachen will.“ Folgerichtig arbeitet sie heute genau hier, und zwar im Qualitätsmanagement der Hochschule Regensburg, wo es ebenfalls darum geht, Qualitätsprozesse zu formulieren. In ein Technologieunternehmen zieht es sie vorerst nicht, denn, wie sie sagt: „Im Qualitätsmanagement kann ich Ergebnisse unmittelbar beeinflussen.“

Anzeige

Weitere Aktuelle News

Das macht die Produktioner-Elite 2014 besser als der Wettbewerb

Durch eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung heben sich die Sieger bei der Fabrik des Jahres/GEO von ihren internationalen Konkurrenten ab. mehr

Bestleistungen und ein enormes Tempo zeichnen Günter-Spur-Preisträgerin Claudia Ehinger aus. - Bild: Anna McMaster

Günter-Spur-Preis: Applaus für eine außergewöhnliche Frau!

Die junge Wissenschaftlerin Claudia Ehinger hat der Automobilindustrie etwas zu bieten – dafür erhält sie den Günter-Spur-Preis 2013. Bewerben für den Günter-Spur-Preis 2014 kann man sich hier noch bis Ende November. mehr

Anzeige

Der Fuß für eine Prothese muss vor allem der Belastung beim Laufen standhalten (Bild: Otto Bock).

Otto Bock, Werk Duderstadt: Materialkünstler im Herzen Deutschlands

Das Medizintechnik-Unternehmen Otto Bock verarbeitet ein großes Materialspektrum. Für die „einmalige Verknüpfung von Handwerkskunst und High-Tech“ erhält es den Zukunftspreis der Fabrik des Jahres. mehr

Thomas Ebenhöch:

Thomas Ebenhöch, Continental: “Als Chef nicht zu schnell vorne weglaufen”

Thomas Ebenhöch leitet den Continental-Standort Regensburg. Warum er jeden der rund 7 000 Mitarbeiter fordern und fördern will, sein volles Potenzial zu entfalten, erklärt er im Interview. mehr



Anzeige

Suchen