20.09.2011 |

Anlagensteuerung im Rhythmus

Eine getaktete Produktionsreihenfolge auf Basis eines „Rhythm Wheel“ soll die Anlage optimal auslasten und die Volatilität in der Nachfrage über alle Produktionsstufen hinweg abfedern.

Kathrin Irmer

Landsberg (gk). Leistungsfähige Planungs- und Steuerungsverfahren sind gefragt, um komplette Lieferketten und Produktionszyklen möglichst effizient zu strukturieren und steuern. Im Gegensatz zu Standard-Lean-Methoden sind diese eingebettet in moderne IT-Systeme, um jederzeit Transparenz zu haben und die Steuerung zu automatisieren.  Die Mengen für die Produktion werden dabei meist in einem Forecast aus den Verkaufszahlen errechnet, „on demand“ produziert und um einen Sicherheitsbestand ergänzt.
Eine effektive  Methodik, um diese Prozesse gerade für schnell durchlaufende Produkte auf Anlagen zu optimieren, soll das „Rhythm Wheel“-Konzept sein. „Ein wesentlicher Anstoß dafür ist, dass die Märkte immer volatiler werden und die Produktionsanlagen in effizienten und variablen Taktzeiten auf die Anforderungen des Marktes reagieren müssen“, sagt Christoph Lieth von Camelot Management Consultants. „Das Rhythm Wheel ist eingebettet in das Lean-Supply Chain-Management-Konzept. Innerhalb dieses Konzepts gibt das Rhythm Wheel die Taktung der Produktion vor.“ Es sieht ein bisschen wie ein Glücksrad aus und definiert, welche Produkte wann, in welcher Reihenfolge und vor allem in welcher Menge produziert werden. Hat sich das Produktionsrad einmal komplett gedreht, beginnt der Produktionszyklus wieder von vorn. Die Produktion wird über die Zusammensetzung des Rads, also über die Parameter Reihenfolge und Größe der einzelnen Kuchenstücke gesteuert, und Schwankungen werden ausgeglichen, indem sich diese Parameter angleichen.
„Mit dem Rhythm Wheel können Produktions-Zyklen, -Reihenfolgen und Mengen vorab festgelegt und so die Rüstzeiten optimiert werden“, sagt Lieth. Das beruhige den Produktionsprozess und führe zu Lerneffekten bei der Belegschaft. „Die Bedarfe werden dabei über einen ,Supermarktbestand‘, also Zielbestand gesteuert. Erst wenn dieser unterschritten wird, wird die Produktion angestoßen.“ Damit sollen Anlagen differenziert ausgelastet werden und die benötigten Losgrößen in optimaler Menge und Zeit hergestellt werden. Die einzelnen Produkte sind auf dem Rad wie Kuchenstückchen angebracht. Wird eines der Produkte im Kreislauf nicht gebraucht, wird es übersprungen und erst wieder beim zweiten Umlauf produziert. Eine Besonderheit des Konzeptes liegt in der Berechnung der Auftragsmengen. Im Kurzfristbereich fließen nur noch Planaufträge in Höhe des tatsächlichen Verbrauchs in die Produktion ein und eingehende Bestellungen werden zunächst aus dem nächstgelegenen Lager bedient. Liegt ausreichend Material auf Lager, wird das Produkt im Rhythm Wheel übersprungen und erst beim nächsten Umlauf hergestellt. Im Mittel- bis Langfristbereich werden die Planaufträge auf Basis der geplanten Zugänge und Absatzprognosen berechnet. So ist die fristgerechte Beschaffung der Rohstoffe in ausreichender Höhe gewährleistet.


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