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07.05.2011 |

Lean Production mit SAP: zwei Welten vereint

Christian Kosmak, Salt Solutions: "Anwender profitieren von Transparenz, Geschwindigkeit und Rückverfolgung."
Christian Kosmak, Salt Solutions: "Anwender profitieren von Transparenz, Geschwindigkeit und Rückverfolgung."

SAP und Lean-Production: Bislang war der Einsatz des ERP-Systems in schlanken Strukturen ein heikles Unterfangen. Über neue Ansätze sprach Produktion mit Christian Kosmak von Salt Solutions.

von Claus Wilk

SAP-ERP und Lean Production – wie geht das zusammen?
Es wurden schon häufig Lean-Ansätze ohne EDV umgesetzt. Letztendlich müssen aber die Warenbewegungen und Kosten in ein EDV-System gebucht werden. Das macht niemand mehr manuell. Diese Buchungen werden in einem ERP-System gemacht. Deshalb liegt es sehr nah, im Sinne von Lean die Buchungen im Pro-zess verschwendungsfrei zu integrieren. Auch die Berechungen für Dimensionierungen, meist von einem Lean-Berater gemacht, konnte man früher noch von Hand machen. Die Fertigung ist heute aber viel variantenreicher und niemand mehr würde eine Berechnung ohne sein ‚spezielles Excel‘ machen. Was liegt hier näher, als diese Tools direkt auf die ERP-Plattform zu heben?


Wie profitiert der Anwender, wenn er seine Lean-Bemühungen in der IT abbildet?

Transparenz, Geschwindigkeit, Rückverfolgung – die Argumente sind vielfältig. Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Der Kunde verlangt immer mehr Varianten und die Schwankungen werden immer größer und schneller. Diese hohen Ausschläge in der Geschwindigkeit bringen eine rein manuelle Steuerung aus dem Tritt. Dimensionierungen von Linien oder Kanban-Regelkreise müssen in einem immer höheren Zyklus durchgeführt werden. Dies noch manuell zu machen, wird bald nicht mehr möglich sein.

Sie setzen mit Ihren Lösungen auf SAP auf. Wie tricksen Sie die Planungsalgorithmen der Produktionsplanung aus?
Gar nicht. Es ist im Standard vorgesehen, dass in einem nahen zeitlichen Horizont ein anderes System die Planung übernehmen kann. SAP macht dies beispielsweise, wenn ein APO (Advanced Planning and Optimization) anstatt des MRP-Laufs (MRP = Material Resource Planning) die Planung übernimmt, schon seit zehn Jahren. Daher können unsere Algorithmen für die Nivellierung konform zum Standard laufen.

Wird es Ihre Lösung auch für andere, in der Industrie benutzte ERP-Systeme geben?
Ja. Das Konzept für die durchgängige Lösung stammt von einer Beraterlösung, die schon seit einigen Jahren als Excel-Tool auf dem Markt aufgebaut wurde. Dieses Tool wird gerade auf der .NET-Plattform aufgesetzt. Die Software kommt von der UWS Business Solutions GmbH und wird Leanion heißen. Uns selbst ist es wichtig, dass es die Umsetzung des Konzepts auch außerhalb der SAP-Plattform existiert. Es gibt auch SAP-Kunden, bei denen nicht alle Werke vollständig mit SAP ausgestattet sind. Dann kann der Kunde die .NET-Variante für diese Werke wählen und hat dort aber das gleiche Konzept in der IT-Umsetzung. Gleiches gilt für Lean-Beratungshäuser. Diese haben dann für die IT-Umsetzung bei den verschiedenen Kunden das gleiche Konzept.

In welche Richtung entwickeln Sie das Produkt weiter?
Ziel ist es, das Salt Add-On Lean Production als vollständiges ‚Pull-PPS‘ für SAP auszubauen. Konkret wird im zweiten Halbjahr 2011 der Einkauf stärker berücksichtigt. Es wird aber weiterhin nur auf einer vorhandenen SAP-ECC-Installation lauffähig sein. Unser Markt ist und bleibt der SAP-Anwender.
Christian Kosmak, Jahrgang 1971, ist Fachinformatiker und bei Salt Solutions im Geschäftsfeld Produktion aktiv. Hier verantwortet er als Produktmanager die Entwicklung von SAP-Add-Ons für Lean Manufacturing, Finite Feinplanung und Leitstand.

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