Dr.-Ing. Olaf Sauer, Fraunhofer IOSB

Veranstalter des "karlsruher leittechnisches kolloquium", Dr.-Ing. Olaf Sauer, Fraunhofer IOSB: „Fabrik 4.0 wird nicht fliegen, wenn keine gemeinsame Sprache gefunden wird.“ (Bilder: S. Spinnarke)

Sabine Spinnarke

KARLSRUHE. Wie stark IT den Maschinenbau und Produktion verändert, sollten die Teilnehmer des leittechnischen Kolloquiums in Karlsruhe erfahren. Hochkarätige Experten aus Unternehmen und Forschung beschrieben in praktischen Beispielen und faszinierenden Visionen den Wandel hin zu einer Welt, in der vernetzte, eingebettete Systeme und Software eine immer dominantere Rolle spielen. Dabei ging es um Leittechnik, Produktionsplanung und Automatisierungsarchitekturen – spannende Themen, nah am Alltag von Produktionsverantwortlichen angesiedelt. Trotzdem war es nur ein verhältnismäßig kleiner Kreis IT-Verantwortlicher, die sich in Karlsruhe einfanden. Dass diese Veranstaltung auf kein breiter gestreutes Interesse stieß, hat wenig mit ihrer Qualität zu tun, als vielmehr mit dem Grundkonflikt zwischen den sogenannten Blau- und Weißkitteln und dem langsamen Tempo, in dem IT-Errungenschaften in die Welt der Produktion übernommen werden. Darauf deuten zumindest die Äußerungen einzelner Teilnehmer der Veranstaltung, etwa: „Der Shopfloor ist eine völlig andere Welt“, „die Kollegen dort sind schnell überfordert“, „wir könnten das umsetzen, wenn die Anwender es nur wollen würden.“
Gleichgesinnte diskutieren über die Zukunft der Fabrik


Dr.-Ing Olaf Sauer, dem Verantwortlichen seitens des Fraunhofer IOSB, gelang es, ein interressantes Programm auf die Beine zu stellen: Sowohl charismatische Visionäre wie Professor Manfred Broy, erfahrene Praktiker großer Konzerne wie Infineon, Continental, Siemens, als auch Anbieter hilfreicher Produkte und Tools (Wibu Systems, pol Solutions) kamen zu Wort. Damit schaffte er den Spagat, Nützliches mit Anregendem zu verbinden, und bot dabei auch noch die Gelegenheit, mit Gleichgesinnten Problemstellungen aus den eigenen Unternehmen zu diskutieren.
Industrie 4.0 stützt den Produktionsstandort Deutschland
Reichlich Visionen lieferte Manfred Broy, Vater der vielzitierten Acatech-Studie, selber allerdings nicht glücklich über den Begriff Industrie 4.0 – „Eine ‚Revolution‘ findet im privaten Umfeld statt, in der Industrie läuft alles viel langsamer. Dort findet ein evolutionärer Prozess statt.“ Broy schilderte, wie derzeit „zwei riesige Innovationsfelder zusammenwachsen, nämlich ‚embedded‘ Intelligenz und globale Netze.“
Um den harten Geschäftsalltag und die Bewältigung immenser Datenfluten ging es in den Vorträgen von Jürgen Dendorfer (Continental), Björn Grimm (Daimler), Roman Studenic (John Deere). Sie schilderten die Spezifikation von MES-Applikationen, den Einsatz von AutomationML und die Integration der Automatisierungsebene in die Konzern-SAP-Landschaft.

Björn Grimm, Daimler, nutzt AutomationML um Engineering-Daten von einem Werkzeug ins nächste zu überführen: überführen “Die größte Hürde ist der Datentopf. Erste Erfahrungen mit AutomationML haben uns gezeigt dass der Datenaustausch funktioniert.“