Die Inspektion von Druckwalzen ist ein typisches Beispiel für eine Bildverarbeitungsanwendung (Bild: Stemmer).

von Sabine Spinnarke

LANDSBERG (ks). Die bislang noch gängigen 500 Bilder pro Sekunde werden in Kürze überboten: Mikrotrons neue Highspeed-Kamera nimmt 1000 Bilder pro Sekunde auf, freut sich Mikrotron-Geschäftsführer Jürgen Zimmermann: „Die neue kompakte EoSens 4CXP wird dem Anwender in Auflösung, Bildfrequenz und Datenübertragungsrate neue Dimensionen in den Anwendungsmöglichkeiten erschließen.“ Die Kamera hat eine Auflösung von 4 MP, Full HD-Bildfrequenz und erreicht mit CoaXPress eine Datenübertragungsrate von 2,4 GB/s. Die derzeit leistungsstärkste Kamera im Produktportfolio der Firma Basler ist eine Zeilenkamera: „Mit der Basler sprint bieten wir derzeit die schnellste Zeilenkamera in ihrer Klasse an; sie liefert 140 kHz (140 000 Belichtungen pro Sekunde) bei 4k Auflösung“, berichtet Eva Tischendorf, Senior Communications Specialist.

Weitere Geschwindigkeitsrekorde in der industriellen Bildverarbeitung erreichen die Hersteller durch ‚Parallelisierung‘: hierzu wird über mehr oder weniger Übertragungsleitungen die Verbindung an unterschiedliche Anforderungen bei der Datenrate angepasst. „Die Sensorfläche des Chips wird elektronisch in mehrere (z.B. 4 oder 16) Felder unterteilt, die jeweils parallel ausgelesen und übertragen werden können“, erklärt Klaus Spinnler vom Fraunhofer Institute Integrated Circuits. Die beiden Übertragungsstandards CoaXPress und CameraLink arbeiten nach diesem Prinzip. Den älteren Standard CameraLink gibt es in einer Low, Medium und einer Full-Ausprägung. Durch Parallelisierung erreicht Cameralink-full 10 tap mode maximal Datenraten von knapp 1 GByte/s. Bei der Wahl des Übertragungsstandards scheiden sich die Geister – einen klaren Favoriten gibt es nicht.

Die beiden schnellsten Kameras aus dem Portfolio von Baumer Optronic beispielsweise verwenden die CameraLink-Full-Schnittstelle. „Neben CameraLink stellt Baumer auch Dual GigE als Schnittstelle bereit. Damit kann man bei einer Auflösung von 1 Megapixel bis zu 230 Bilder/s erzielen. Ein spezieller Framegrabber ist nicht mehr erforderlich, so dass die Systemkosten weiter reduziert werden können“, erläutert Produktmanager Mirko Benz. Basler wartet erst einmal ab, bis die neuen Standards etwas ausgereifter sind: „Basler setzt derzeit auf die gängigen Kamera-Schnittstellen Gigabit Ethernet, IEEE 1394 und Camera Link sowie mittelfristig auch USB 3.0. Sobald der USB3-Vision-Standard fertig ist, wird Basler Kameras mit USB-3.0-Schnittstelle anbieten. Die USB-Technologie ist interessant für uns, weil wir damit klassische industrielle Anwendungen, aber auch Applikationen außerhalb der Fabrik adressieren können“, berichtet Tischendorf.



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Ein für den Anwender angenehmer Nebeneffekt der rasanten technologischen Entwicklung ist der Preisverfall: „Der Preis für digitale Hochleistungskameras ist in den letzten Jahren dank technischer Innovationen kontinuierlich gesunken“, sagt Tischendorf. Basler entwickelt immer wieder leistungsstarke Kameras zu sehr günstigen Preisen. Als Beispiel hierfür nennt Tischendorf die acA2000-340 (2 MP, 340 Bilder pro Sekunde) aus der ace-Serie, die bereits bei 1090 Euro startet und „damit für diese Leistungsklasse sehr günstig ist, ohne Abstriche bei Bildqualität oder Funktionen zu machen.“ Highend-Systeme, ehemals für spezielle Nischen entwickelt, drängen in immer neue Anwendungsgebiete vor, so auch die Highspeed-Kamera HXC40 von Baumer: „Inzwischen sind Kameras wie unsere HXC40 verfügbar, die hohe Sensitivität, Auflösung und Geschwindigkeit in einem Produkt vereinen und zudem noch ein sehr attraktives Preisniveau aufweisen“, sagt Benz.

Jürgen Zimmermann, Mikrotron-Geschäftsführer: "Die EoSens 4CXP wird dem Anwender in Auflösung, Bildfrequenz – Full HD mit 1 000 fps – neue Dimensionen in den Anwendungsmöglichkeiten erschließen." (Bild: Mikrotron).

Die technologischen Möglichkeiten erschließen viele neue wirtschaftlich interessante Anwendungen, auch für Mikrotron: „Heute ist die Zahl von Anwendungsfeldern, die früher kaum denkbar waren, rasant gestiegen. Beispielsweise Funktionsanalysen sehr schneller Abläufe, extrem schnelles präzises Pick & Place oder blitzschnelles Lesen von mehreren Codes und Klarschrift gleichzeitig“, berichtet Zimmermann. Entlang der kompletten Fertigungs- und Lieferkette könne der RoI (return on investment) von HS-Vision und HS-Video schon in kurzer Zeit gewährleistet sein. Laut Zimmermann würde die Anlagenauslastung dadurch optimiert und das Qualitätsimage des Kunden gestärkt werden.

aus Produktion Nr. 7, 2012