Seit 20 Jahren beobachtet Thomas Quest Entwicklungstrends in der Antriebs- und Steuerungstechnik.

Seit 20 Jahren beobachtet Thomas Quest Entwicklungstrends in der Antriebs- und Steuerungstechnik. Welche Technologien der deutsche Maschinenbau bevorzugt, erläutert er Produktion.

Produktion befragt Marktexperten Thomas Quest zu den aktuellen Entwicklungstrends in der Steuerungstechnik.

Sabine Spinnarke

Herr Quest, was ist der derzeit augenfälligste Trend?

Seit 1990 analysieren wir den Automatisierungsmarkt, und seit Beginn dieses Jahrtausends beobachten wir deutlich, die Entwicklung hin zu einem immer höheren Integrationsgrad.  

Welchen Einfluss hat dies auf die Marktlage?

Die Marktlage in den neunziger Jahren begünstigte kleine und mittelständische Lieferanten. Nach dem Wechsel von der Elektromechanik zur Mikroelektronik rückte als Haupttrend der Automatisierung ein immer höherer Integrationsgrad in den Vordergrund. Das reduziert die Chancen für kleine Unternehmen auf den Verkauf integrierter Teillösungen.

Gibt es Unternehmen, die von dieser Entwicklung profitieren?

Und Anbieter von hochkomplexen integrierten Gesamtsysteme gibt es nur einige wenige wie z.B. ABB, Beckhoff, Bosch, B&R, Mitsubishi, Rockwell, Schneider Electric, Siemens, andere Anbieter streben danach.  

Wechselt der Maschinenbauer häufig zwischen den einzelnen Anbietern?

Die Loyalität zu seinem Lieferanten ist beim Maschinenbauer aktuell stark ausgeprägt. Das liegt nahe, denn eine Veränderung innerhalb des Systems zieht immer Kompatibilitätsprobleme nach sich.

Welche Lösung bevorzugt der Maschinenbauer?

Vorausgesetzt, ein Technologiewechsel wird angestrebt, entscheidet sich der Maschinenbauer zumeist für eine integrierte Lösung. Das hat unsere Umfrage ganz klar gezeigt: In der Steuerungstechnik sind das Plattformen, die Motion und Steuerung auf einer Hardwaregrundlage kombinieren, Bediengeräte mit integrierter Steuerung – bei kleinen und mittleren Maschinen -, oder PC-Lösungen.  

Und eine Lösung die alle Bestandteile integriert …?

Die Auseinandersetzung im Markt und beim Anwender dreht sich um den optimalen Grad der Integration, um den größtmöglichen Nutzen für die Maschine; diesen exakt festzustellen ist schwierig.

Mit welchen Problemen kämpft der Maschinenbau?

Wenn Halbleiter-Bauelemente abgekündigt werden, muss mit großem Aufwand die Software angepasst werden – darüber stöhnen viele Maschinenbauer. Ein weiteres Problem ist die Ersatzteilbeschaffung: eine erwünschte Ersatzteilsicherheit von 15 Jahren ist bei der heutigen technologischen Fortschritt in der Mikroelektronik kaum zu realisieren. Insgesamt bleiben eine ganze Reihe Fragezeichen aus Anwendersicht.

Studie

Mit 24 % beabsichtigt fast jeder vierte deutsche Maschinenbauer die Steuerungstechnik seiner Maschinen in diesem Jahr zu verändern. Bei einem Technologiewechsel dominieren derzeit integrierte Technologien. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Wechsel-Umfrage von Quest TechnoMarketing. Das Marktforschungsinstitut befragte dazu rund 650 Maschinenbauer mit 100 und mehr Beschäftigten in den 10 automatisierungsrelevanten Branchen. 38% der Befragten gaben Auskunft über ihre Planungen. Die Ergebnisse hat Quest TechnoMarketing zu Trends verdichtet. Absicht dieser Studie ist es, Automatisierungshersteller darin zu unterstützen, sich auf den technologischen Wandel im Maschinenbau rechtzeitig und gezielt einzustellen.