Die Suche nach effizientem Umgang mit Ressourcen wird die Industrie eher beflügeln als behindern,

Die Suche nach effizientem Umgang mit Ressourcen wird die Industrie eher beflügeln als behindern, so eine aktuelle Studie (Bild: Blackosaka - Fotolia.com).

MÜNCHEN/ZÜRICH (ks). Das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt laut einer Langfristprognose des Beratungsunternehmens Bain & Company bis zum Jahr 2020 um 40% auf 90 Billionen US-Dollar. Die Studie benennt acht entscheidende Treiber des weltweiten Wohlstandsgewinns. So lösen knappe Ressourcen sowie deren effizientere Nutzung und Verarbeitung einen Innovationswettlauf in der Industrie aus. Und Investitionsgüterhersteller profitieren vom unumgänglichen Ausbau der Straßen-, Schienen- und Energienetze in Industrie- und Schwellenländern. Gerade die innovationsstarken deutschen und Schweizer Industrieunternehmen können bis 2020 zu den großen Gewinnern am Weltmarkt zählen.

Ungeachtet kurzfristiger Krisen und volatiler Märkte bleibt die Weltwirtschaft einer neuen Langfristprognose von Bain & Company zufolge bis 2020 auf Wachstumskurs. Acht strukturelle Trends führen dazu, dass das globale BIP um 40% oder 27 Billionen US-Dollar auf 90 Billionen US-Dollar steigen wird. Davon profitiert auch der Industriesektor, für den vor allem zwei Trends im Mittelpunkt stehen: erstens der effizientere Einsatz von Rohstoffen, die dafür notwendigen Maschinen und Werkzeuge sowie alternative Verarbeitungsverfahren (plus drei Billionen US-Dollar BIP-Wachstum bis 2020), und zweitens der notwendige Ausbau der Infrastruktur (plus eine Billion US-Dollar).

Auf den ersten Blick hat der globale Wohlstandsgewinn für Unternehmen und Konsumenten einen Nebeneffekt: Der Rohstoffverbrauch steigt und in der Folge auch die Preise. Laut Bain-Studie explodieren aber weder die Energie- noch die Lebensmittelpreise, sie steigen bis zum Jahr 2020 relativ moderat um insgesamt 18 und 13 %. Denn der Ausbau der Erdgasförderung durch neue Verfahren wie Fracking und die steigende Kohleförderung vor allem in China decken einen guten Teil der zusätzlichen Energienachfrage. Wesentlich kritischer ist die Situation bei Metallen und seltenen Erden. Da die Erschließung neuer Bergwerke sieben bis 15 Jahre dauert, erwartet Bain hier einen Preisanstieg um bis zu 200% bis zum Jahr 2020.

Dass die Rohstoffpreise nicht noch schneller steigen, liegt der Studie zufolge vor allem an einer Entwicklung: Die Verarbeitung von Rohöl, Metallen und anderen Rohstoffen, aber auch der Umgang mit Wasser, wird in den kommenden Jahren immer effizienter. „Wir erleben zurzeit eine Verschiebung der Profitabilität in der Wertschöpfungskette hin zu Rohstoffen“, sagt Dr. Armin Schmiedeberg, Partner bei Bain & Company und Leiter der europäischen Praxisgruppe Industriegüter und -dienstleistungen. „In allen Branchen und auf allen Kontinenten setzen Unternehmen auf effizientere Prozesse, die Wiederverwertung von Rohstoffen sowie deren Ersatz durch leichter verfügbare Materialien.“ Deutsche und Schweizer Unternehmen setzen schon heute Standards bei vielen Technologien auf dem Weltmarkt, zum Beispiel bei Recyclingtechnologien, dem Leichtbau von Motoren und Antriebsaggregaten, bei der Verwendung neuer Werkstoffe in der Automobil- und Flugzeugindustrie, der Automatisierung großer Förderanlagen durch Mess- und Regeltechnik sowie der energieeffizienten Gebäudetechnik.

Hohe Investitionen für den Transport knapper Ressourcen

Knappe Ressourcen wie Rohöl und Wasser spielen in der Bain-Studie auch bei dem zweiten strukturellen Wachstumstrend eine entscheidende Rolle: dem globalen Ausbau der Infrastruktur. Denn drei Viertel der weltweiten Infrastrukturinvestitionen entfallen auf die Energie- und Wasserversorgung. Bain geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 Investitionen in Höhe von einer Billion US-Dollar zusätzlich nötig sein werden, um die zum Teil jahrzehntealte Infrastruktur in den Industriestaaten grundlegend zu modernisieren und in den Schwellen- und Entwicklungsländern mit hohem Tempo aufzubauen. Der Investitionsstau in den Industrieländern ist enorm: Die Kanalisation stammt häufig noch aus der Zeit der Urbanisierung und Industrialisierung. Die Dauerstaus auf den Straßen und Verspätungen bei Zügen und Flügen decken schonungslos die Engpässe in der Verkehrsinfrastruktur auf.

Bain-Industrieexperte Schmiedeberg sieht beim Thema Infrastruktur, ähnlich wie beim Ressourceneinsatz, enorme Chancen für deutsche und Schweizer Unternehmen: „Bei der Energieerzeugung und -verteilung, im Anlagenbau und bei Verkehrssystemen, in vielen Märkten haben Investitionsgüterhersteller aus dem deutschsprachigen Raum die Nase vorn.“ Unternehmen in den Industriestaaten müssen sich allerdings auf ein verändertes Marktumfeld einrichten. „Die öffentlichen Kassen sind leer und der Druck, die Staatsschulden zu reduzieren, groß“, so Schmiedeberg. „Die Industrieländer werden daher immer stärker auf die private Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen setzen.“ Wenn sie es richtig angehen, können Unternehmen auf dieser Basis in vergleichsweise risikoarmen Märkten attraktive Zusatzrenditen erwirtschaften. „Deshalb werden wir in den nächsten Jahren hierzulande auch einen deutlichen Kompetenzaufbau im Projektfinanzierungsgeschäft und im Risikomanagement erleben“, so Schmiedeberg.