Für das Erste ist die Gefahr abgewendet: Solon scheint gerettet; die Betriebsstätten in Berlin, Tuscon und Carminignano di Brenta bleiben erhalten (Bild: Solon).

Für das Erste ist die Gefahr abgewendet: Solon scheint gerettet; die Betriebsstätten in Berlin, Tuscon und Carminignano di Brenta bleiben erhalten (Bild: Solon).

von Tino Böhler

DRESDEN/BERLIN (ilk/ks). „Dass es gelang, in so kurzer Zeit einen Käufer für Solon zu finden, ist ein großer Erfolg“, betont Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg. Es habe insgesamt eine handvoll Interessenten gegeben, so Wienberg gegenüber Produktion, warum aber Microsol den Zuschlag bekommen hat, verriet er nicht. Dass es am Kaufpreis liegen könnte kann nur vermutet werden. Mit der neu gegründeten Solon Energy GmbH soll nach Unternehmensangaben ein integrierter Solar-Systemanbieter entstehen, der auf führenden Photovoltaikmärkten vertreten sein und dadurch gute Perspektiven im internationalen Wettbewerb haben soll. Rund 600 weltweite Arbeitsplätze seien aus der insolventen Solon SE (inkl. Tochtergesellschaften) auf die neue Solon Energy GmbH und ihre Schwestergesellschaften übergegangen. Die Standorte in Berlin-Adlershof (Deutschland), Tucson (USA) und Carmignano di Brenta (Italien) bleiben erhalten.

An der Grundmisere in der Branche hat sich vermutlich nichts geändert. Wie die Solarworlds, Conergys und Q-Cells, hätten sich die Vorstände und Geschäftsführer zu lange auf dem EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ausgeruht, das ihnen immer neue Kunden hierzulande garantiert hätte, werfen Kritiker den Machern der Branche vor. Doch es gibt auch Unternehmen, die sich nicht auf dem EEG ausgeruht haben, wie der geschäftsführende Gesellschafter der Kirchner Solar Group, Lars Kirchner, betont: „Die Kirchner Solar Group hat stets in Produkt- und Service-Innovationen und die konsequente Weiterentwicklung des Unternehmens, unserer Technologien und Mitarbeiter investiert, so das wir gerüstet sind, auch mit veränderten Marktbedingungen umzugehen.“ Letztlich gehe es für die Solarindustrie darum, sich durch stetige Fortentwicklung immer weiter zu etablieren und von staatlichen Anreizsystemen und externer Unterstützung unabhängig zu werden. Auf diesen Weg habe man sich eingestellt und verfolge ihn auch konsequent durch stete Diversifizierung des Portfolios speziell im Bereich der individuellen und technisch optimierten Service-Leistungen für Besitzer von Photovoltaikanlagen, so Kirchner weiter.

Solon ging einen anderen Weg, der schließlich in den Aufkauf durch Microsol mündete. Laut Solon-Angaben produziert Microsol selbst mit rund 325 Mitarbeitern in Fujairah (VAE) kostengünstig hocheffiziente Solarzellen. Damit habe das Unternehmen gute Perspektiven für weiteres Wachstum in seinen Kernmärkten der arabischen und asiatischen Länder, mit besonderem Schwerpunkt auf Indien. Die Übernahme von Solon solle die Erweiterung der Angebotspalette um spezialisierte Produktinnovationen und Zugänge zum europäischen und nordamerikanischen Markt ermöglichen. Zudem würden die Stärken von Solon im Kraftwerksgeschäft und in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Marketing und Vertrieb von Microsol als besonders werthaltig betrachtet. Die Produktion der solaren Systeme werde auch künftig in Deutschland stattfinden. Ein wesentlicher Wachstumsmarkt für die neue Solon-Gruppe sei Indien, Stammland von Microsol. Eine sicherlich kluge Entscheidung und zudem aufschlussreich: Aufschlussreich deshalb, weil Solon bis dato nur Deutschland und Italien als Zielmärkte im Visier hatte, und eben nicht die starken Wachstumsmärkte Indien und China – mit ein Grund für die Schieflage des Unternehmens. So sagten die Autoren der Roland Berger-Studie „Licht und Schatten – Deutsche PV Unternehmen im globalen Wettbewerb“ 2010 ganz klar voraus, dass deutsche PV-Unternehmen durch Konkurrenz aus Asien, durch Umsatzrückgänge in den Heimatmärkten und durch mangelnde Präsenz in den Wachstumsmärkten bedroht werden. Oft mangele es den Unternehmen aber auch an Finanzkraft, Größe und Kooperationen – trotz internationaler Präsenz. Diplom Ingenieur Frank Bölstler, Principal IT Consultant des auf die Solarindustrie spezialisierten IT Systemhauses acp-IT, Dresden, erkennt ebenfalls Stärken und Schwächen in der Branche: „Die Ausrüstung ist gut und die Werkzeugkiste hervorragend gefüllt. Auch das technische und technologische Wissen ist exzellent vorhanden.

Halbleiterindustrie als Vorbild

Doch erst die Etablierung von Netzwerken und der Wissenstransfer zwischen den Marktteilnehmern würde uns die notwendige Beschleunigung geben, vor den Anderen zu bleiben. Die Halbleiterindustrie hat es mit dem Branchenverband SEMI vorgemacht, wie man sich in Themen wie Produktivität und Effizienz austauschen und Standards definieren kann, ohne dabei das Kern-Know-how über das Produkt preiszugeben.“ Solon-Käufer Microsol scheint genau über alle diese Stärken zu verfügen, so Satyasai Kiran Turlapati (Jahrgang 1983), Vorstandsvorsitzender von Microsol und Mitglied der Geschäftsführung der Solon Energy GmbH, zum Zielmarkt Indien: „Aufgrund der günstigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegen hier große Potenziale für das Kraftwerksgeschäft. Mit dem Marktzugang von Microsol und der Modul- und Kraftwerks-Expertise von Solon haben wir in Indien gute Perspektiven.“ Solon-Energy-Geschäftsführer und Ex-CEO Solon SE, Stefan Säuberlich, zeigt sich erfreut über den neuen strategischen Investor. „Wir kennen Microsol seit vielen Jahren als verlässlichen Partner. Das Unternehmen war schon seit Langem unser Wunschkandidat als Investor“, sagt Säuberlich. „Microsol hat das Potenzial von Solon realistisch eingeschätzt, zum Beispiel die Innovationskraft unserer Mitarbeiter und unsere Kraftwerkskompetenz. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine Erfolgsgeschichte in der Solarindustrie schreiben werden.“

Fazit: Die Schließungen, Insolvenzen und Übernahmen in der Solarbranche werden weitergehen, wenn sich die von der Förderung (Stichwort ‚EEG’) bislang verwöhnten Unternehmen nicht ganz schnell auf die neue Situation einstellen. Dazu sollte in den Chefetagen schleunigst die Überzeugung reifen, dass es keinen deutschen oder europäischen Solarmarkt quasi als Biotop gibt – Innovationen, Produkte und Vertrieb in allen Branchen sind heutzutage eben international und global – und damit auch der Wettbewerb.

aus Produktion Nr. 12, 2012