"Zuverlässigkeit und Genauigkeit unserer optischen Messsysteme sind bei unseren Kunden voll akzeptiert", sagt Hans Weigert, Leiter Vertrieb und Marketing bei der Steinbichler Optotechnik GmbH in Neubeuern.

von Sebastian Moser

Herr Weigert, in welchen Branchen und für welche Anwendungen sehen Sie die größten Potenziale für Ihr System?
Die optische Messtechnik hat ein sehr breites Anwendungsgebiet und kann in fast allen Bereichen eingesetzt werden, in denen heute noch konventionelle Systeme vorherrschen. Besonders Hightech-Anwender investieren schon seit langer Zeit in optische Messtechnik, um komplexe Oberflächen hochgenau einzuscannen. Die Ergebnisse können wegen der hohen Genauigkeit sowohl für die Flächenrückführung wie auch für die Qualitätskontrolle verwendet werden. Derzeit finden sich die meisten Kunden im Bereich Automotive, Aerospace und Maschinenbau, aber auch viele Hersteller von Konsumerprodukten investieren in optische Messtechnik.

Stehen Sie mit der Vermarktung noch am Anfang?
Gute Frage – ja und nein. Nein, weil es optische Messsysteme der Firma Steinbichler schon seit 1993 (Comet) auf dem Markt gibt. Ja, weil wir uns durchaus vorstellen können, dass die optische Messtechnik wegen ihrer vielen Vorteile die konventionelle Messtechnik in den nächsten Jahren massiv ablösen wird. Allerdings sind einige Umstellungen in den Prozessen bei Kunden nötig, die nicht ganz ohne Aufwand zu erschlagen sind. Man kann das durchaus mit der Umstellung von 2D-CAD-Systemen auf 3D-Systeme in der Konstruktion vergleichen. Heute würde keiner die Vorteile der 3D-CAD-Systeme missen wollen, vor 20 Jahren war das noch ganz anders.

Mit welchen Messmitteln erledigen Anwender derzeit Messaufgaben, für die eigentlich Ihr System besser geeignet wäre?
Anwender benutzen derzeit die gesamte Palette von Messmitteln, um ihre Messaufgaben zu erledigen. Optische Messsysteme haben sich aber schon in vielen Bereichen etabliert. Immer dann, wenn die Bauteiloberflächen berührungslos, schnell, hochgenau und mit sehr vielen Messpunkten auf der Oberfläche gemessen werden sollen, sind optische Messsysteme stark im Vorteil. Berührungslos eignet sich besonders für fragile, dünnwandige Teile oder Teile aus Schäumen. Schnell – ein bis zwei Sekunden Aufnahmezeit – ist besonders positiv, wenn viele Merkmale „mit einem Schuss“ gemessen werden können. Hochgenau – ab 5 – spielt natürlich in der Qualitätssicherung eine wichtige Rolle – und gerade hier sind auch deutliche Vorteile gegenüber Arm/Scanner-Systemen zu sehen. Und die vielen Messpunkte erlauben eine lückenlose Analyse des Bauteils, während man bei konventionellen, besonders taktilen, Koordinatenmessgeräten nie so genau weiß, was zwischen den einzelnen Messpunkten so genau passiert.

Ist Ihr System hinsichtlich Zuverlässigkeit und Genauigkeit voll ausgereift?
Wie gesagt, das erste Comet-System wurde 1993 vorgestellt, da blieb einiges an Zeit bis heute, um die Systeme zuverlässig und sicher zu machen. Die heutigen Steinbichler-Systeme sind ex-trem stabil und können sogar im Einsatz auf Robotern mit mehreren G beschleunigt sowie abgebremst werden. Die Grundgenauigkeit ist sehr hoch und wird auch wegen des stabilen Aufbaus und der hochwertigen Komponenten über Jahre beibehalten. Einzig die verwendeten Lampen für die Streifenlichtproduktion halten nicht ewig, daher haben wir auch jetzt in unserem neuen L3D-Comet-System langlebige LED-Technik eingeführt.

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Sind die potenziellen Kunden insbesondere in Deutschland offen für Ihr System oder eher skeptisch, was Genauigkeit und Zuverlässigkeit angeht?
Zuverlässigkeit und Genauigkeit der optischen Systeme von Steinbichler sind bei unseren Kunden voll akzeptiert. Die Prozess-umstellungen, die mit der Einführung optischer Systeme von Zeit zu Zeit auftreten, führen dank unserer erfahrenen Consulting- und Schulungsmitarbeiter auch zu wenig schlaflosen Nächten. Wir sind vielmehr überrascht über den Innovationswillen vieler Firmen auf optische Messtechnik umzustellen oder existierende, konventionelle Systeme zu ergänzen und erwarten einen weiteren Umsatzschub in den nächsten Jahren.

Wie groß ist der Schulungsaufwand im Vergleich zu anderen Messsystemen?
Für Mitarbeiter, die Grundkenntnisse in Messtechnik und/oder Qualitätssicherung mitbringen, ist es überraschend einfach, vergleichbar simpel wie das Knipsen von Fotos. Mit Blick auf die genannten Systeme würde ich den Schulungsaufwand eher geringer ansetzen, besonders beim Comet L3D, denn bei diesem haben wir besonderen Wert auf einfachste Bedienung gelegt.

Kann man mit optischen Systemen in Echtzeit gegen CAD-Modelle messen?
Die optische Messung ist in ein oder zwei Sekunden abgeschlossen, der Vergleich der mehreren Millionen Messpunkte mit dem CAD-Teil dauert noch einmal einige Sekunden – ich denke, auf dieser Basis kann man fast von Echtzeit sprechen.

Zu welchen CAD-Systemen gibt es Schnittstellen?
Wir können die CAD-Daten aller gängigen CAD-Systeme und Standardschnittstellen einlesen sowie die gemessenen Punkte auch wieder exportieren, zum Beispiel als STL-Dateien.

Welche Entwicklungspotenziale hat Ihr Messsystem mit Blick auf noch höhere Genauigkeiten, Messgeschwindigkeiten?
Nun, es geht immer weiter, im Bereich der Genauigkeiten sind wir schon recht weit, bei den Messgeschwindigkeiten kann man sich noch einiges vorstellen. Auch bei der Kombination von verschiedenen Sensoren oder Spezialsystemen für spezielle Anwendungen. Unsere Weiterentwicklung geht aber eindeutig nicht nur in den Bereich höhere Genauigkeit oder Geschwindigkeit. Beides ist wichtig, für eine Verbreitung im Markt ist jedoch zudem eine einfache Handhabung und hohe Portabilität nötig, worauf wir besonders bei der Entwicklung unseres neuen ‚Comet L3D‘ geachtet haben. Alles in allem stehen für uns extreme Genauigkeit, einfachste Handhabung und ein sehr günstiger Preis im Vordergrund.

Ist Ihr System im Vergleich zu Laser-Trackern, Messarmen oder klassischen Koordinatenmessgeräten preislich attraktiv?
Seit der Control 2011 haben wir mit dem Comet L3D ein optisches System auf dem Markt, das bezüglich des Preis-/Leistungsverhältnisses nur sehr schwer zu übertreffen ist. Wir haben den Sensor auf der Control als Promotion für 29 900 Euro angeboten und das Komplettsystem mit Sensor, Software, Stativ, Schwenkkopf und Laptop für 34 900 Euro. Wir denken, dass wir mit diesem Preis den Umstieg vieler Firmen von konventioneller auf optische Messtechnik noch einmal deutlich beschleunigen werden.

Der Einstieg kostet kein Vermögen

Die Steinbichler Optotechnik GmbH präsentierte auf der Fachmesse Control 2011 das neue Streifenprojektionssystem ‚Comet L3D‘ mit LED-Technologie als Einstiegslösung für die präzise 3D-Digitalisierung. Hans Weigert erläutert: „Die Kombination aus extra leicht konzipiertem Sensorkopf, hoher Genauigkeit und äußerst schneller Punktaufnahme eröffnet besonders in der mobilen 3D-Digitalisierung von filigranen Bauteilen kleiner bis mittlerer Größe neue Möglichkeiten. Mit dem portablen und einfach bedienbaren Comet L3D bieten wir unseren Kunden ab sofort ein genaues Digitalisiersystem für die zuverlässige Qualitätssicherung im Midrange-Preissegment an.“ Es zeichne sich zudem durch zuverlässige Elektronik und qualitativ hochwertige Industrieoptik aus. Ausgestattet mit einer 2-Megapixel-Kamera besitzt der Comet L3D eine feste Triangulationsbasis, welche mit vorjustierten Objektiven betrieben werden kann. Durch die vordefinierte Position von Objektiv und Kamera können die Projektionsobjektive schnell und einfach ummontiert und somit das benötigte Messfeld in weniger als fünf Minuten angepasst werden. Das System kann bequem von nur einem Anwender bedient werden