Dr. Harald Balzer ist Vorstand der Concept AG und Partner der Fachzeitung Produktion beim

Dr. Harald Balzer ist Vorstand der Concept AG und Partner der Fachzeitung Produktion beim Online-Benchmark (Bild: Concept AG).

von Michael Erben

LANDSBERG/STUTTGART (ilk/ks). Niedrige Ausschussquoten zusammen mit einem kleinen ppm-Wert, eine minimierte Bestandsquote sowie ein gutes Verhältnis zwischen Beständen und Materialquote, dazu eine gute On-Time-Delivery zu den Kunden gepaart mit kleinen Durchlaufzeiten für die Hauptvolumenträger. Wer hier punkten konnte, stand ganz oben im Ranking des vom Stuttgarter Consultingunternehmen Concept AG gemeinsam mit der Fachzeitung Produktion durchgeführten Online-Benchmarks für die Produktionsabläufe kleiner und mittlerer Unternehmen. Unter ‚www.produktion.de’ konnten Unternehmen eine Einschätzung zur Situation ihrer Produktion erhalten – vorausgesetzt in den interaktiven Fragebogen wurden ausreichend Einzelinformationen zur Prozessqualität des Unternehmens und aussagefähige Kennziffern aus dem Produktionsalltag eingetragen. Absolute Vertraulichkeit war garantiert.

Für Teilnehmer am Produktionsbenchmark wurden die Kategorien Versorgungssicherheit durch Lieferanten, Effektivität der Produktion, Prozessqualität gegenüber dem Kunden, Organisation der Informationsflüsse und des Personals, Leistungsfähigkeit des Materialflusses und der Effizienzgrad des Bestandsmanagements ausgewertet. Die Concept-AG-Experten bewerteten eine zuverlässige Auslieferung zu den Kunden besonders hoch. Denn mit den aktuell hochgefahrenen Produktionskapazitäten sind besondere Risiken verbunden, so vor allem, was die Abhängigkeit von stets lieferfähigen Lieferanten anbelangt.

Zur Früherkennung von Engpässen und Auftragswechseln kann die Logistik im Sinne eines Bindeglieds zwischen Lieferanten und Kunden genutzt werden. Wenn an dieser Stelle die Kommunikation effizient und zielgerichtet ausgestaltet ist, ist viel geholfen. Insgesamt half das Benchmarkverfahren, sowohl Top-Leistungsmerkmale wie durchaus auch Potenziale zur Verbesserung aufzudecken. Concept-AG-Vorstand Dr. Harald Balzer: „Produktionsoptimierung ist eine ständige Herausforderung. Unsere Bewertung qualitativer und quantitativer Aussagen setzte voraus, dass die Teilnehmer kaufmännische und technische Kennzahlen bereitstellten.“ Aus der Kombination beider Kennzahlengruppen resultieren Schlüsselgrößen, welche den Blick für steuerungsrelevante Zusammenhänge schärfen.

Die Zwischenergebnisse des Benchmarks zeigen unmittelbar auf, womit produktionsstarke Unternehmen punkten.

Womit produktionsstarke Unternehmen punkten:

  • Die Lieferfähigkeit (On-Time-Delivery) zum Kunden überzeugt.
  • Über die gesamte Fertigung unter Einbindung der externen Partner ist ein Ziehsystem implementiert.
  • Mindestens gibt es Ansätze zu einer Materialflussoptimierung im Material- und Fertigungsprozess.
  • Speziell beim Hauptvolumenträger ist die Durchlaufzeit kurz.
  • Die Bestandsquote ist niedrig.
  • Im Jahresvergleich 2009/2010 steigt die Wertschöpfung pro gewerblichem Mitarbeiter signifikant, dies auch vor dem Hintergrund einer stimmigen prozentualen Verteilung zwischen Angestellten und gewerblichen Mitarbeitern.
  • Das Verhältnis zwischen Beständen und Materialquote ist ausgeglichen.

Aber was wäre ein Benchmark, wenn er sich für die Teilnehmer nicht zur Hebung von Potenzialen nutzen ließe! Zum einen kann hier spiegelbildlich auf die Leistungsmerkmale der Besten verwiesen werden. Zum anderen tauchen folgende Verbesserungsansätze vermehrt bei den Teilnehmern auf

  • Die Durchgängigkeit der Informationssysteme ist oftmals unzureichend und muss ausgebaut werden,
  • die Kommunikation mit Kunden und Lieferanten ist zu verbessern,
  • nicht vorhandene oder unzureichende Standards bei der Lieferantenauswahl und deren Bewertung müssen bearbeitet werden,
  • hohe Reklamationsquoten bei den Lieferanten müssen abgestellt werden,
  • die Lagerreichweite bei Rohmaterialien sind zu senken,
  • an einer geringeren Ausschussquote in der Produktion ist zu arbeiten,
  • einer relativ hohen Reparatur- und Instandhaltungsquote bei durchschnittlichem Alter der Produktionsanlagen ist entgegen zu wirken sowie
  • das Verhältnis zwischen der Anzahl der Angestellten und der gewerblichen Mitarbeiter sowie die durchschnittlichen Personalkosten bei den Angestellten muss im Blick behalten werden.

Wo trotz steigendem Umsatz die EBIT-Rate sinkt, lässt dies auf nicht konsequent angepasste Kostenstrukturen schließen. Trendaussagen und ein Vergleich der eigenen Kennziffern mit denen des Gruppenbesten und zum Mittelwert ersetzen keine Vor-Ort-Analyse. Darauf weisen die Experten von der Concept AG ausdrücklich hin. Dr. Harald Balzer rät: „Wenn in einem Benchmark die Ampeln auf rot stehen, heißt das natürlich, die Defizite analysieren und über Konsequenzen zu entscheiden. Mit der Auswertung des Benchmark in Händen steht für diese Unternehmen folgende Überlegung an: Warum ist dieser oder jener Teilnehmer im Bereich x oder y so gut? Was machen die besser? Wo kann ich von Best-Practice-Beispielen lernen?“ Aber auch eine grüne Ampel sollte nicht dazu verleiten, sich zurückzulehnen. Die Branchenbedingungen ändern sich rasant. Es ist daher nur klug, die Potenziale immer im Blick zu haben.
Das Fazit der Concept AG: Die Teilnehmer des Online-Benchmark sind in Bezug auf Ihre unternehmensinternen Abläufe überwiegend gut aufgestellt. Die Ergebnisse legen nahe: Der Fokus für viele Unternehmen lag in der Vergangenheit auf der Optimierung der unternehmensinternen Prozesse. Optimierungspotenzial haben die Teilnehmer bei den Schnittstellen zu Lieferanten und Kunden sowie der internen Kommunikation. Dr. Harald Balzer vermutet, dass die Optimierung und Anbindung dieser Punkte in der Vergangenheit auf der Suche nach dem lokalen Optimum vernachlässigt wurde.

Produktion Nr. 38, 2011