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31.01.2012 | Fabrik des Jahres
Siegfried Russwurm: “Produktivität ist der rote Faden”

Er ist studierter Maschinenbauer und Chef des Industrie-Sektors von Siemens mit 100 000 Mitarbeitern und fast 20 Milliarden Umsatz: Prof. Dr. S. Russwurm sprach mit Produktion-Chefredakteur Eduard Altmann und erklärte seine Strategien für den Maschinenbau, Energie-Effizienz und Megatrends.
von Eduard Altmann
Herr Professor Russwurm, wurde Ihnen Leidenschaft für Technik in die Wiege gelegt?
Ich habe meine erste elektrische Eisenbahn im Alter von drei Jahren bekommen. Das darf man schon frühkindliche Prägung nennen. Und ja, ich glaube, ich war schon immer technik-affin. Ich wusste damals schon, dass ich was mit Technik machen würde. So kam ich schließlich zum Maschinenbau-Studium…
…und zur heutigen Position als Siemens-Vorstand. Wie macht sich Ihre Leidenschaft für Technik im Top-Management bemerkbar?
Mir reichen Powerpoint-Folien nicht aus, ich möchte die Dinge technisch verstehen. Zwanzig Jahre Berufslaufbahn in und um die Produktion haben zur Folge, dass ich es immer genau wissen will. Manchmal sogar, ich gebe es zu, einfach aus technischer Neugier.
Produktion, Medizintechnik, Automatisierung – und dann Personal-Vorstand? Wie kam’s?
Das resultiert aus der Siemens-Tradition, dass der Personal-Vorstand immer aus dem operativen Geschäft kommt. Mit der Aufgabe, eine Brücke zu schlagen zwischen Geschäft, Führungskräften, weltweit 360 000 Mitarbeitern und der Personal-Organisation.
Sie verantworten jetzt bei Siemens den Industry Sector – das klingt nach old economy…
Das Stereotyp ‘Blaukittel versus Weißkittel’ ist inzwischen überholt. Es gibt im Industry Sector mindestens ebenso viele Software-Entwickler wie etwa bei Healthcare oder Energy. Auch unsere Getriebebauer wissen längst, dass beim Condition Monitoring an einem Großgetriebe die Sensorik und Software den Unterschied macht. Und auch der Mehrfachantrieb einer Zementmühle – auf den ersten Blick old economy – ist ein hochgradig softwaregetriebenes Thema.
Welche Rolle spielt Ihr Industry Sector im Konzern?
Wir versorgen unsere Siemens-Nachbarsektoren mit plattformbasierten Produkten, Lösungen und Serviceleistungen, genau wie hunderttausende externe Kunden verschiedenster Branchen. Wir verkaufen Produktivität – das ist der rote Faden – für interne und externe Kunden.
Zum 1. Oktober 2011 wurden Mobility, Building Technologies und Osram aus dem Industrie-Sektor herausgelöst und zum neuen, vierten Siemens-Sektor Infrastructure & Cities gemacht. Warum?
Die neue Struktur ist klar kundenorientiert. Denn die Interaktion mit einem Bahnunternehmen über neue Züge gehorcht anderen Gesetzen als die Diskussion mit einem Produktionsbetrieb über ein neues Automatisierungssystem. Mit der Neustrukturierung wurden diese beiden Zielgruppen voneinander getrennt. Damit können wir öffentliche Auftraggeber einerseits und Industriekunden andererseits fokussierter bedienen.
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