29.02.2012 | Lagertechnik

Logistik: Wie sicher sind deutsche Lager?

Lagerwelten bergen Gefahren. Risikoanalyse, moderne Technik und Vorschriften  bieten Schutz – aber nicht zu 100 % (Bild: Andre Wißbrock/Fotolia).
Lagerwelten bergen Gefahren. Risikoanalyse, moderne Technik und Vorschriften bieten Schutz – aber nicht zu 100 % (Bild: Andre Wißbrock/Fotolia).

Immer mehr Lagerkapazität, immer schnellerer Warenumschlag – die Anforderungen an die Lagertechnik steigen. Und damit auch das Unfallrisiko. Produktion fragte Experten: Wie sicher sind deutsche Lager?

von Klaus Hiemer
„Rund 800 Arbeitsunfälle pro Tag im Lager zeigen, wie wichtig das Thema Sicherheit im Lager für Betreiber, Fahrer und Fahrzeughersteller gleichermaßen ist“, meint Frank Bergmann, Produktmanager beim Intralogistik-Spezialisten Linde Material Handling. Dabei gelte es nicht nur, Unfälle aufgrund der gesundheitlichen Schäden für die Mitarbeiter unbedingt zu vermeiden, auch die Folgekosten beispielsweise durch Schäden an Waren, Einrichtungen und Flurförderzeugen sowie eine geringere Produktivität im Lager begründeten Handlungsbedarf, führt Maurer aus.

Der bislang schlimmste Unfall ereignete sich im Januar 2008 in Queis unweit von Halle. Alle 16 Hochregale einer Lagerhalle mit einer Länge von 90 Metern stürzten in sich zusammen und begruben fünf Menschen unter sich. Zwei Personen starben, es entstand Sachschaden in Millionenhöhe. Unfallursache: Ein Flurförderzeug war gegen einen Regalpfosten gefahren und brachte die Anlage zum Einsturz. Für Christoph Hahn-Woernle, geschäftsführender Gesellschafter der viastore systems GmbH, steht der Aspekt Sicherheit ganz im Vordergrund. “Generalunternehmer, Zulieferer und Betreiber müssen davon wegkommen, dass das Material aus Kostengründen und zu Lasten der Menschen bis zum Gehtnichtmehr ausgereizt wird.”

„Moderne Regalanlagen aus Stahl sind äußerst robust und könne ein erstaunliches Gewicht tragen“, heißt es beim Lagerhersteller SSI Schäfer. „Aber auch Regale haben Schwachpunkte und sind nicht unzerstörbar.“ Schon kleine Beschädigungen könnten zum Einsturz eines ganzen Hochregallagers führen.

Seit das Lager in den letzten Jahren eine Art Renaissance erlebt hat – die 80er waren das Jahrzehnt der Hochregallager, in den 90ern war Lagerhaltung aus Kostengründen verpönt – rückt das Thema Lagertechnik immer mehr in den Vordergrund. Allerdings gibt es Nachholbedarf. „Das Lager wurde in der Vergangenheit weniger als Optimierungspotenzial erkannt. Es musste funktionieren“, sagt Dr.-Ing Thomas Sowa, Geschäftsführer des Verbandes für Lagertechnik und Betriebseinrichtungen. „Investitionen ins Lager wurden oftmals nicht erkannt oder nach hinten verschoben. Viele Lager sind veraltet und nicht gepflegt.“ Die europäische Norm DIN EN 15635 verlangt von den von Lagerbetreibern eine jährliche Inspektion durch eine Fachkraft. Die Jungheinrich AG beispielsweise schickt regelmäßig einen Regalinspekteur in die Lagerhallen. Fahrerschulungen, gründliche Risikoanalysen und modernste Assistenzsysteme am Stapler tragen viel zur Sicherheit bei. Der Unfall von Queis aber hat gezeigt: Der Mensch ist das größte Sicherheitsrisiko im Lager.

aus Produktion Nr. 9 , 2012

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