05.05.2011 |

Logistik-Outsourcing: Vorsicht bei der Partnerwahl

Mit der Leistung von erfahrenen Outsourcing-Unternehmen waren die meisten befragten Firmen durchaus zufrieden (Bild: Günther+Schramm).

In der Logistikbranche scheint das Thema Outsourcing nach einer aktuellen Studie gefragter denn je. Dabei sollten die Unternehmen aber die Kompetenz potenzieller Partner sehr sorgfältig prüfen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

von Klaus Hiemer

OBERKOCHEN. Insgesamt nahmen 99 Fach- und Führungskräfte an der Online-Befragung des Systemdienstleisters Günther + Schramm teil. Knapp die Hälfte der Teilnehmer hatte zum Zeitpunkt der Befragung bereits Erfahrung mit Outsourcing-Projekten gesammelt. Besonders häufig wurden bei dieser Gruppe die Leistungen Rohstofflagerung (60 %) und Sägezuschnitt (53 %) ausgelagert. „Gerade die Materialbevorratung und der Sägezuschnitt sind extrem kapital-, raum- und personalintensiv. Das Outsourcing ermöglicht es den Unternehmen, die freigesetzten Kapazitäten in ihre Kerntätigkeiten zu investieren“, so Günther + Schramm-Geschäftsführer Wolfgang Dörr.
Von den outsourcingunerfahrenen Unternehmen halten 67 % die Auslagerung bestimmter Aufgaben mittelfristig für denkbar, 17 % planen zurzeit ein Outsourcing-Projekt. Sie versprechen sich Kostensenkungen durch die Auslagerung (91 %) und eine Verbesserung von Verfügbarkeit und Lieferflexibilität (je 22 %).
Die outsourcingerfahrenen Unternehmen gaben folgende Gründe für ihr Auslagerungsprojekt an: Vermeidung von Investitionen (47 %), Konzentration auf Kernkompetenzen (40 %) und Erhöhung der Flexibilität (33 %). Bei der Auswahl des Outsourcing-Partners spielten die Kriterien Fachkompetenz, langjährige Erfahrung, kurze Lieferzeiten und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für besonders viele Befragte eine große Rolle. Zum Erfolg ihrer Auslagerung befragt, vergaben die Unternehmen meist positive Bewertungen: Knapp 70 % bezeichneten die Liefertreue als gut. 80 % vergaben diese Bewertung ebenfalls für das Preis-Leistungs-Verhältnis, bei der Lieferqualität taten dies sogar 90 % der Befragten. Bei der Einschätzung der Prozessoptimierung vergaben 80 % der Unternehmen das Urteil ‚gut‘. So überrascht es nicht, dass mehr als zwei Drittel dieser Unternehmen ihre Outsourcing-Entscheidung heute in gleicher Form wieder treffen würden, heißt es in der Studie. Die Unternehmen, die sich heute anders entscheiden würden, gaben ausnahmslos einen unerfahrenen Outsourcing-Partner als Begründung dafür an. Weiterhin wurden die Teilnehmer auch nach messbaren Erfolgen ihres Outsourcings befragt. Als wirtschaftlichen Effekt nannten sie die Vermeidung zusätzlicher Investitionen (40 %) sowie einen reduzierten Personalaufwand (33 %) und Kostensenkungen (27 %). In qualitativer Hinsicht stellte sich ein messbarer Erfolg vor allem in Form einer verbesserten Verfügbarkeit (33 %), höheren Lieferflexibilität (27 %) und schnellerer Durchlaufzeiten (27 %) ein. Die Befragten mit Outsourcing-Erfahrung gaben an, folgende Bereiche gegebenenfalls zukünftig auszulagern: Mechanische Bearbeitung (40 %), Rohstofflagerung (30 %) und Sägezuschnitt (30 %). „Im Vergleich zu den Ergebnissen unserer Studie von 2006 ist bemerkenswert, dass deutlich mehr Unternehmen eine Ausgliederung der Rohstofflagerung planen. Dies ist aus meiner Sicht auch auf die vergangene Wirtschaftskrise zurückzuführen und entspricht dem Bedürfnis, Investitionen – wenn möglich – zu vermeiden“, betont Wolfgang Dörr.
Unternehmen, die in der Zukunft ein Outsourcing von Lagerhaltung und Sägezuschnitt planen, sollten die Kompetenz potenzieller Partner sorgfältig prüfen. Um spätere Ärgernisse zu vermeiden, ist die Erstellung eines Pflichtenhefts sinnvoll.


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