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10.03.2010 | Automobilindustrie

Probleme kommen Toyota teuer zu stehen

Die Probleme bei dem japanischen Automobilhersteller Toyota Motor Corp reißen nicht ab und können den Konzern teuer zu stehen kommen.

von Mariko Sanchanta und Yoshio Takahashi, Wall Street Journal

TOKIO (Dow Jones/ks)–Analysten beziffern die Kosten der Rückrufe im Zusammenhang mit den Sicherheitsmängeln auf über 5 Mrd Dollar. Während die Japaner mit groß angelegten Verkaufskampagnen versuchen ihr Image zu kitten, sorgte am Wochenanfang ein Vorfall mit einem unkontrolliert beschleunigenden Toyota-Prius in den USA für Schlagzeilen. US-Behörden kündigten am Dienstagabend eine Untersuchung des Vorfalls an und die Aktie von Toyota verabschiedete sich daraufhin am Mittwoch im Tokioter Handel mit einem Minus von 1,4% aus dem Handel.

Marktteilnehmer gehen nun davon aus, dass es für die Japaner schwer werden könnte, in dem Anfang April beginnenden Geschäftsjahr 2010/11 einen Gewinn zu erzielen. Entscheidend für den weltgrößten Automobilhersteller ist die Frage, wie lange die durch den Rückruf bedingten Umsatzrückgänge in Nordamerika – Toyotas größtem Absatzmarkt – noch dauern. Marktteilnehmer zeigen sich allerdings überrascht, dass trotz der Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen der US-Marktanteil von Toyota nur auf 12,7% von rund 14% im Vormonat gefallen ist. Ein möglicher Grund könnte sein, dass die Japaner in den USA aggressive Marketingkampagnen gestartet haben und neue Kunden unter anderem mit einer Null-Prozent-Finanzierung locken.

Die finanziellen Auswirkungen der Rückrufaktion werden sich bei Toyota erst im kommenden Geschäftsjahr zeigen. Für das am 31. März endende Jahr 2009/10 dürfte Toyota noch einen Nettogewinn von 80 Mrd Yen (0,89 Mrd Dollar) berichten. Im Vorjahr hatte der Konzern mit Minus 437 Mrd Yen seinen ersten Nettoverlust in 59 Jahren gemeldet. Der Konzern selbst beziffert die Rückrufkosten in dem noch laufenden Geschäftsjahr auf 180 Mrd Yen. Laut Analysten werden die Kosten in Zukunft aber deutlich höher sein. Im Jahr 2010/11 dürfte es Toyota nicht leicht fallen, wieder einen Gewinn zu schreiben, sagte Tatsuya Mizuno, Analyst bei Mizuno Credit Advisory.

Nach Schätzungen von J.P. Morgan könnten sich die Kosten der weltweiten Fahrzeugrückrufe und des daraus resultierenden Imageschadens dann auf 500 Mrd Yen summieren. Darin enthalten sind dann auch erwartete Prozesskosten von 100 Mrd Yen. Auch die Investitionen in die Werbemaßnahmen werden sich bemerkbar machen. Die Deutsche Bank beziffert die Belastung beim operativen Gewinn auf 290 Mrd Yen. Sollte Toyota das Absatzniveau in den USA nicht halten können, drohen dem Konzern zudem steigende Fixkosten durch Überkapazitäten in den US-Fabriken.

Bei Toyota wollte man sich auf Anfrage am Dienstag nicht zu den Kostenschätzungen der Analysten äußern. Dank eines bequemen Finanzpolsters von mehr als 29 Mrd Dollar in Bar und einer sehr niedrigen Verschuldungsquote dürfte Toyota nach Einschätzung von Beobachtern die Rückschläge aber eigentlich ohne Risiko für die Bonität abfangen können.

Dennoch hat die Ratingagentur Fitch ihre Bonitätsnote “A+” für den Konzern auf ihre Beobachtungsliste mit negativen Vorzeichen gesetzt. Die Rückrufe und Verkaufsstopps würden ein schlechtes Licht auf Toyota als Qualitätshersteller werfen, begründete Fitch diese Entscheidung. Eine Senkung der Bonitätsnote kann es einem Unternehmen erschweren, Geld auf den Kreditmärkten aufzunehmen.

Bislang hat Toyota unter anderem die Modelle Toyota Camry und Avalon Sedan sowie Lexus ES Sedan zurückgerufen. Die klemmenden Gaspedale und lockere Fußmatten sollen ersetzt werden, die sich in den Pedalen verhakt hatten. Bereits im Februar kündigte der Konzern auch einen Rückruf des Hybridmodells Prius an.

Die US-Behörden wollen sich jetzt den jüngsten Vorfall bei Toyota genauer ansehen, der für Aufsehen gesorgt hatte. Am Montag hatte ein 61-jähriger Fahrer aus seinem unkontrolliert beschleunigenden Wagen die Polizei zu Hilfe gerufen. Per Lautsprecher wiesen die Polizisten den Mann an, durch wiederholte Betätigung der Handbremse und dann Abschalten des Motors abzubremsen. Als der Toyota langsamer wurde, setzte sich ein Polizeiwagen vor ihn, fuhr in eine Haltebucht und brachte mit der hinteren Stoßstange das Auto endgültig zum Stehen.

Ein Konzernsprecher von Toyota sagte, der geplante Rückruf des Prius sei noch nicht erfolgt, weil Toyota noch keine Lösung für das Problem des Modells entwickelt habe.

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