Manfred Geiß fürchtet, dass die sprichwörtliche deutsche Wertarbeit Einsparmaßnahmen zum Opfer fällt.
31.03.2010 | Maschinenbau
Interview
“Wir brauchen noch ein halbes Jahr Krise!”
SESSLACH (sm). Manfred Geiß, Geschäftsführer der Geiss AG, beobachtet ein Frühlingserwachen bei seinen Kunden. Konkret bestellt wird aber nach wie vor nichts. Warum er dies gar nicht so negativ sieht, berichtet er uns in diesem Interview.
Herr Geiß, glauben Sie, dass die Krise überstanden ist?
Unser Auftragseingang hat noch nicht wieder angezogen. Aber die Stimmung ist, wie überall, auch in meiner Branche wieder deutlich besser geworden. Wir merken das an einer deutlichen Zunahme konkreter Anfragen. Ich wünsche mir aber ohnehin, dass die Krise noch ein halbes Jahr anhält. Denn dann würden im Zuge der Marktbereinigung einige meiner Wettbewerber ausscheiden. Mein Unternehmen würde eine weitere Durststrecke weitgehend unbeschadet überstehen, denn wir haben ein solides Finanzpolster.
Hat es diese Marktbereinigung noch nicht gegeben?
Nein, bisher haben sich auch schwächere Wettbewerber mit Kurzarbeit und Krediten über die Krise gerettet. Umfallen werden sie spätestens, wenn wieder Aufträge kommen. Denn dann müssen sie investieren, haben dafür aber kein Geld. In diesem Stadium befinden sich einige meiner Wettbewerber gerade. In einem halben Jahr dürfte die Marktbereinigung dann abgeschlossen sein. Dann ist unsere Stunde gekommen und wir werden gestärkt aus der Krise gehen.
Hat auch ihrem Unternehmen die Kurzarbeit geholfen?
Ja, sie hat uns sehr geholfen. Trotzdem hat sie auch einige Nachteile, denn sie hat den Arbeitsmarkt eingefroren. Junge Leute haben selbst bei hoher Qualifikation derzeit keine Chance, einen ordentlichen Arbeitsplatz zu finden. Die ältere Generation treibt Besitzstandswahrung und sitzt fest im Sattel. Jün-gere haben keine Einstiegs- oder Aufstiegschancen, selbst wenn sie besser qualifiziert sind. Und wer einen Job findet, wird häufig gnadenlos ausgepresst.
Warum zögern Ihre Kunden bei konkreten Investitionsent-scheidungen noch?
Weil ihnen ein wirkliches Vertrauen in die Zukunft fehlt. In Deutschland ist da besonders unsere schwarz-gelbe Regierung schuld. Alle haben darauf gewartet und mittlerweile ist klar, dass sie eine einzige Enttäuschung ist. Besonders uns Mittelständlern wurden ja Steuererleichterungen und eine Entbürokratisierung versprochen. Davon ist nichts zu sehen. Im Gegenteil: Ich rechne fest mit deutlichen Steuererhöhungen, denn irgendwer muss ja beispielsweise für die drohenden Staatspleiten bezahlen.
Sind die Banken auch schuld?
Ich halte es für falsch, den Banken einen Vorwurf für ihre zögerliche Kreditvergabe zu machen. Denn die wollen das Geld ja auch wiedersehen und wenn es allgemein kein nachhaltiges Vertrauen in die Zukunft gibt, müssen sie sich natürlich zurückhalten. Es ist ja schließlich in der Regel nicht ihr Geld, mit dem sie diese Risiken eingehen.
Wie haben Sie auf diese Kreditklemme reagiert?
Wir bieten unseren Kunden nach Prüfung seiner Projekte die Finanzierung unserer Maschinen selbst an. Das ist allerdings immer mit einem Eigentumsvorbehalt verbunden und der Kunde muss 40% sofort anzahlen. Da die Maschine bis zur vollständigen Bezahlung mein Eigentum bleibt, ist mein Risiko relativ gering. Bei den rund 70% unserer Maschinen, die in den Export gehen, ist dieser Eigentumsvorbehalt nicht möglich. Deswegen sind wir hier deutlich vorsichtiger und bieten die Finanzierung nur handverlesenen Kunden an. Wir wollen aber nicht zu einer Bank werden und beschränken Finanzierungsgeschäfte auf rund 20% unseres Umsatzes. Angezogen hat aber auch das Leasing-Geschäft und mittlerweile werden rund zwei Drittel unserer Maschinen geleast.
Fürchten Sie, dass im Zuge der Krise die Qualität deutscher Maschinen auf der Strecke bleibt?
Ja. Gerade die deutschen Maschinenbauer stehen angesichts des starken weltweiten Wettbewerbs unter einem erheblichen Kostendruck. Da ist der Zwang zum Sparen enorm und die Versuchung groß, billigere Technik und billigeres Personal einzusetzen. Insbesondere jüngere und unerfahrene Einkäufer unserer Kunden glauben, eine in der Anschaffung billigere Maschine ausländischer Produktion funktioniere genauso gut wie eine deutsche. Das ist ein echtes Problem.
Gibt es also keinen Trend, bei der Anschaffung einer Maschi-ne die tatsächlichen Kosten für jedes darauf produzierte Bau-teil zum Kaufkriterium zu machen?
Doch, den gibt es bei vielen Firmen und insbesondere bei großen Konzernen. Das hat aber dazu geführt, dass wir schon bei der Angebotsabgabe bis hin zum letzten Schräubchen alles beweisen und belegen müssen. Um diesen Nachweis zu führen, bräuchte ich eine ganze Abteilung und das kann ich mir nicht leisten. Obwohl gerade unsere Maschinen für ihre hohe Qualität, Produktivität und Zuverlässigkeit am Markt bekannt sind.
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Hallo Hr. Geiss,
guter Bericht.
Allerdings finde ich, ist es weithergeholt, die Schuld der jetzigen Regierung in die Schuhe zu schieben. Die Fehler für diese Finanz- und Wirtschaftssituation wurden bereits viel früher gemacht.