28.02.2011 | Automotive

Bayerns IG-Metall-Chef sieht Weichen für Schaeffler/Conti-Verflechtung gestellt

Der Vorsitzende der bayerischen IG Metall, Jürgen Wechsler, sieht die Weichen für eine Verflechtung der beiden Automobilzulieferer Continental und Schaeffler gestellt.

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

NÜRNBERG (Dow Jones/ks)–”Wir als IG Metall sind für Continental und Schaeffler in einem Unternehmensverbund. (…) Aus meiner Sicht ist die Zeit jetzt reif, die notwendigen Schritte zu machen”, sagte Wechsler, der auch im Aufsichtsrat des fränkischen Wälzlagerherstellers sitzt, am Freitag vor Journalisten in Nürnberg. Denn das operative Geschäft habe sich deutlich von der Wirtschaftskrise erholt. “Schaeffler ist gut unterwegs”, sagte Wechsler.

Es gebe seines Wissens aktuell aber keinen Anlass zu glauben, dass eine Transaktion bevor stehe. Ob es letztlich zu einer Mehrheitsbeteiligung oder einer Fusion komme, müsse in den Unternehmen geklärt werden: “Die Form ist noch zu finden”.

Wechsler sagte, er wolle keinerlei Druck auf die Beteiligten machen. “Letztlich müssen das die Eigentümer entscheiden”. Es gebe aus seiner Sicht aber keinen Grund, lange zu warten. Denn eine Verflechtung wäre “strategisch sinnvoll”, erklärte Wechsler mit Blick auf die auf die Industrie wartenden Herausforderungen, beispielsweise auf dem Gebiet der Elektromobilität.

Schaeffler hatte sich bei dem Versuch verhoben, die ungleich größere Continental AG zu übernehmen. Seither plagt das fränkische Familienunternehmen ein milliardenschwerer Schuldenberg.

Per Ende September 2010 senkte Schaeffler seine Verbindlichkeiten bei den Banken auf 5,8 Mrd von 7 Mrd Euro. Das sind jedoch nur die Darlehen, die auf dem operativen Geschäft lasten. In der darüber angesiedelten Schaeffler-Dachgesellschaft stehen weitere 5 Mrd Euro an Schulden zu Buche – für die die Herzogenauracher weder Zinsen noch Tilgungen zahlen.

Schaeffler halt direkt noch rund 42% an Conti, nachdem das Familienunternehmen bei der Kapitalerhöhung der Hannoveraner im vergangenen Sommer nicht mitgezogen hatte. Inklusive der bei Banken zwischengeparkten Anteile haben die Franken Zugriff auf rund drei Viertel der Conti-Anteile.

Zuletzt hatte Schaeffler mit Blick auf die anvisierte Verflechtung mit Conti auf die Bremse getreten. Vorstandschef Jürgen Geißinger hatte mehrfach betont, der Fokus liege auf der operativen Entwicklung. Um die Jahreswende gab es sogar Spekulationen, der Zusammenschluss könnte ganz abgeblasen werden.

Das Geschäft von Schaeffler erholte sich im vergangenen Jahr dank des Booms in der Autoindustrie deutlich. Geißinger erklärte auf der Automesse in Detroit im Januar, die anvisierten Jahresziele seien 2010 erreicht worden. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Jahr laut dem Manager deutlich über die angepeilte Marke von 9 Mrd Euro und die Zielrendite vor Zinsen und Steuern von etwa 15% wurde erreicht.

2009 hatte dem Hersteller von Motor-, Getriebe-, Fahrwerksystemen und sowie Lagern für die Automobilbranche und andere Industrien die Wirtschaftsflaute schwer zu schaffen gemacht. Die Einnahmen brachen auf 7,3 Mrd Euro ein, die Marge schrumpfte auf 5%.

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