10.02.2012 | Maschinenbau

Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie glänzt mit Rekordwerten

Martin Kapp, Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken).
Martin Kapp, Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken).

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie hat sich nach der Krise kraftvoll zurückgemeldet und das vergangene Jahr mit Rekordwerten abgeschlossen. Für 2012 prognostiziert der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) ein Produktionswachstum von 5%.

Frankfurt (sm). 2011 erwirtschaftete die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie 13,1 Mrd Euro. „Mit 33 Prozent ist das der höchste Zuwachs, der je erreicht wurde“, sagt Martin Kapp, Vorsitzender des VDW, anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt am Main. Die deutschen Exporte haben mit einem Anstieg von 33% auf 8,1 Mrd Euro eine Punktlandung hingelegt. Der mit Abstand wichtigste Markt ist und bleibt China. Er ist mit über 2 Mrd Euro und einem Zuwachs von fast zwei Fünfteln mehr als dreimal so groß wie die Nummer 2, die USA. Überraschend jedoch: Nord-Amerika punktete mit einem Zuwachs von 71%. Darin spiegeln sich die gestiegenen Ausrüstungsinvestitionen der US-amerikanischen Industrie wider. „Vor allem die Automobilindustrie setzt auf Fertigungstechnik Made in Germany“, erklärt Kapp.

Der Inlandsmarkt wuchs mit 38% überproportional. Die Automobilindustrie, ihre Zulieferer und der Maschinenbau haben vom Weltmarktboom profitiert und ihre deutschen Produktionsstätten mit modernster Fertigungstechnik ausgestattet. Die Importe zogen um 43% an. Bis auf wenige Ausnahmen konnten alle Lieferländer ihre Ausfuhren nach Deutschland steigern, zum großen Teil zweistellig. An der Spitze lagen traditionell die Schweiz und Japan. Im November 2011 arbeiteten rd. 67 800 Männer und Frauen in der Werkzeugmaschinenindustrie. Das waren 4,4% mehr als binnen Jahresfrist.

Mit 93,8% waren die Kapazitäten 2011 voll ausgelastet. Der Auftragsbestand reicht mit zuletzt 9,5 Monaten im Oktober 2011 bis weit in das laufende Jahr hinein. Das Ergebnis gehört zu den historischen Spitzenwerten. Trotz hoher Kapazitätsauslastung schmilzt der Auftragsbestand kaum ab. „Das bietet ein gutes Polster für das laufende Jahr“, zeigte sich Kapp zufrieden. Im Gesamtjahr 2011 stieg der Auftragseingang um 45%. Inlands- und Auslandsnachfrage wuchsen im Gleichschritt um 46 bzw. 45%.

Nachfrage beruhigt sich

Auf der Basis der hohen Werte von Auftragseingang, Auftragsbestand und Kapazitätsauslastung erwartet der VDW für 2012 für die deutsche Werkzeugmaschinenproduktion einen Anstieg von weiteren 5%. Gestützt wird die Prognose auch durch makroökonomische Frühindikatoren. Der VDW-Prognosepartner Oxford Economics schätzt den Zuwachs für die Weltwirtschaft 2012 auf 2,5%. Stärker wachsen die Industrieproduktion und damit verbunden vor allem die Investitionen der wichtigen Abnehmerbranchen für die Werkzeugmaschinenindustrie. Zugpferd ist nach wie vor Asien mit Thailand, China, Taiwan, Japan und Indien als Vorreiter. In Deutschland signalisiert der Ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft, die wichtigen Abnehmerbranchen der Werkzeugmaschinenindustrie und für die Branche selbst steigende Zuversicht.

„Die verfügbaren Daten lassen einen Abbruch der internationalen Investitionstätigkeit unter derzeit gegebenen Umständen nicht erwarten“, sagt Kapp. „Jedoch befindet sich die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie bei allen Kennzahlen auf hohem Niveau. Allein deshalb wird sich das Wachstum im laufenden Jahr beruhigen“, so der VDW-Vorsitzende weiter. Speziell bei der Nachfrage sei 2012 nicht mehr mit Zuwächsen zu rechnen. Es gebe immer noch eine gewisse Verunsicherung durch gesamtwirtschaftliche Risiken wie Euroschuldenkrise oder Finanzmarktturbulenzen. Deshalb warteten insbesondere die mittelständischen Kunden ab, denn Ungewissheit sei Gift für jede Investitionsentscheidung.

Weiter zu Seite 2: “Deutsche Werkzeugmaschinen in Asien erheblich besser aufgestellt als europäischer Wettbewerb”

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