10.03.2010 | Maschinenbau

Engineering zurück nach Deutschland holen

Dr. Manfred Wittenstein, Präsident des VDMA, auf der Tagung "Anlagenbau der Zukunft" in Magdeburg. Foto: Viktoria Kühne/Fraunhofer IFF
Dr. Manfred Wittenstein, Präsident des VDMA, auf der Tagung "Anlagenbau der Zukunft" in Magdeburg. Foto: Viktoria Kühne/Fraunhofer IFF

Für den Anlagenbau der Zukunft wollen Experten das Engineering zurück nach Deutschland holen.

Magdeburg (pd). Unter dem Leitthema “Effizienz im Anlagenlebenszyklus” hat  die Tagung “Anlagenbau der Zukunft” stattgefunden. Zwei Tage lang tauschten sich rund 150 Teilnehmer aus Industrie, Wissenschaft und Politik zu den neuesten Trends und Perspektiven für den Anlagenbau aus.

Das Fraunhofer IFF und seine Mitveranstalter, der Landesverband Ost des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA, der Verband der Chemischen Industrie VCI Nordost, die Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland und der Zweckverband zur Förderung des Maschinen- und Anlagenbaus Sachsen-Anhalt FASA versammelten Deutschlands Experten zu der Tagung.

Sie zeigten sich zum Auftakt einig: Die Entwicklungsarbeit von Ingenieuren muss aus dem Ausland wieder zurück nach Deutschland geholt werden. Was früher ein finanzieller Vorteil war, zeigt sich heute als Wissensverlust. Nur wenn das Engineering wieder dort geleistet wird, wo die Anlagen auch gebaut werden, kann der deutsche Anlagenbau seinen Know-how-Vorsprung halten. Ein weiterer Aspekt: Bis 2020 beispielsweise will die EU die Energie-Effizienz um 20 Prozent steigern. Deutschland setzt sich weltweit für den Umweltschutz ein. So kommt es heute immer stärker auf sparsamere und umweltfreundlichere Produktion an: Die Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz ist ein zentrales Anliegen, dass die Branche verbindet. “Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist der Innovationsmotor auf diesem Gebiet”, unterstreicht Dr. Manfred Wittenstein, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). “Die Technologien der Branche haben schon jetzt knapp 30 Prozent zur Erreichung der gesamten Kyoto-Einsparverpflichtung Deutschlands beigetragen.”

Das alles lässt sich nur erreichen, wenn Unternehmen sich immer wieder von Neuem dem technologischen Fortschritt öffnen. “Um den Kostendruck der internationalen Konkurrenz standzuhalten, dürfen vor allem kleine und mittlere Unternehmen den Anschluss an moderne Technologien nicht verpassen. Vor allem in Sachsen-Anhalt machen diese Unternehmen den größten Anteil des Maschinen- und Anlagenbaus aus”, erklärt Dr. Reiner Haseloff, Minister für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt anlässlich der Tagung. Nach Angaben des VDMA beschäftigen 88 Prozent der Unternehmen weniger als 250 Mitarbeiter. 80 Prozent der Unternehmen aus dem Großanlagenbau erhalten ihre Aufträge aus dem Ausland. Politik und Forschung müssen ihren Beitrag dazu leisten und die Unternehmen befähigen, mit den modernsten technologischen Methoden und Werkzeugen zu arbeiten. Dann können sie als Zulieferbetrieb mit international agierenden Großunternehmen zusammenarbeiten.

Gelingt es den Unternehmen, sich internationalen Standards zu stellen, könnten sie als Entwicklungspartner auftreten und Komponenten und Bauteile genau an die Bedürfnisse ihrer Auftraggeber anpassen. Dabei ist das Digital Engineering unverzichtbar, schließlich ist es aus dem heutigen Produktionsalltag nicht mehr wegzudenken. “Lieferanten müssen diesen technologischen Herausforderungen folgen und neue Werkzeuge des Digital Engineering – wie Virtual Reality – ebenfalls in alle Schritte ihrer Prozesskette integrieren. Das Fraunhofer IFF will gerade kleinen und mittleren Unternehmen dies ermöglichen. Deshalb starten wir die Initiative ‘Effizienz im Anlagenlebenszyklus’”, gibt Institutsleiter Prof. Michael Schenk bekannt. “Damit verbunden ist eine intensive Qualifizierung, die neue Formen der berufsbegleitenden Bildung notwendig macht. Facharbeitern beispielsweise kann man so den Weg in eine Ingenieursausbildung ebnen”, ist Schenk überzeugt.

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